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Totenborn-Relief: Kunstwerk in Linz erstrahlt in neuem Glanz

Totenborn-Relief : Kunstwerk in Linz erstrahlt in neuem Glanz

Totenborn-Relief: Ein Bürgerprojekt initiierte die Rekonstruktion des Artefakts, das sich im Linzer Zentrum befindet.

Wer nach dem Himmelreich sucht, wird in Linz schon nach kurzer Suche fündig: Nicht weit weg vom Buttermarkt im Zentrum der Bunten Stadt – natürlich anschließend ein paar mühsame Schritte den Berg hinauf – liegt seit 1420 die Straße Am Himmelreich. Ihren Namen trägt die zwischenzeitige Einbahnstraße, da sie seit alters her als Wegung zum Friedhof gilt. Just an ihrem „Eingang“, wo sie sich mit der Straße „Am Totenborn“ kreuzt, lädt ein besonderes Kunstwerk dazu ein, einen Moment zu verweilen. Das sogenannte Totenborn-Relief zeigt sich jetzt in neuer Optik und neuer Symbolik.

100 Jahre sollte das bestehende Relief an dieser Stelle eigentlich halten: 93 sind es geworden. Das 1928 entstandene Werk des bekannten, viele Jahre in Bad Honnef lebenden und arbeitenden Künstlers Peter Terkatz (siehe Kasten „Der rheinische Künstler“) hatte der Witterung nicht trotzen können. Darum hatte die sogenannte Arbeitsgruppe Sechs des Bürgerprojekts „Linz gestalten – Leben in der Altstadt“ die Idee, nach einer bildhauerischen Rekonstruktion des Terkatz-Reliefs Ausschau zu halten.  

Fündig wurde die Arbeitsgruppe bei Ruth Schwenker aus Hammerstein. Die Steinmetz- und Bildhauermeisterin hat das Kunstwerk mit dem auffälligen Fingerzeig des Heiligen Petrus gen Himmel neu geschaffen. Dass es wohl nicht für alle Erdenmenschen an der Friedhofsgabelung in Richtung Himmelreich geht, verschweigt Schwenkers Werk nicht. Dem Apostel steht ein Skelett gegenüber, dessen martialische Sense einen Hinweis darauf gibt, dass nicht für jeden der Weg ins Paradies vorbestimmt ist.  „Dafür ist man Steinmetzin geworden – für solch eine Arbeit“, berichtet Ruth Schwenker bei der Enthüllung ihres Reliefs. Die Fachfrau für Restaurierungen, Kunst am Bau, Skulpturen und Grabmale habe sich eigens einen Stein ausgesucht, der „mehr als 100 Jahre überdauern“ soll, wie sie sagt.

Ein Gemeinschaftswerk ist die Finanzierung der Nachbildung. Während die Stadt Linz anno 1928 der Überlieferung nach noch als alleinige Auftraggeberin die Zeche zahlte, stammen die 9000 Euro für die Replik zu einem Drittel aus dem Stadtsäckel, zu einem Drittel aus Spenden und zu einem Drittel aus Mitteln einer Stiftung der VR-Bank Neuwied-Linz. „Mit dem Ergebnis bin ich hochzufrieden“, erklärte Stadtbürgermeister Hans Georg Faust. Das Kunstwerk an jener Stelle zeige eindrucksvoll „die Verbundenheit von Kommune und Kirche“, so Faust. Bisher betreute Objekte des Linzer Bürgerprojekts um Hartmut Froesch sind etwa die Mariensäule auf dem Marktplatz und die Donatus-Figur in der Kaiserberg-Kapelle. „Ich hätte nicht gedacht, dass der Geist des Reliefs so wieder auferstehen kann“, meinte Froesch.

„Ich bin ein wenig neidisch“, sagte Pfarrer Lothar Anhalt, der das Kunstwerk segnete. Zwar befände sich das erneuerte Relief am Rande seines Pfarrhauses. Dieses jedoch habe seine Postanschrift Am Totenborn – nach seinem Dafürhalten an der falschen Straße. „Ich bin ein wenig neidisch, dass ich nicht Am Himmelreich lebe. Aber ich habe mich damit arrangiert“, erklärte er mit einem Augenzwinkern. Und auch zum Segen hatte Anhalt etwas zu sagen: „Meine Kirche tut sich schwer, Menschen zu segnen, wenn sie beispielsweise homosexuell sind. Ich persönlich tue mich nicht schwer“, sagte Anhalt und erhielt dafür spontanen Beifall.