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Bauprojekt in Vinxel: „Wie die Chinesische Mauer“

Bauprojekt in Vinxel : „Wie die Chinesische Mauer“

Wolfgang Stahl ist ein alter Hase im Bürgerverein Vinxel. Doch solch einen Andrang wie am Dienstag bei der Versammlung zur geplanten Bebauung rund um den Hobshof hatte der Moderator noch nicht erlebt.

Der Bürgerkeller an der Holtorfer Straße platzte bei 120 Teilnehmern aus den Nähten. Eingeladen hatten Bürgerverein und Bürgerinitiative, die über ein Gespräch mit der Stadt und dem Eigentümer informieren wollten. Im Vorfeld hatten sie bereits deutlich gemacht, dass sie die Planung nicht pauschal ablehnen, aber ihre Vorstellungen einbringen möchten.

Deshalb wurde der Termin auch kurzfristig angesetzt, weil bis Freitag die Anregungen aus der Bürgerschaft bei der Stadt eingehen müssen, um noch in der Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses am 8. Juni Berücksichtigung zu finden. Dort wird es um den städtebaulichen Vertrag, den die Stadt mit dem Eigentümer – dem Erzbischöflichen Schulfonds – schließen möchte, und die Bebauungsplanänderung gehen.

Nach einer teilweise äußerst emotionalen fräger in dem städtebaulichen Vertrag verpflichten, einen Planungswettbewerb mit einer qualifizierten Jury durchzuführen. Hier sollen auch die Wünsche der Bürger Berücksichtigung finden. Diese Wünsche wollen die Bürger zuvor in einem Workshop mit einem professionellen Moderator artikulieren. Die Fraktionsvorsitzenden Josef Griese (CDU) und Lutz Wagner (Königswinterer Wählerinitiative) signalisierten bereits, dass sie eine solche Idee unterstützen könnten.

Wagner machte auch deutlich, dass die Entwurfsplanung des Eigentümers in der Politik in städtebaulicher Hinsicht kritisch gesehen werde. Die Bürgervereinsvorsitzende Mechthild Meiling berichtete aus dem Gespräch mit dem Eigentümer, selbst dem Schulfonds sei klar, dass die geplante Bebauung mit neun Mehrfamilienhäusern kaum realisierbar sei.

Bei der Versammlung wurde deutlich, dass der Erhalt einer Fläche, die der Allgemeinheit zugute kommt, wie es sie heute mit der Gastronomie im Hobshof gibt, eine zentrale Forderung der Bürger sein wird. Die Initiative hat den Eigentümer in dem Gespräch bei der Stadt gebeten zu prüfen, ob der Vertrag mit dem Pächter nicht bis zu einer endgültigen Entscheidung verlängert werden kann. Eine Antwort habe man noch nicht erhalten.

Pächter Alexander Schöneberg berichtete, dass ihm von der Kirche vor einem Monat gekündigt worden sei. Dabei habe man in den vergangenen sechs Jahren viel Geld und Energie in den Hof gesteckt. „Wir hätten das nicht gemacht, wenn uns damals kein Vorkaufsrecht zugesichert worden wäre. Dass der Hof nun vernichtet werden soll, ist eine Schande.“

Christoph Kley musste sich nach einem persönlichen Statement deutliche Kritik gefallen lassen. „Mir ist es peinlich zu sagen, ich wohne hier schön in Vinxel, und andere, die hier hinziehen wollen, haben Pech gehabt. Wir haben einen erheblichen Bedarf an Wohnungen in NRW und jeder sollte ein Interesse daran haben, dass Häuser gebaut werden. Für eine Mehrbebauung gibt es gute Gründe“, hatte er gesagt. Ob er dies mit seiner Rolle als Sprecher vereinbaren könne, wurde er gefragt. Dass Bürgerverein und Bürgerinitiative keine Fundamentalopposition gegen die geplante Bebauung vertreten, ärgerte manchen Bürger.

„Die geplanten zweieinhalbgeschossigen Doppelhäuser mit Garagen sind wie die Chinesische Mauer. Das ist kein Dorf mehr, das ist Vorstadt“, meinte ein Anwohner des Kapellenweges. Eine Nachbarin fürchtete hohe Anliegerkosten, wenn weitere Bebauung einen Ausbau ihrer Straße erforderlich machen würde. Kritisiert wurde auch, dass die Stadt zwar immer mehr Bebauung zulassen würde, gleichzeitig Vinxel aber keinerlei Infrastruktur oder Angebote habe.

Immer wieder gab es lauten Applaus. „Die Stadt ist auch verantwortlich für die Lebensqualität ihrer jetzigen Bürger“, meinte ein Teilnehmer. Eine andere Bürgerin ärgerte das aus ihrer Sicht „elitäre Denken“ und die ganze Diskussion. „Muss man in Vinxel eigentlich ein Bankkonto in gewisser Höhe haben, um hier wohnen zu dürfen?“, fragte sie.