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Weibliches Führungstrio des Junggesellenvereins Unkel: Erste Frau an der Vereinsspitze seit 1775

Weibliches Führungstrio des Junggesellenvereins Unkel : Erste Frau an der Vereinsspitze seit 1775

Maximale Frauenpower: Mit Luise Grins bilden Aileen Koch und Klara Thelen das weibliche Führungstrio des Junggesellenvereins Unkel. Zum ersten Mal in 245 Jahren steht somit eine Frau an der Spitze des Vereins.

Jubeln ging nur online. Dabei ist das Ergebnis bei der als Videokonferenz abgehaltenen Jahreshauptversammlung des Junggesellenvereins Unkel (JGV) in dessen 245-jähriger Geschichte ein denkwürdiges Ereignis gewesen: Das Votum der Mitglieder fiel erstmals auf eine Frau an der Spitze des 1775 gegründeten Vereins. Damit nicht genug: An der Seite der neuen Vorsitzenden Luise Grins steht mit Aileen Koch ebenfalls erstmals eine Frau als Zweite Vorsitzende. Verstärkt werden sie unter anderem von Klara Thelen als Geschäftsführerin. „Ganz ohne Männer geht es aber nicht“, sagt Grins und nennt mit leichtem Augenzwinkern dafür Beispiele wie das Aufbauen des Veranstaltungszelts. Außerdem will sie sich auch dafür einsetzen, dass wieder mehr auch männlicher Nachwuchs in den Verein findet. 44 Prozent der 62 Mitglieder sind männlich, einige von ihnen sind auch im neuen Vorstand. „Total normal“ findet Grins, dass jetzt ein Frauentrio „regiert“. Frauen seien ja schon lange im Verein aktiv, auch im Vorstand.

Grins war bereits Beisitzerin und Geschäftsführerin und bekleidet neben dem Amt als JGV-Vorsitzende derzeit auch noch das Amt der Unkeler Weinprinzessin. Da sind die Rollen vertauscht, denn ihre Stellvertreterin im JGV amtiert als Weinkönigin. Aileen Koch, die mit Grins die Leidenschaft für den Tanz bei den „New Diamonds“ teilt, erklärt: „Jetzt heißt es Frauenpower. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Luise und Klara, dem gesamten Vorstand und dem Bürgerverein. Uns alle verbindet die Liebe zu unserer Heimat.“ Seit zehn Jahren ist Klara Thelen im Verein und unter anderem Geschäftsführerin sowie ebenfalls bei den New Diamonds aktiv und als ehemalige Weinkönigin bekannt. Die 23-jährige Luise Grins ist „sobald es möglich war“, also mit 16 Jahren, eingetreten. „Meine 35-jährige Schwester und mein 32-jähriger Bruder waren auch Vereinsmitglieder, und ich wollte auch dabei sein und mitfeiern und Aktionen planen“. Vor allem ist das die Kirmes, die ebenso wie das Maibaumaufstellen in 2020 wegen Corona ausgefallen ist. Vom Aufbau am Donnerstag bis zur Kirmesmannverbrennung ist der Verein da 2021 wieder Ende Juli/Anfang August gefordert. Und nicht nur dann ist Grins, die seit zwei Jahren in Köln wohnt und „Erneuerbare Energien“ studiert, wieder zu Hause bei ihrem Vater, denn sie fühlt sich Unkel sehr verbunden. Ihre eigenen Energien verwendet sie bereits auf Vereinspläne: „Wir haben uns schon ein paar neue Veranstaltungen überlegt. Etwa ein Volleyball- oder ein Fußballturnier oder eine Sommerparty. So können wir Werbung für uns machen.“

„Einfach logisch, mich mit 16 im Junggesellenverein einzubringen, um mich mit der Tradition meines Heimatortes auseinanderzusetzen und diese fortzuführen“, war es für Schriftführerin Bianca Bauch, die nun erstmals im Vorstand in die Fußstapfen ihrer Schwestern tritt. Vielleicht bringe eine weibliche Vereinsspitze kreativere Ideen, sagt die 22-Jährige: „Allerdings haben Luise, Klara und Aileen sich ja auch schon in den Jahren davor im Vorstand beteiligt und werden weiterhin von den Jungs mit teilweise noch längerer Erfahrung unterstützt, also wird sich dahingehend nicht viel ändern. Trotzdem regt dies insgesamt eine Debatte über Gleichberechtigung und ein Nachdenken über traditionelle Geschlechterrollen an.“ Bei der Jahreshauptversammlung sei etwa beschlossen worden, „dass ab jetzt auch Frauen bei Prozessionen an Feiertagen den ‚Himmel‘ tragen dürfen, was bisher einfach nicht der Fall war.“

Indes bleibe in Unkel den Männern die Teilnahme am Königsschießen vorbehalten, was zum Beispiel in Orsberg und Scheuren anders sei. Dennoch glaubt Bauch an die Wirkung einer Frauenspitze nach außen: „Manche Leute wissen vielleicht gar nicht, dass in unserem Junggesellenverein auch so viele Frauen aktiv sind. Viele denken bei ‚Junggesellenverein‘ zunächst an Männer in einer Offiziersuniform, als Fähnrich oder als Fahnenschütze mit Gewehr. Doch es stehen eben viel mehr Leute und vielfältigere Aufgaben dahinter.“ Seit wann genau Frauen im JGV Unkel zugelassen sind, weiß Bauch nicht. Bürgermeister und Ehrenmitglied Gerhard Hausen habe ihr aber berichtet, dass Junggesellenverein und Jungmädchenverein einst unter großen Diskussionen zusammengeführt wurden, weil der Jungmädchenverein wohl zu wenige Mitglieder hatte.

Harmonisch ist indes die Wahl des Frauentrios verlaufen. „Dass wir Vorsitzende werden konnten, ist auch möglich, weil die Ämter nicht mehr mit dem Tragen der Uniform verknüpft sind“, sagt Grins. Darüber habe es 2014 keine große Diskussion gegeben. „Es wurde wohl einfach als zeitgemäß betrachtet“, so Bauch. „Ich kann kaum erwarten, dass wir loslegen können“, sagt Grins, auch wenn ihre erste Vorstandsversammlung als Vorsitzende im Januar wohl wieder online erfolgt.