Auf Willy-Brandt-Platz Kundgebung gegen Rechtsextremismus in Unkel – „Bekomme eine Gänsehaut“

Unkel · „Wir müssen jetzt aufstehen und zeigen, dass wir Rechtsextremismus nicht tolerieren“, heißt es im Aufruf zur Kundgebung gegen Rechtsextremismus in Unkel. Ein Bündnis aus engagierten Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen und Parteien hat am Sonntag zu einer Kundgebung auf den Willy-Brandt-Platz geladen.

 Viele Menschen waren auf den Willy-Brandt-Platz in Unkel gekommen, um für Demokratie und Toleranz zu demonstrieren.

Viele Menschen waren auf den Willy-Brandt-Platz in Unkel gekommen, um für Demokratie und Toleranz zu demonstrieren.

Foto: Frank Homann

„Weil wir alle Menschen sind und bleiben wollen, nicht Unmenschen!“, rief Pfarrer Michael Busch als ökumenischer Vertreter beider Kirchengemeinden bei seinem Beitrag auf der Demonstration gegen rechts in Unkel unter lautem Beifall den Menschen auf dem Willy-Brandt-Platz zu.

Das „Bündnis Kulturstadt Unkel gegen Rechtsextremismus“ hatte zu der Demonstration am Sonntagnachmittag aufgerufen und konnte sich wie in den großen Städten über einen prall gefüllten Platz freuen. Menschlichkeit, Miteinander, Integration, Demokratie, Freiheit und deshalb „wählen gehen“ war der Tenor aller Beteiligten.

Initiatorin Nicole Hahn, Vorsitzende der SPD Unkel und Bruchhausen, freute sich, dass in kürzester Zeit ein Bündnis aus mehr als 20 Organisationen, darunter alle Fraktionen, viele Vereine und die beiden Kirchen, für Demokratie und gegen Rechtsextremismus eintritt. „Und wenn ich mich hier umschaue und diese vielen Leute sehe, bekomme ich eine Gänsehaut“, sagte Hahn ergriffen.

„Froh und dankbar, hier in Frieden leben zu können“

Als Redner konnte sie nicht nur Jörg Scheinpflug von der Verbandsgemeinde Unkel und Stadtbürgermeister Gerhard Hausen gewinnen. Hausen betonte die „Kultur“ im Namen der Stadt, die man auch als Kultur des Verständnisses und verschiedener Kulturen sehen müsse und unterstrich mit Inbrunst, dass „wir für die Achtung der Menschenwürde hier stehen!“, was ihm großen Beifall bescherte. „Denn wenn wir selbst verfolgt würden und unser Leben gefährdet wäre, würden wir nicht auch in ein Land der Demokratie und Freiheit fliehen?“, fragte Hausen die zustimmende Bevölkerung.

Später sprach auch der aus Syrien stammende Alhamad Riad für den Verein Gemeinsam für Vielfalt (GfV), der, wie Klaus Schmitt vom GfV erwähnte, von der sogenannten Remigration betroffen wäre. „Ich bin mit meiner Frau und zwei Kindern 2016 vor dem Krieg geflohen und froh und dankbar, hier in Frieden leben zu können“, so Riad. „Hier kann ich als Moslem mit Juden und Christen in eine Schule gehen und über Frieden und Toleranz sprechen“, so Riad weiter.

Musikalisches Zeichen für Zusammenhalt

Der Bundestagsabgeordnete Martin Diedenhofen (SPD) hatte als Erpeler ein Heimspiel in Unkel und freute sich, nicht nur in den großen Städten, sondern auch in vielen kleinen Orten die Leute für die Demokratie auf die Straße gehen zu sehen: „Das gibt mir Kraft und Motivation“, so Diedenhofen. Er begrüßte auch seine Mutter unter den Anwesenden, die ihm beigebracht habe, wie man sich zu benehmen habe und wo Anstand und gesunder Menschenverstand walteten. Die Lebensfreude, die erst im Karneval so großartig spürbar gewesen sei, wünschte sich Diedenhofen für alle und dass diese mit in den Alltag genommen wird.

Landtagsabgeordnete Ellen Demuth (CDU) schätzte die Beruhigung, in einem sicheren Land aufgewacht zu sein. „Und dafür gehen Sie wählen!“, so Demuth. Und weiter: „Nehmen Sie alle mit, helfen Sie allen, zur Wahl zu gehen! Damit wir weiter in einer Demokratie leben können.“ Christof Hahn (Grüne) schloss sich den Worten an. Wie schon in Bad Honnef und Linz wurde mit den Zusammenhaltsliedern „Unser Stammbaum“ und der Europahymne, diesmal begleitet von der Unkeler Familie Hommerich, auch ein musikalisches Zeichen gesetzt.

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