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Tradition an Karfreitag und Karsamstag: Klapperlauf in Linz findet mit ganz viel Abstand statt

Tradition an Karfreitag und Karsamstag : Klapperlauf in Linz findet mit ganz viel Abstand statt

Die Linzer Tradition des Klapperlaufs aus dem 17. Jahrhundert wird pandemiebedingt zum Gemeinschaftserlebnis auf Distanz: Zum zweiten Mal in Folge.

Wohl dem, der seine eigene Klapper hat: Die Klapper ist ein Holzinstrument, bei dem ein Holzklöppel durch starkes Schwenken nach links und rechts bewegt wird und dabei lautstarke Klappergeräusche erzeugt. In Linz wird der dabei erzeugte hölzerne, nicht gerade der Feiertagsruhe dienende Klang aber nicht als Krach empfinden – sondern als gerne gepflegtes Brauchtum.

Der Linzer Klapperlauf an Karfreitag und Karsamstag muss in diesem Jahr allerdings pandemiebedingt bereits zum zweiten Mal ausfallen. Aber: So ganz auf diese Tradition verzichten, das wollen die Linzer auch nicht. Und so gibt es in diesem Jahr wieder den Linzer Klapperlauf als ungewöhnliches Gemeinschaftserlebnis auf Distanz – zu den gewohnten Uhrzeiten um 6, um 12 und um 18 Uhr.

Hunderte Besucher normalerweise am Straßenrand

„Unglücklicherweise kann diese liebevoll gepflegte Tradition auch in diesem Jahr nicht wie gewohnt stattfinden“, erklärt Janine Petit, Leiterin der Linzer Tourist-Information. „Doch davon lassen wir uns nicht entmutigen. Gemeinsam kämpfen wir für den Erhalt unseres schönen Brauchtums“, so Petit. Für gewöhnlich säumen Hunderte Besucher von nah und fern die Straßen und Gassen der Bunten Stadt, wenn sich der Umzug von rund 200 Linzer Klappermädchen und -jungen ab dem Linzer Neutor an beiden Tagen in Bewegung setzt.

Die drei Uhrzeiten sind nicht willkürlich gewählt: Sie erinnern an das Glockengeläut zum Angelusgebet. Da aber an Karfreitag und am Karsamstag die Glocken schweigen, um der Passion Christi zu gedenken, übernehmen die Klappern diese Aufgabe. Erst in der Osternacht, wenn die Auferstehung Jesu gefeiert wird, dürfen die Glocken wieder läuten.

Wissenschaftlich belegt ist, dass die Linzer dieses christliche Brauchtum an den „stillen Feiertagen“ bereits seit dem 17. Jahrhundert pflegen. In vielen Linzer Garagen und Werkstätten wird – auch dies ist eine Tradition – vor der Karwoche darum heftig gesägt, gebohrt und gehämmert.

Denn: Die Klapper der Linzer Klappermädchen und Klapperjungen kommt selbstredend nicht aus Fernost, sondern ist in den allermeisten Fällen eine Linzer Eigenkonstruktion. Die entsprechenden Bauanleitungen werden in den Familien von Generation zu Generation weitergereicht.

Es klappert aus allen Ecken

Anstatt gemeinsam durch die Stadt zu ziehen, klappert es in diesem Jahr sozusagen aus allen Ecken: Jeder, der möchte, kann zu Hause, in den geöffneten Fenstern, im Garten oder auf dem Balkon klappern. „Schnappen Sie sich Gießkanne, Löffel, Topf, Klapper und Co. und lassen Sie uns gemeinsam die Bunte Stadt am Rhein zum Klappern bringen“, sagt Petit.

Schon kurz nach Ostern soll die ungewöhnliche 2021-Auflage des Linzer Klapperlaufs als Videofilm zu sehen sein. Dazu bittet die Tourist-Information im Linzer Rathaus alle, die mitmachen, einen kurzen Filmschnipsel vom „Klappern auf Distanz“ zuzusenden.

Dieses Video, welches nicht länger als zehn Sekunden sein sollte, sollte bis Ostermontag, 5. April, an die E-Mail-Adresse info@linz.de gesendet werden. „Um im Anschluss aus allen Videos einen ‚Klapper-Film’ zusammenstellen zu können, bitten wir Sie ausschließlich Videos im Querformat einzusenden“, erklärt Janine Petit.

Geklappert wird in Linz am Karfreitag, 2. April, sowie Karsamstag, 3. April, zu den drei üblichen Uhrzeiten (6, 12 und 18 Uhr), allerdings ausschließlich zu Hause, in den geöffneten Fenstern, im Garten oder auf dem Balkon.