Zwischenbilanz für den „Artenschutzeuro“ Zoo Neuwied rettet bedrohte Arten in Madagaskar, Venezuela und der Region

Neuwied · Seit einem Jahr gibt es im Zoo Neuwied den sogenannten Artenschutzeuro. Mit dem von manchen Eintrittspreisen abgezogenen Geld – rund 90.000 Euro binnen eines Jahres – unterstützt der Zoo verschiedene Schutzprojekte in aller Welt und in der Region.

Das „Große Mausohr" gehört zu den Fledermausarten, die aktuell besonders gefährdet sind. Der Artenschutzeuro des Zoos Neuwied fließt auch in den Schutz heimischer Fledermausarten.

Das „Große Mausohr" gehört zu den Fledermausarten, die aktuell besonders gefährdet sind. Der Artenschutzeuro des Zoos Neuwied fließt auch in den Schutz heimischer Fledermausarten.

Foto: picture alliance/dpa/Klaus Bogon/Landkreis Fulda

Es lacht die Sonne über dem Mittelrheintal, das sich unterhalb des Zoo Neuwied in der Ferne erstreckt, und ebenso lacht auch Zoodirektor Mirko Thiel, der sich an diesem Wintertag aber nicht nur über die schöne Aussicht freut. „Seit seiner Einführung Ende 2022 haben wir innerhalb eines Jahres mit unserem Artenschutzeuro rund 90.000 Euro erzielt“, berichtet er. „Das freut nicht nur mich enorm, sondern auch unsere Partnerorganisationen im ,In-situ-Artenschutz‘, an die wir das Geld zu 100 Prozent weitergeben.“

Das Gute ist: So richtig weh tut er den Zoobesuchern, die den Artenschutzeuro mit ihrer Eintrittskarte berappen nicht, dennoch kann er Großes bewirken, wie Thiel berichtet. Hintergrund: Bei einer Erwachsenen-Tageskarte kommt ein Euro für den Artenschutz hinzu, bei einer Erwachsenen-Jahreskarte drei Euro und bei einer Familien-Jahreskarte fünf Euro.

Die wildlebenden Verwandten dieses Roten Vari aus dem Zoo Neuwied erhalten Unterstützung aus dem Neuwieder Artenschutzeuro für Schutzprojekte in Madagaskar und Venezuela.

Die wildlebenden Verwandten dieses Roten Vari aus dem Zoo Neuwied erhalten Unterstützung aus dem Neuwieder Artenschutzeuro für Schutzprojekte in Madagaskar und Venezuela.

Foto: Katja Tuszinsky

Zu Beginn des Artenschutzeuro-Projektes vor einem Jahr wurden durch den Neuwieder Tierpark vier Artenschutzprojekte ausgewählt, die jeweils eine bedrohte Tierart und deren Lebensraum in den Blick ihrer Schutzbemühungen stellt. Die International Crane Foundation arbeitete 2023 einen neuen Artenschutzplan für südafrikanische Paradieskraniche aus. „Nicht nur für die eigentlichen Artenschutzmaßnahmen, auch für deren Planung und Implementierung auf Regierungsebene werden Geldmittel benötigt, und diese Phase konnten wir bereits im April 2023 mit 10.000 Euro aus den Artenschutzeuro-Einnahmen unterstützen“, sagt Thiel.

Die drei übrigen Projekte koordiniert die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP). Mit dem Pakarana, der Peters-Ameive und der Ecuador-Amazone unterstützt der Zoo Neuwied den Schutz je einer südamerikanischen Nagetier-, Echsen- und Papageienart. „Dieser Schutz beinhaltet unter anderem die Anstellung von Rangern, die die Schutzgebiete patrouillieren, die Installation von Nistboxen, Überwachung und Dokumentation der Tiere, Aufklärungsprogramme zur Sensibilisierung der lokalen Bevölkerung sowie Wiederansiedelungsprojekte“, erläutert Thiel. „Insgesamt haben wir der ZGAP für die Finanzierung dieser Projekte im Oktober 37.500 Euro überwiesen – und hatten danach erfreulicherweise noch so viele Mittel übrig, dass wir weitere Projekte mit in unsere Förderung aufnehmen konnten.“

Schutzprojekt für Fledermäuse auch in der Region

Mit der Altyn Dala Conservation Initiative wurde ein Projekt gewählt, das die „Goldene Steppe“ in Kasachstan sowie deren Bewohner schützt, zu denen neben Saiga-Antilopen und Wildeseln auch die Przewalskipferde gehören, die im Zoo Neuwied gehalten werden. Auch Rote Varis und Braune Klammeraffen werden im Zoo Neuwied gepflegt und sind stark bedroht, und auch deren wilde Verwandte erhalten nun Unterstützung aus dem Artenschutzeuro, mit denen die Schutzprojekte in Madagaskar und Venezuela gefördert werden.

„Dank Projekten wie dem Antongil-Conservation-Projekt hat es der Rote Vari bereits von der Liste der 25 gefährdetsten Primaten weltweit runtergeschafft. Der Braune Klammeraffe steht jedoch noch drauf – vielleicht können wir dazu beitragen, das zu ändern“, hofft Zoodirektor Thiel.

Von den rund 90.000 Euro warten noch etwa 10.000 Euro für ein Artenschutzprojekt in der Region auf ihre Ausschüttung. „Auch bei uns gibt es leider bedrohte Arten und Lebensraumzerstörung“, weiß Thiel. Zu den gefährdetsten einheimischen Tieren gehören Fledermäuse, und für die soll in der Region ein Schutzprojekt gefördert werden, das wichtige Nistbäume kauft und so vor der Abholzung bewahrt.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort