Future-Music-Camp Wie in Unkel der vielleicht nächste große Welthit entsteht

Unkel · Einen Song zu schreiben, den sich später vielleicht einmal Millionen Menschen anhören, davon träumen viele Liedermacher. Und auch die Großen der Branche habenmal klein angefangen. Khalil, Carl, Anneke, Ahmed, Lotta und die anderen, die am Future-Music-Camp in Unkel teilgenommen haben, könnten es den Großen womöglich gleichtun.

 Songwirter Silver mit Anna-Lu Masch von „Bad Honnef tanzt“

Songwirter Silver mit Anna-Lu Masch von „Bad Honnef tanzt“

Foto: Gabriela Quarg

Ganz gleich ob Deutsch-Rap oder Klassik, vier Tage lang hatten 17 junge Songwriter im Bürgerpark in Unkel Gelegenheit, unter Anleitung von sechs Musik-Profis einen eigenen Song zu produzieren, zu veröffentlichen und sogar ein Musikvideo zu drehen. Und der erste Auftritt steht auch schon fest: beim „Magic Future Festival“ in Unkel am 28. und 29. Juni werden die Stars von Morgen live vor Publikum performen.

Dass aller Anfang schwer ist, davon wissen auch die „TimeLions“ zu berichten: zwei Versuche, einen eigenen Rock-Song zu komponieren, hat die fünfköpfige Nachwuchs-Band bereits gestartet. „Aber beide sind gescheitert“, wie Maximilian, Laurin und Tobias berichten. Weshalb? „Es klang einfach nicht gut. Und vielleicht waren die Songs auch ab und zu quatschig“, geben die Schüler, deren Vorbild unter anderem die „Ärzte“ sind, ehrlich zu. Nun hilft ihnen Coach Max dabei, Struktur in die Sache zu bringen.

Future-Music-Camp: „Ziel, auf die Bühne zu kommen“

Nur ein paar Meter weiter hat Silver, der nicht etwa einen Künstlernamen trägt, sondern wirklich so heißt, einen luftigen Probenraum – oben ein Dach, zwei Wände rechts und links, aber nach vorne und hinten offen. Dort, wo sich ehemals die Umkleiden des Freibades befunden haben, tüftelt der 14-jährige, der es gerne klassisch mag und bereits mehrere Songs selber geschrieben hat, am Klavier an einer neuen Komposition. „Mein Ziel ist es, auf die Bühne zu kommen“, sagt er. Ganz unvorbereitet ist Silver nicht ins Camp gekommen: „Ich hatte schon eine kleine Idee vorher“. Nun hofft er, damit vielleicht richtig groß rauszukommen.

Und die Chancen stehen nicht schlecht, die Profis jedenfalls sind beeindruckt von dem, was Silver in kurzer Zeit aufs Notenpapier gebracht hat. „Ich könnte mir gut vorstellen, dass du dir noch jemanden suchst, der dazu singen kann“, lautet ein Tipp von Anna-Lu Masch.

Masch, Initiatorin und Kopf von „Bad Honnef tanzt“, studiert mit den jungen Songwritern Tanzchoreografien ein, „ansonsten bin ich hier so etwas wie die Managerin“, sagt sie augenzwinkernd. Die Experten in Sachen „Songwriting“ sind andere: BerthaJu und Chris von „Nullzwei“, Philipp, Max und Jules von „Umbra“ sowie Jerome. Die sechs Jungmusiker schreiben und produzieren bereits eigene Songs, entwickeln Musik für Bühnenprojekte, geben Konzerte und haben es sogar schon zu einer gewissen Bekanntheit gebracht.

 Die „TimeLions“, an diesem Tag krankheitsbedingt in kleinerer Besetzung, bei einer Open-Air-Probe mit Coach Max

Die „TimeLions“, an diesem Tag krankheitsbedingt in kleinerer Besetzung, bei einer Open-Air-Probe mit Coach Max

Foto: Gabriela Quarg

Song auf Spotify veröffentlicht

Einst hatten sie selbst bei „Bad Honnef tanzt“ teilgenommen, später dann unter dem Dach des Projekts die Sparte „Plan B“ gegründet, um ihre Leidenschaft an junge Menschen weiterzugeben und ihnen die Chance zu bieten, ihren eigenen Song zu erstellen und zu veröffentlichen – jungen Menschen wie Leo.

Der mit seinen elf Jahren jüngste Songwriter steckt so in seiner eigenen Song-Welt, dass er für die Beantwortung von Fragen, geschweige denn für ein erstes „Pressegespräch“, schlicht und einfach „keinen Kopf“ hat.

Immerhin erfährt man in aller Kürze, dass der junge Schlagzeuger sich dem Rock verschrieben und seinen ersten Song bereits mit seinem i-Pad aufgenommen hat. Leos heimlicher Traum: ein passendes Video dazu, bei dem er Stagediving (übersetzt Bühnentauchen) macht, sich also nach einem Sprung ins Publikum von dessen Händen tragen lässt.

Nick ist im Gegensatz zu Leo mit seinen 20 Jahren schon ein alter Hase. Zweimal hat er bereits beim Songwriting-Camp mitgemacht und das mit Erfolg: „Zwei Songs sind veröffentlicht worden, der vom letzten Jahr sogar auf Spotify“. Besonders stolz ist er auf die Reaktionen und Kommentare, die darauf bekommen hat. „Ich habe viel positives Feedback erhalten. Das ist schon ein tolles Gefühl“. Nick schreibt aber nicht nur Songs, er rappt sie auch selbst. In diesem Jahr ist er bereits mit einem „Bild im Kopf“ zum Camp gekommen, zu dem nun der passende Text geschrieben werden muss – einem Bild von einem dunklen Raum, „der symbolisch ist, für die Probleme und Sorgen, die man so hat“. Aus diesem Raum möchte Nick in seinem Song ausbrechen, dafür stehen die Wiese und die Sonne, die an diesem Tag vom Himmel lacht.

 Beim Camp lernen die Jugendlichen auch, Songs digital am Computer zu produzieren.

Beim Camp lernen die Jugendlichen auch, Songs digital am Computer zu produzieren.

Foto: Gabriela Quarg

„Ich mag es, Songs zu schreiben“, sagt der 20-Jährige, der sich auch vorstellen könnte, das einmal beruflich zu machen. „Man kann dabei seiner Kreativität freien Lauf lassen und sich dabei auch selbst finden.“ Nick hat sich selbst schon vor einigen Jahren den Künstlernamen „Shy and Lost“ gegeben. Damals, im Alter von 15 und 16 Jahren, habe er sich tatsächlich so gefühlt, berichtet er. „Aber das hat sich im Laufe der Zeit geändert“. Auch durch das Songwriting. „Seine Gefühle aufzuschreiben, das befreit.“