Langes Warten auf die Stimmauszählung So lief die Kommunalwahl im Kreis Neuwied

Update | Kreis Neuwied · Kumulieren und Panaschieren ist in jedem Fall ein Stilmittel, um die Spannung bei der Kommunalwahl im Kreis Neuwied zu steigern: Nach langem Warten auf Ergebnisse standen gegen 21 Uhr die ersten Resultate der Bürgermeisterwahlen in Linz, Unkel und Asbach fest.

Viele Zettel haben die Wahlberechtigten im Kreis Neuwied zur Kommunal- und Europawahl mit in die Wahlkabine zu nehmen.

Viele Zettel haben die Wahlberechtigten im Kreis Neuwied zur Kommunal- und Europawahl mit in die Wahlkabine zu nehmen.

Foto: Frank Homann

Selbst der Duden sagt, dass das Seltenheitswert hat: Dass eine Ära endet, ist etwas besonders. Im Kreis Neuwied gehen jetzt gleich mehrere prägende Zeitabschnitte zu Ende. Dass Ären enden, so der Plural von Ära, komme nicht oft vor und sei darum ein selten gebrauchtes Wort, sagt das prägendste deutsche Wörterbuch. Wenige Tage nach dem Wahlsonntag enden etwa die Amtszeiten von Unkels Stadtbürgermeister Gerhard Hausen (SPD), von Bruchhausens Ortsbürgermeister Markus Fischer (CDU) und vom Linzer Stadtbürgermeister Hans Georg Faust (CDU).

20 Jahre und somit vier Wahlperioden waren Hausen und Fischer an der Spitze ihrer Kommune, Faust für zehn Jahre. „Ich gehe mit Wehmut und danke Ihnen, dass ich Ihr Stadtbürgermeister sein durfte“, hatte Sozialdemokrat Hausen vor wenigen Tagen erklärt. Er freue sich auf seinen „weiteren Unruhestand“. Markus Fischer bleibt in der Politik, er kandidiert für den Verbandsgemeinderat und den Kreistag. Warum Hans Georg Faust, der erfahrene Kommunalpolitiker und langjährige Bundestagsabgeordnete, zur Bürgermeisterwahl nicht mehr antrat, daraus machte der Christdemokrat kein Geheimnis. Die Arbeit eines ehrenamtlichen Bürgermeisters habe eine Komplexität erreicht, die ihn daran zweifeln lasse, ob es „ein Bürgermeister im Ehrenamt schaffen könne“, hatte Faust im Dezember dem GA gesagt, als der 75-Jährige ankündigte, nicht erneut kandidieren zu wollen.

  Neuer Linzer Stadtbürgermeister wird Helmut Muthers. Er kam als einziger Bewerber auf 76,6 Prozent.

Neuer Linzer Stadtbürgermeister wird Helmut Muthers. Er kam als einziger Bewerber auf 76,6 Prozent.

Foto: Heinz-Werner Lamberz

Umso spannender machte die neuen Konstellationen dann die Wahlgänge selbst: Während sich in Unkel Alfons Mußhoff (CDU) und Ralf Klein (SPD) um die Hausen-Nachfolge bewarben, war mit Stefan Heinrichs (CDU) in Bruchhausen und mit Helmut Muthers (CDU) in Linz jeweils nur ein Kandidat bei der Direktwahl ums ehrenamtliche Spitzenamt auf dem Wahlzettel zu finden.

Das erste Ergebnis zur Bürgermeisterwahl in Linz, Unkel und Asbach stand in Bruchhausen fest: Um 18.34 Uhr verkündete Markus Fischer als Wahlleiter, dass Stefan Heinrichs, der 1982 geborene Unternehmer, mit 74,1 Prozent der Stimmen zum Ortsbürgermeister gewählt ist. Die Wahlbeteiligung lag bei 77,3 Prozent. In Windhagen gewann Amtsinhaber Martin Buchholz (CDU) mit 46,3 Prozent der Stimmen. Auf Hans-Dieter Geiger (G-BfW) entfielen 34,2 Prozent, auf Sozialdemokrat Thomas Stumpf 12,2 und die parteilose Bewerberin Elisabeth Theisen 6,8 Prozent. Somit kommt in es in Windhagen in zwei Wochen zu einer Stichwahl zwischen Buchholz und Geiger.

  Wiedergewählt ist Roland Thelen als Ortsbürgermeister von Rheinbreitbach.

Wiedergewählt ist Roland Thelen als Ortsbürgermeister von Rheinbreitbach.

Foto: Frank Homann

In Asbach führte Ortsbürgermeister Franz-Peter Dahl, der nicht mehr für die CDU, sondern als Wählergemeinschaft Dahl erneut kandidierte, mit 65,4 Prozent vor CDU-Bewerber Markus Harf, der auf 22,4 Prozent der Stimmen kam. Hermann Bernardy (FWG) lag bei 12,2 Prozent. Allerdings waren hier erst elf von 14 Stimmbezirken ausgezählt.

Um 20.04 Uhr dann die Nachricht, dass Helmut Muthers (CDU) zum Nachfolger von Hans-Georg Faust gewählt worden ist. Als einziger Bewerber kam er auf 76,6 Prozent der Stimmen (23,4 Prozent Nein).

Hausen-Nachfolge: Sieg für Alfons Mußhoff (CDU) in Unkel

Seinen Vorsprung ins Ziel gerettet, respektive ausgebaut, hat Alfons Mußhoff (CDU) in Unkel: Während der bis 20 Uhr mit 58,3 Prozent vor Ralf Klein (SPD) lag, der nach der Auszählung des ersten von vier Stimmbezirken auf 41,7 Prozent kam, siegte der Regierungsdirektor a D. mit 61,2 Prozent der Stimmen. Sozialdemokrat Klein, der im Unkeler Zentrum einen Elektrofachhandel betreibt, schaffte 38,8 Prozent. „Ich bin überwältigt von dem großen Vertrauen“, sagte Mußhoff dem GA. „Ich danke allen, die mich in den vergangenen Wochen und Monaten unterstützt haben, insbesondere meinen Mitstreitern von der CDU Unkel. Wir sind ein gutes TeAM“, sagte er im Hinblick auf seine persönlichen Initialen. Gleichzeitig dankte der neue Stadtbürgermeister „Ralf Klein für den fairen Wahlkampf“, so Mußhoff. „Der Wahlkampf ist vorbei. Jetzt geht es darum, an einem Strang zu ziehen und gemeinsam die Zukunft unserer Stadt zu gestalten.“

Über sein zweite Wiederwahl konnte sich Ortsbürgermeister Roland Thelen (SPD) in Rheinbreitbach freuen. Er war als einziger Bewerber für dieses Amt ins Rennen gegangen und konnte am Ende 66,12 Prozent auf sich vereinen, 33,8 Prozent der Wahlberechtigten votierten mit Nein.

Überraschungen in Vettelschoß und Ockenfels

Mit zwei faustdicken Überraschungen endeten die Bürgermeisterwahlen in den Linzer Höhenorten Vettelschoß und Ockenfels: In Ockenfels muss Kurt Pape (CDU), seit 15 Jahren ehrenamtlicher Gemeindechef seinen Stuhl im Gemeindebüro räumen: Bei der Direktwahl setzte sich der 52 Jahre alte Gesamtschuldirektor Torsten Müller (SPD), bislang Fraktionschef im Gemeinderat, mit 51,3 Prozent gegen den langjährigen Amtsinhaber durch, der auf 48,7 Prozent der Stimmen kam. In einem Ort wie Ockenfels bewahrheitet sich die Weisheit, dass im Wortsinne jede Stimme zählt: Der Vorsprung von Müller betrug bei einer hohen Wahlbeteiligung von 86,1 Prozent nämlich gerade mal 16 Stimmen.

Ein weiterer Amtsinhaber scheidet in Vettelschoß aus dem Amt: Heinrich Freidel (CDU) hat in dem wirtschaftsstarken Höhenort gegen Norbert Rohringer (FWG) das Nachsehen. Der Herausforderer schaffte auf Anhieb 52,5 Prozent der Stimmen, Freidel, Nachfolger des langjährigen CDU-Ortsbürgermeisters Falk Schneider und seit 2014 im Amt, erreichte 47,5 Prozent.

Gerade mal sechs Stimmen Unterschied haben die Bürgermeisterwahl in Kasbach-Ohlenberg entschieden: CDU-Bewerberin Susanne Lux (60) von der CDU sicherte sich mit einem Vorsprung von sechs Stimmen den Sieg mit 50,4 Prozent gegen den parteilosen und gleichaltrigen Martin Flöck, der auf 49,6 Prozent kam. Lux folgt auf Frank Becker (CDU), der seit vergangenem Jahr Linzer Verbandsbürgermeister ist, aber sein Ehrenamt als Ortsbürgermeister dennoch bis zum Ende der Wahlperiode fortgeführt hat.

Sechs Stimmen Unterschied entscheiden Wahl in Kasbach-Ohlenberg

Keine Zitterpartie wurde die Wahl für Willi Knopp, Ortsbürgermeister der ebenfalls sehr wirtschaftsstarken Gemeinde St. Katharinen. Mit einem Ergebnis von 55,5 Prozent lag der 64-Jährige im Linzer Höhenort genau elf Prozentpunkte vor seiner Mitbewerberin Maria Zimmermann (FWG), die auf 44,5 Prozent kam. Ebenso wiedergewählt, allerdings ohne Gegenkandidaturen, wurden Ortsbürgermeister Heiko Glätzner in Leubsdorf mit satten 89,0 Prozent der Stimmen, Günter Hirzmann in Erpel mit 66.3 Prozent und Stefan Betzing in Dattenberg mit 65,4 Prozent.

Das lange Warten auf Ergebnisse zu den Bürgermeister-, Gemeinderats- und Verbandsgemeinderatswahlen hat seine Gründe: Zunächst müssen die Wahlhelfer die Europameisterwahl auszählen. Fest stand schon vor dem Wahlsonntag, dass noch einmal weit mehr Wähler als 2019 per Briefwahl abgestimmt hatten. Geschuldet ist dies dem komplizierten Verfahren in Rheinland-Pfalz, das Stimmen kumuliert beziehungsweise panaschiert werden können. Dabei können die Wähler mehrere Stimmen auf einen Bewerber konzentrieren (kumulieren) oder auf Kandidaten verschiedener Wahllisten verteilen (panaschieren) – mit der Konsequenz, dass der Landeswahlleiter ankündigte, ein Ergebnis der Wahlen werde erst „frühestens am Mittwoch nach der Wahl vollständig vorliegen“, hieß es aus Mainz.