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Zeitschenk-Netzwerk „Geben und Nehmen“: Zehn Jahre Nachbarschaftshilfe in Königswinter

Zeitschenk-Netzwerk „Geben und Nehmen“ : Zehn Jahre Nachbarschaftshilfe in Königswinter

Was, wenn plötzlich eine kleinere Reparatur zu erledigen ist, so schnell aber einfach kein Handwerker zu bekommen ist? Die Aktiven im Königswinterer Zeitschenk-Netzwerk „Geben und Nehmen“ wissen Rat. In zehn Jahren ist die Nachbarschaftshilfe von acht auf 104 Mitglieder gewachsen.

Riesig ist das Loch, das sich Frau P. aus Königswinter, immer dann anschauen muss, wenn sie ihren schönen Terrasse betritt, nicht gerade. Es misst nach eigenem Bekunden gerade mal einen Zentimeter, ist aber als ungeflieste Stelle rund um einen Abfluss herum aus ihrer Sicht sehr gut sichtbar. „Seit zwei Jahren versuche ich, einen Fliesenleger zu bekommen, der Abhilfe schafft“, berichtet die Königswinterin. Gehoffen hat ihr schließlich der Verein „Geben & Nehmen“ aus Königswinter. In dem generationsübergreifenden Netzwerk sind Menschen organisert, die sich gegenseitig unterstützen – ohne Geld, aber mit einem Schatz an wertvollen Fähigkeiten.

Geburtstagsfest muss verschoben werden

Am Dienstag, 11. Mai, hätten Gabriele Neuse-Schülgen, Vorsitzende  des Vereins „Geben & Nehmen“, gerne ein großes Fest zum zehnten Geburtstag der ehrenamtlichen Hilfsaktion mit den mittlwerweile 104 Mitgliedern des Netzwerkes gefeiert. „Unser Vereinsjubiläum wäre ein guter Grund zum Feiern, aufgrund der aktuellen Situation kann ein Zusammentreffen leider nicht stattfinden“, sagt Neuse-Schülgen. „Wir sind aber sehr zuversichtlich, dass wir es noch in diesem Jahr nachholen können.“

Alles begann damit, dass 2009 beim Modellprojekt „Aktiv im Alter“ der Stadt Königswinter alle Bürger aufgerufen wurden, sich in neue ehrenamtliche Projekte einzubringen. „Wir haben mit acht Mitgliedern vor zehn Jahren angefangen, aktuell sind es 104“, berichtet die Königswinterin. Geben wollen die Mitglieder vor allem Zeit und die Fülle ihrer Fähigkeiten. „Wir machen nichts, was einem Handwerker Konkurrenz machen könnte“, sagt die Vereinsvorsitzende. Das Anliegen von Frau P. zeigt etwa eindrucksvoll, dass Handwerker die Arbeit des Vereins auch gar nicht als Mitbewerber empfinden müssen, wie P. dem GA sagt: „Nach vielen Anrufen und dem Versprechen der Firma, bald zu kommen, kommt er endlich nach einem halben Jahr Wartezeit, betrachtet das Ganze und verspricht, sich ‚bald zu melden’. Aber auch auf eine erneute Anfrage höre ich nichts mehr von ihm. Die Arbeit lohnt sich für ihn wohl nicht“, vermutet sie.

Wer mag, kann sich auch einen Kuchen wünschen. So wie Frau B. „Zur Einschulungsfeier meiner jüngsten Tochter im Sommer 2016 hatten sich Familie und Freunde von nah und fern angesagt. Da mir selbst Zeit und Muße fehlten, mich in die Küche zu stellen, suchte ich dringend Salate und Kuchen.“ Geben und Nehmen half mit einem leckeren Salat und zwei Torten.

Ob Schwierigkeiten mit dem PC, ein paar lockere Fußwegplatten oder eine im Nichts endende Regenrinne oder Hausaufgabenhilfe per Whatsapp – es scheint wenig Fertigkeiten zu geben, die sich Geben und Nehmen nicht gegenseitig bieten können. Was derzeit nicht laufen kann, sind die monatlichen, aber zwanglosen Treffen der Netzwerker, wie Gabriele Neuse-Schülgen mit Bedauern sagt. „Die Hilfestellungen werden aber, soweit zur Zeit möglich, vermittelt“, sagt sie.

Und: Eine ganz besondere Dienstleistung ist seit dem Beginn der Pandemie zum Portfolio des Vereins dazu gekommen. Den Appell des Distanzwahrens unterstützen die Mitglieder des Königswinterer Vereins, indem sie die daraus entstehende Distanz – und in manchen Fällen auch Einsamkeit – damit aufhübschen, andere mit Briefen zu erfreuen. „Wir schreiben uns wieder Briefe. Whatsapp können wir auch“, weiß die Vereinsvorsitzende. Während Corona organisiert Geben und Nehmen auch Telefonaktionen für diejenigen, die mal wieder ein Gespräch nötig haben könnten. „Das machen wir bei denen, denen die Decke auf den Kopf zu fallen droht.“