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"Heimatcaching": App soll Schüler in NRW für ihre Heimat begeistern

Geocaching dient als Vorbild : Eine neue App soll Schüler in NRW für ihre Heimat begeistern

Wie begeistert man die Jugend für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Heimat? Diese Frage soll die App „Heimatcaching“ beantworten. Ministerin Ina Scharrenbach überreichte dazu auf der Drachenburg einen Förderbescheid an die Stiftung Naturschutzgeschichte.

Mit einer neuen App möchte die Stiftung Naturschutzgeschichte die Jugend für das Thema Heimat begeistern. Den Startschuss für das Projekt „Heimatcaching“ gab jetzt Heimatministerin Ina Scharrenbach auf Schloss Drachenburg, wo die Stiftung ihren Sitz hat.

Noch wichtiger: Die Ministerin übergab den Förderbescheid für das Projekt, das an Geocaching angelehnt ist. Die Förderung aus dem Programm „Heimat.Zukunft.Nordrhein-Westfalen. Wir fördern, was Menschen verbindet“ beträgt stolze 208.296 Euro. Das sind rund 62,5 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten. Denn ohne Geld geht auch hier nichts. Mit der technischen Entwicklung der App wird die Stiftung ein Unternehmen beauftragen.

„Mit dem Projekt hat die Stiftung ins Schwarze getroffen“, sagte Scharrenbach in der Kunsthalle. Auf diesem Wege könnten sich Schüler in Zukunft an spannenden Orten mit ihrer Heimat auseinandersetzen. Beim „Heimatcaching“ sollen vor allem junge Menschen lernen, ihre Heimatlandschaft zu „lesen“, zu verstehen und im besten Falle anschließend mitzugestalten.

Landschaft früher und heute

Dabei spielt die Landschaft eine zentrale Rolle. Um den Wandel verstehen zu können, sollen die Schüler vor Ort in der App zum Beispiel historische Fotos finden, die sie mit dem heutigen Landschaftsbild vergleichen. Um die Ursachen für die Veränderung zu verstehen, liefert die App zusätzlich zum Beispiel vertiefende Interviews mit Zeitzeugen.

„Wie führt man Jugendliche an Heimat und Landschaft heran? Gerade bei ihnen geht kein Weg an den neuen Medien und modernen Techniken vorbei“, sagte Hansjörg Küster, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Naturschutzgeschichte. Doch nicht nur für die junge Generation und Schulen, sondern auch für Neuzugezogene oder Vereine, die Heimat modern vermitteln wollen, sei die neue App gedacht. Dazu soll zunächst ein Masterkonzept für die Modellregion Eifel entwickelt werden, das anschließend auf andere Regionen in NRW und auf andere Bestandteile von Heimat wie Baudenkmäler oder Brauchtum übertragbar ist.

Schulen und Vereine angefragt

In der Eifel wurden bereits Schulen und Vereine angefragt. „Das Interesse ist da“, sagte Küster. Als Beispiel nannte er den Eifelverein. Die Wahl sei auf diese Region gefallen, weil in der Eifel bereits sehr gutes Material zur Verfügung stehe, das man nutzen könne, erklärte Hans-Werner Frohn, der Wissenschaftliche Leiter und Geschäftsführer der Stiftung.

Als gutes Beispiel, an dem der Wandel beim Vergleich alter Fotos mit dem heutigen Landschaftsbild deutlich gemacht werden könne, nannte er das Ackerrandstreifenprogramm. Mit diesem Programm, das in den 1970er Jahren initiiert wurde, sollten die durch den Einsatz von Dünger und Pestiziden vom Aussterben bedrohten Ackerwildpflanzen geschützt werden. Erste Testversuche fanden damals in der Eifel und am Niederrhein statt. 1983 wurde das Programm dann flächendeckend in NRW eingeführt. „Das Projekt steht und fällt mit den historischen Aufnahmen“, betonte Frohn.

Heimat als stärkendes Element

Für Ministerin Scharrenbach, die auch noch für Kommunales, Bauen und Gleichstellung zuständig ist, ist gerade das Ressort Heimat ein Herzensanliegen. „Wir können uns nur entwickeln, wenn wir wissen, woher wir kommen“, sagte sie auf Schloss Drachenburg. Gerade angesichts der immer globaler werdenden Herausforderungen würden die Menschen durch Heimat gestärkt, diese Veränderungen mitzugehen.

Die Unterstützung der App ist dabei nur ein kleiner Mosaikstein. Viel prominenter hat ihr Ministerium mit dem Landes-Heimat-Preis herausragendes Engagement für die Heimat ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Ein besonderes Augenmerk liegt zurzeit auch auf der Heimat im Wandel im Rheinischen Revier, das von der Veränderung besonders stark betroffen ist.

Ob später auch das Siebengebirge, wo die Stiftung ja zu Hause ist, von der App profitieren wird, ist offen. Prinzipiell sei das Projekt aber auf alle Regionen übertragbar, sagen die Verantwortlichen. Bei der Suche nach geeigneten Orten, an denen die Veränderungen von Heimat erlebbar gemacht werden können, könnte die Stiftung dabei leicht vor der eigenen Tür fündig werden. Hansjörg Küster nannte als Beispiel den Bau der Drachenfelsbahn, der den Musiker Ernst Rudorff 1880 veranlasst hatte, wegen der erheblichen Eingriffe in die Natur ein Manifest zu verfassen.

Konzept ist auf viele Regionen übertragbar

Der fast komplette Nachlass eines der Gründerväter des deutschen Naturschutzes finde sich im Archiv der Stiftung auf Schloss Drachenburg. „Rudorff sah durch den Bau der Bahn den Drachenfels als Ikone der Rheinromantik gefährdet“, so Küster. Die Bahn ist mittlerweile schon seit Generationen für viele Besucher des Drachenfels nicht mehr wegzudenken und selbst ein Stück Heimat geworden. Für Schüler könnte sie somit ein durchaus interessantes Untersuchungsobjekt liefern.