Campingplatz in Rheinbreitbach geräumt „Ich habe schon viel geweint am Wochenende“

Rheinbreitbach · Mit Verspätung waren der Campingplatz und der Biergarten „Auf dem Salmenfang“ in die Saison gestartet. Jetzt vermiest das Hochwasser den verheißungsvollen Beginn der Sommersaison. Warum das so ist, berichtet die Betreiberin dem General-Anzeiger.

 Der Campingplatz und Biergarten „Auf dem Salmenfang“ in Rheinbreitbach ist derzeit wegen des Hochwassers geschlossen.

Der Campingplatz und Biergarten „Auf dem Salmenfang“ in Rheinbreitbach ist derzeit wegen des Hochwassers geschlossen.

Foto: Claudia Sülzen

Nicht erst am Sonntagmorgen lagen bei Daniela Klein die Nerven blank. Da war die endgültige Entscheidung gefallen, Campingplatz und Biergarten „Auf dem Salmenfang“ wegen des Rheinhochwassers bis auf Weiteres zu räumen – und das, obwohl die Saison gerade erst begonnen hatte und mit dem langen Pfingstwochenende so richtig hätte Fahrt aufnehmen können. „Wir sprechen von zwei bis drei Zentimetern Wasser“, sagt Klein, die Campingplatz und Biergarten gemeinsam mit Angela Bertram betreibt, am Montag noch unter dem Eindruck der Geschehnisse. Denn klar ist: Selbst wenn sich das Wasser des Rheins schnell zurückzieht, der finanzielle Schaden für das Unternehmen ist erheblich. Während weitere wetterbedingte Einsätze im Siebengebirge ansonsten weitgehend ausblieben, geht es für den Biergarten jetzt auch um die Existenz.

Feste Aufbauten mussten weg

Montagmorgen: „Auf dem Salmenfang“ herrscht gähnende Leere. Nur Enten tummeln sich auf der Wasseroberfläche, die das Fundament der Biergartenaufbauten ebenso überflutet hat wie die angrenzenden Campingparzellen. Rückblende: Seit 2020 standen Biergarten und Campingplatz „Auf dem Salmenfang“ im Fokus unter anderem der Kreisverwaltung. Seinerzeit hatte die Neuwieder Aufsicht – nach neuerlicher Vermessung – bemängelt, dass der Verkaufsstand im beliebten Biergarten direkt am Rhein nicht mehr mit der 1962 erteilten Kiosk-Genehmigung übereinstimme.

Heißt kurz gesagt: Der Kiosk ist zu groß. Wasserrechtliche Fragen – eben wegen des nahen Rheins – stünden einer Genehmigung des damals schon lange bestehenden Aufbaus entgegen. Alleine der 1962 in damals genannten Grenzen genehmigte Verkaufsstand genieße Bestandsschutz.

Rheinbreitbach ohne den „Salmenfang“, das schien auch der Politik im Ort unvorstellbar. Die Probleme aber blieben. Nachdem auch ein Nachfolgebau keine Gnade vor den Genehmigungsbehörden fand und weichen musste, sollte es eine mobile Alternative richten: Container, von denen schließlich zwei die Gemeinde Rheinbreitbach als Verpächterin des Areals anschaffte sowie zwei weitere die Pächterin auf eigenes wirtschaftliches Risiko. Die Ausgabe und die finanzielle Belastung für die Betreiber sind erheblich, so Klein: An die 50.000 Euro wurden alleine durch den Betreiber, die Bertram und Klein GbR von Angela Bertram und Daniela Klein, in die Zukunft des „Salmenfangs“ investiert, der Anteil der Gemeinde Rheinbreitbach noch nicht eingerechnet.

 Dainela Klein (l.) koordiniert mit ihren Helfern die Räumung ihres Campingplatzes

Dainela Klein (l.) koordiniert mit ihren Helfern die Räumung ihres Campingplatzes

Foto: Ralf Klodt

Die Container kamen inklusive neuer Inneneinrichtung. Nun aber das Hochwasser. Problem: Im Gegensatz zu den festen Aufbauten haben die Container eine Dämmschicht im Boden, die sich bei Hochwasser vollsaugen – entsprechend war der vorübergehende Abbau alternativlos, als das Wasser kam. Klein: „Bei den festen Aufbauten war das nicht so schlimm, da konnte man im Zweifelsfall mit dem Hochdruckreiniger tätig werden.“ Sicher 7.000 Euro kostet es allerdings aktuell, die beweglichen Aufbauten vom Containerdienst einmal ab- und dann wieder anliefern zu lassen, so Klein am Pfingstmontag zum GA. Und sie ergänzt spontan ganz offen: „Ich habe schon viel geweint am Wochenende.“

Problem auch: Selbst wenn bei aktuell fallenden Pegelständen das Gelände wieder nutzbar ist, ist nicht klar, wie schnell der Dienstleister die Container wegen anderweitiger Verpflichtungen zurückbringen könnte – sicher nicht in wenigen Tagen. „Ich hoffe, dass wir zu Fronleichnam den Biergarten wieder öffnen können. Mit dem Campingplatz wird es sicher länger dauern, denn die Wiesen sind total nass, da können Sie jetzt niemanden drauf lassen“, so Klein am Montag. Ihr Dank gilt den vielen Helfern, die am Wochenende parat standen, um den „Salmenfang“ hochwassersicher zu machen.

Neustart der Saison nach dem Hochwasser offen

Wann es also weitergehe mit dem Campingplatz, sei offen – der wirtschaftliche Schaden sei so oder so entstanden, denn alleine zu Pfingsten war der Platz zu 90 Prozent ausgebucht, mit Stammkunden, aber auch mit neuen Mietern. Klein: „Was wir bisher eingenommen haben, ist durch die Aktion jetzt wieder weg.“ Bedeutet: Die Saison, „Auf dem Salmenfang“ lediglich die vier, fünf Monate im Sommer, ist jetzt mindestens wieder auf Null gesetzt, wenn nicht sogar im Minus, so die Betreiberin.

Der Ausblick auf den Rhein, den ihre Gäste so sehr schätzen, ist für Klein damit einigermaßen ambivalent, ebenso der Klimawandel: „Früher gab es wenige große Hochwasser. Heute beobachten wir, dass die Hochwasser zwar jedes für sich nicht so massiv sind, dafür in kürzerer Folge kommen. Die Saison startet für uns nicht gut. Aber noch ein Hochwasser in dieser Saison, das wäre ein finanzieller Totalschaden.“

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