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Benefizkonzert in der Sankt Martinskirche: Chöre und Solisten begeistern in Linz

Benefizkonzert in der Sankt Martinskirche : Chöre und Solisten begeistern in Linz

Der Kammerchor der Uni Köln und die Kölner Vokalsolisten waren mit einem besonderen Konzert in Linz zu Gast und sammelten zudem 1000 Euro Spenden für die Menschen in den Flutgebieten an der Ahr ein.

„Mein Stück „Ein Totentanz“ zu hören, ist bestimmt eine Herausforderung, aber nach sieben Minuten ist es auch vorbei“, beschwichtigte Michael Ostrzyga, Musikdirektor der Universität Köln, augenzwinkernd vor der Uraufführung seiner Komposition in Linz am Rhein. Das Benefizkonzert unter dem Motto „Totentanz“ in der Linzer Sankt Martinskirche mit dem Kammerchor der Uni Köln und den Kölner Vokalsolisten stand ganz unter Ostrzygas Leitung.

Ein Hörgenuss

Schon im Sommersemester beschäftigten sich die Chöre musikalisch mit dem Thema „Totentanz“, bis Kurt Meidl, ein Linzer Bass des Kammerchors, auf die „Totentanz“-Abbildung in der Kirche zu Bruchhausen verwies, einzig im Rheinland. Schnell waren dort Aufnahmen und ein anschließendes Konzert in Linz zugunsten der Opfer an der Ahr geplant.

Durch jüngst begonnene Restaurierungsarbeiten in Bruchhausen konnten die Aufnahmen dort letztendlich nicht stattfinden, doch blieb es bei dem Konzert. Viele Zuhörer kamen zu diesem außergewöhnlichen Hörgenuss. Es waren nicht zwei Chöre zu hören, sondern eine wunderbare Verschmelzung aller Stimmen, getragen durch die herausragenden Solisten. Die gemeinsame Eröffnung mit einer geistlichen Motette Johann Michael Bachs verzauberte durch Soprane, die von verschiedenen Positionen auf der Empore mit den Stimmen unten vor dem Altar harmonierten.

Uraufführung in der Kirche

Die folgende Uraufführung von Ostrzygas war eine unglaubliche Klangpräzision der Kölner Vokalsolisten. Die Kälte des Todes mit dem Erklingen der Dissonanzen spürend, wurden ganz aktuelle Themen der Pandemie - im 15. Jahrhundert, als der die deutschen Totentanzbilder beeinflussende Danse macabre in Frankreich aufkam, war es die Pest - vertont. Modern, doch atemberaubend. In der Kirche herrschte absolute Stille. Man konnte die Spannung in ruhigen Phasen knistern hören, als sich schließlich der Sopran mit der glockenklaren Stimme Natasha Goldbergs in die Höhe schraubte, während die Herren in der Tiefe den Tod untermalten. Christian Walter sang den Bass, Fabian Hemmelmann Bariton, unterstützt von Leonhard Reso, im Tenor, Andra Isabel Prins sang den Alt.

Ein wahrer Klangrausch schwebte auf die Hörer nieder, den man kaum verarbeitet hatte, als schon mit Hugo Distlers „Totentanz“ ein weiteres Highlight geboten wurde. Andreas Durban rezitierte den Tod, in welchen er antretende Kammerchor-Sprecher schickte, während die Solisten den Kirchraum erklingen ließen. In Leonhard Lechners „Deutsche Sprüche von Leben und Tod“ untermalten alle Sängerinnen und Sänger noch einmal die betörende Akustik der Kirche.

„Es ist einfach fantastisch, wieder gemeinsam singen zu können“, freuten sich die Chormitglieder nach der Darstellung, ihrer ersten seit Ausbruch der Pandemie. Dass ganz nebenbei 1000 Euro für die Ahr gespendet wurden, untermalte den Erfolg des Konzerts, bei dem der Applaus nicht enden wollte.