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Projekt von Chance 7: Winzer in Niederdollendorf möchte Weinanbau ausweiten

Projekt von Chance 7 : Winzer in Niederdollendorf möchte Weinanbau ausweiten

Der Nebenerwerbswinzer Kay Markus Thiel aus Niederdollendorf möchte mit Hilfe von Chance 7 seine Anbaufläche auf bis zu vier Hektar vergrößern.

Als Nebenerwerbswinzer, der erst seit zweieinhalb Jahren eine kleine Fläche bewirtschaftet, kann sich Kay Markus Thiel durchaus geschmeichelt fühlen. Denn sein Weinberg gehört zu den Vorzeigeprojekten im Rahmen von Chance 7.

Der 57-jährige ehemalige Schauspieler, der heute freiberuflich in der IT-Branche arbeitet, pachtete Anfang 2016 die 6000 Quadratmeter große Fläche im Heisterberg in Niederdollendorf mit 2600 Rebstöcken vom Landschaftsverband Rheinland, der den Weinberg dem Rheinischen Verein für Denkmalpflege unterverpachtet hatte. Im vergangenen Jahr schloss Thiel einen Vertrag mit Bioland und ist jetzt der einzige biologische Weinbaubetrieb in NRW.

Korridor für Pflanzen und Tiere

In Zukunft könnte die alte Winzertradition im Heisterberg und im benachbarten Kellerberg wieder aufleben. Über das Naturschutzgroßprojekt Chance 7 hofft Thiel, an eine weitere 4000 Quadratmeter große Fläche, die unmittelbar an seinen Weinberg grenzt, zu kommen. Zusätzlich hätte er gerne noch zwei weitere Flächen im Kellerberg: die eine ist rund zwei Hektar groß und liegt beidseits der Straße, die zum Jufa-Hotel führt; die andere ist oberhalb des Kellerberger Winzerwegs gelegen und etwa ein Hektar groß. Ein Teil der Flächen sind Streuobstwiesen. Alles in allem würde Thiel dann rund vier Hektar bewirtschaften.

Das Problem: Zumindest ein Teil sind FFH-Flächen (Fauna-Flora-Habitat). Die dürfen zwar bewirtschaftet, ihr Wert im Sinne des Naturschutzes darf aber nicht verschlechtert werden. „Es wird letztlich um die Frage gehen, ob man den Weinbau als Maßnahme des Naturschutzes ansehen kann“, sagt Thiel. Die von Chance 7 gewünschte Wiederansiedlung der Mauereidechse hält er zum Beispiel für gut möglich. Schließlich seien Trockenmauern deren bevorzugtes Revier. Die Zauneidechse ist bereits bei ihm zu Hause. Sein Weinberg könnte auch als Korridor für Pflanzen und Tiere dienen.

"Ein Signal, das das Stadtbild verändern würde"

Thiel möchte jetzt das realisieren, was in den 1970er Jahren vergeblich versucht wurde. Im Zuge der Flurbereinigung wurden an den Niederdollendorfer Rheinhängen sechs Hektar Weinbaufläche ausgewiesen. Doch kein Winzer wollte sie haben. Die zum Teil extrem steilen Lagen wirkten offensichtlich abschreckend. Damals gab es auch den Klimawandel noch nicht, der seitdem die Bedingungen für die Winzer am Mittelrhein erheblich verbessert hat.

Stattdessen wurden damals am Stappenberg Terrassenhäuser gebaut, wo früher Reben wuchsen. Auch hier könnte Thiel demnächst wieder etwas Wein anbauen. Eine Eigentümergemeinschaft hat ihn gefragt, ob er auf ihrem rund 800 Quadratmeter großen Grundstück Reben pflanzen möchte. „Ich habe einfach Spaß daran. Auch das wäre ein Signal, das das Ortsbild verändern würde“, sagt er.

Kontakt zu Chance 7 geknüpft

Vor einem Jahr hat er den Kontakt zu den Verantwortlichen für Chance 7 beim Kreis im Rahmen seiner Ausbildung zum Obstbaumwart geknüpft. Er hofft nun sehr, dass es mit der Ausweitung der Flächen klappt. Er denkt auch an die Zukunft des Weinbaus in Niederdollendorf, wenn er selbst in zehn bis 15 Jahren nicht mehr weiter macht. „Die Flächen müssen eine Größe haben, die betriebswirtschaftlich sinnvoll ist, so dass es attraktiv ist, sie zu übernehmen“, sagt er. Er befürchtet, dass das Pflänzchen Weinbau sonst in Niederdollendorf wieder stirbt. Wie schon einmal: Im Jahr 2002 hatte Otmar Schmitz-Schlang den historischen Weinberg Heisterberg neu angelegt und neun Jahre bewirtschaftet. Danach lag das Gelände wieder fünf Jahre brach.

Zurzeit investiert Thiel rund 500 bis 600 Stunden pro Jahr in den Weinbau. Das Ergebnis sind rund 3000 bis 4000 Flaschen der Rebsorten weißer Malinger, Elbling, Früh- und Spätburgunder sowie Riesling. Wenn sein Zukunftsprojekt Wirklichkeit werden sollte, würde es nach dem Roden der Flächen und dem Pflanzen der Rebstöcke noch einmal rund drei Jahre bis zur ersten Lese dauern. „Bis dahin wäre das für mich wie bisher darstellbar“, sagt er. Danach würde er aber wohl Winzer im Haupterwerb werden.