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Corona im Kreis Neuwied: Neuer Hotspot in Rheinland-Pfalz

Grundschule Unkel ist betroffen : Kreis Neuwied ist neuer Corona-Hotspot in Rheinland-Pfalz

Die Corona-Infektionszahlen im Kreis Neuwied sind in den vergangenen Tagen deutlich in die Höhe geschnellt. Seit Donnerstagmorgen gilt im Kreis Neuwied nach dem Corona Warn- und Aktionsplan die Gefahrenstufe „Orange“. Damit stehen weitere Einschränkungen im öffentlichen Leben an.

Der Kreis Neuwied ist seit Donnerstag Spitzenreiter bei den Corona-Infektionen in Rheinland-Pfalz. Die Warnstufe „Orange“ mit einem Inzidenzwert von 35 Fällen pro 100 000 Einwohner ist erreicht, wie die Corona-Landkarte der Landesregierung zeigt. In den vergangenen sieben Tagen sind insgesamt 66 neue Positivfälle registriert worden. Als Folge wird es eine Allgemeinverfügung mit regionalen Regeln und Maßnahmen geben, die laut Kreis ab Samstag gilt.

Das bedeutet: Maskenpflicht an Schulen nun auch im Unterricht, Veranstaltungen in geschlossenen Räumen sind nur mit bis zu 100 Personen unter Beachtung der allgemeinen Schutzmaßnahmen zulässig, private Feiern mit bis zu 50 Personen. Kontaktsport ist nicht mehr möglich. Das alles gilt nun, bis der Inzidenzwert für den Kreis Neuwied mindestens drei Tage lang unter 30 Fällen je 100 000 Einwohner liegt.

Ausbreitung durch Corona-Fälle an Schulen

Besonders betroffen von dem Ausbruch ist auch die Grundschule Am Sonnenberg in Unkel. Dort wurden am Donnerstag 59 Kontaktpersonen der Kategorie I mit engem Kontakt und hohem Infektionsrisiko getestet. Eine große Zahl von Fällen ist auf eine Hochzeit am 12. September in Neuwied-Engers zurückzuführen. Seitdem ist das Gesundheitsamt des Kreises mit umfangreichen Kontaktermittlungen beschäftigt, um die Infektionsketten zu unterbrechen.

100 Infizierte befinden sich derzeit im Kreis Neuwied in häuslicher Quarantäne. Wie viele Personen im Kreis insgesamt zurzeit zu Hause bleiben müssen, konnte der Kreis nicht sagen. Allein an den drei betroffenen Schulen trifft diese Einschränkung aber rund 200 Personen. „Wir hatten schon vom Donnerstag vergangener Woche bis zum Mittwoch 63 Infektionsfälle“, sagte Tim Wessel, der Sprecher des Krisenstabs.

Zu den betroffenen Schulen gehören neben der Unkeler Schule das Rhein-Wied-Gymnasium Neuwied sowie die Carmen-Sylva-Schule Neuwied. An den drei Schulen wurden am Mittwoch rund 200 Kontaktpersonen durch das Gesundheitsamt ermittelt. In Unkel waren es nach Angaben der Pressestelle der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier, der Schulaufsicht des Landes, 52 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 2, fünf Lehrer und zwei Personen der Ganztagsschule, die am Donnerstag getestet wurden.

Der Infektionsfall sei in der Klasse 2b aufgetreten. Die Unkeler Grundschule besuchen zurzeit rund 190 Schüler. Die betroffenen Personen müssen bis einschließlich zum 7. Oktober in häusliche Quarantäne. Die gesamte Klassenstufe 2 mit drei Klassen wird im Homeschooling beschult. Sofern sich die Situation nicht verändere, werde die Klassenstufe 2 ab dem 8. Oktober wieder Präsenzunterricht erhalten, so die ADD-Pressestelle. Die anderen Klassenstufen blieben im Präsenzunterricht.

Starker Anstieg durch eine Hochzeit

Wessel führt viele, aber nicht alle Fälle auf die Hochzeit am 12. September in Neuwied zurück. „Wir haben durch die Hochzeit auf jeden Fall einen starken Anstieg, wenn man sich die Gästeliste ansieht.“ Die Ermittlung der Kontaktpersonen habe sich sehr schwer gestaltet, da nur eine handgeschriebene Gästeliste vorlag und es zudem sprachliche Barrieren gab.

„Wichtigstes Ziel ist, dass die Infektionszahlen schnell wieder sinken. Ich appelliere an alle, sich an die neuen Maßnahmen zu halten und weiterhin die AHA-Regeln zu beachten: Abstand halten, Hygienemaßnahmen einhalten und Alltagsmasken tragen. Auch die Einhaltung der Quarantäne wird überprüft“, so Landrat Achim Hallerbach.

Extrem belastet ist auch die Fieberambulanz in Neuwied. Sie stößt inzwischen an ihre Kapazitätsgrenze. In dieser Woche wurden bereits mehr als 850 Personen getestet, allein am Donnerstag waren es 280. Das Drive-In im Gewerbegebiet war statt der üblichen zwei Stunden am Morgen von 8 bis 13 Uhr geöffnet. Dennoch bildeten sich lange Schlangen.