Internationaler Museumstag Führung durch den Luftschutzkeller in Unkel

Unkel · Zum Internationalen Museumstag zeigte der ehemalige Stadtarchivar Rudolf Vollmer Original-Gegenstände wie Telefon, Luftschutzhelm und Gasmaske.

 Lebendige Geschichtsstunde: Rudolf Vollmer erklärt Besuchern die Ausstattung des Luftschutzkellers.

Lebendige Geschichtsstunde: Rudolf Vollmer erklärt Besuchern die Ausstattung des Luftschutzkellers.

Foto: Frank Homann

Die Einstellspritze, die am Hintereingang bereitstand, war zum Glück nur ein Schaustück: Es brannte keineswegs im Unkeler Rathaus – der frühere Stadtarchivar Rudolf Vollmer führte mit dem Zeitzeugen Hans-Joachim Klein am Internationalen Museumstag Besucher die steile Treppe hinunter in den zum Ausstellungsraum umgestalteten ehemaligen Luftschutzkeller.

Ein mit Wasser gefüllter Eimer habe ab 1935 in jedem Haus auf jeder Etage stehen müssen, damit durch Brandbomben ausgelöste Feuer gelöscht werden konnten, berichtete er.

Hermann Göring als Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe hatte Ende Juni 1935 das Luftschutzgesetz erlassen, so Klein. „Dieses verpflichtete alle Deutschen zu Dienst- und Sachleistungen, die zur Durchführung des landesweiten Luftschutzes als notwendig angesehen wurden. Das belegt, dass die Nationalsozialisten mit einem Krieg und damit verbundenen Luftangriffen schon lange vor 1939 gerechnet haben.“

Im 1935 gebauten Unkeler Luftschutzraum waren bis vor ein paar Jahren nur die dicken Balken geblieben, die das Ziegelsteingewölbe abstützen. Inzwischen ist er wieder mit vielen Originalgegenständen ausgestattet worden; regelmäßig finden Führungen statt. Neben der LS-Hausapotheke gehörten Einstellspritze und gefüllte Wassereimer, Feuerpatsche, Axt, Beil und ein langer Einreißhaken zum Freilegen von Brandherden dazu. Und eine Kiste mit Sand.

„Mit dem Sand sollten Brände der Phosphorbomben gelöscht werden, deren Feuer durch Wasser nur noch geschürt worden wäre“, so Klein. Von der Decke hing eine Lampe, die so schwarz eingefärbt war, dass sie ihr Licht nur steil nach unten ausstrahlte – wie die abgedunkelten Fenster der Häuser eine Vorsichtsmaßnahme gegen feindliche Bomber.

Sträfling 42825 musste Bomben entschärfen

„Anders als Erpel ist Unkel von Bomben verschont geblieben, mit Ausnahme der beiden, die in Heister runterkamen. Die sind möglicherweise von einer Avro Lancaster nur abgeworfen worden, weil die Piloten schnell nach Hause zurück wollten, nachdem sie von der Flak von ihrem Verband abgedrängt worden waren“, berichtete Vollmer. Zur ebenfalls ausgestellten KZ-Uniform des Sträflings „42825“ sagte er, das „P“ auf der Jacke habe diesen als sogenannten „Politischen“ ausgewiesen, das „F“ auf dem rechten Ärmel zeige, dass er zu einem der Himmelfahrtskommandos gehörte, die Blindgänger entschärfen mussten.

Telefon, Luftschutzhelm und Gasmaske, die auf einem kleinen Tisch bereitlagen, seien für den parteitreuen Luftschutzwart Seliger bestimmt gewesen. „Denn natürlich hat es auch in Unkel überzeugte Nationalsozialisten gegeben“, so der Ex-Archivar. Was es mit dem kleinen Koffer auf sich hat, erklärte Klein: Fast jeder habe einen solchen an der Wohnungstür stehen gehabt. Darin waren die wichtigsten Dokumente verwahrt, die bei Alarm mit in den Luftschutzkeller genommen wurden.

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