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Interview nach Tat in Königswinter: „Wut und Gewalt entstehen aus Ohnmacht“

Interview nach Tat in Königswinter : „Wut und Gewalt entstehen aus Ohnmacht“

Der Tod einer 48-jährigen Königswintererin, die mutmaßlich von ihrer Tochter und deren Freundin getötet wurde, erschüttert in diesen Tagen die Öffentlichkeit. Unser Autor fragte den Notfallseelsorger, wie es zu einer solchen Tat kommen kann.

Ist es nicht eher ungewöhnlich, dass Kinder die Hand gegen ihre Eltern erheben?

Albi Roebke: Es passiert selten, aber es ist nicht die totale Ausnahme. In aller Regel ist das eine Beziehungstat, denn Nähe und Aggressionen gehören zusammen.

Wann werden Kinder aggressiv gegenüber ihren Eltern?

Roebke: Bei Kindern ist so etwas meistens der Versuch eines Befreiungsschlages. Das ist vor allem auch ein Phänomen der Pubertät. Die Wut, die in Gewalt umschlägt, entsteht aus dem Gefühl der Ohnmacht. Denn grundsätzlich fühlt sich das Kind dem Erwachsenen unterlegen.

Das ist ein untauglicher Versuch, die Kontrolle zurückzugewinnen?

Roebke: Ja, genau. Und das gepaart mit Wut.

Wie ist eine Situation zu bewerten, an der mehrere Jugendliche beteiligt sind?

Roebke: Üblicherweise haben wir Menschen eine Hemmschwelle, die uns zurückhält, aus Wut Gewalt werden zu lassen. Die ist aber bei unterschiedlichen Menschen verschieden ausgeprägt. Und so kann bei mehreren Beteiligten eine Dynamik in Gang gesetzt werden, bei der einer weitermacht, wo der andere verharrt. Und in einem späteren Moment kann sich das umkehren.