Kritik an Korridorausbau Rechter Rhein Lärmschutz: „Dass können und werden wir so nicht hinnehmen“

Region · 2026 will die Deutsche Bahn die gesamte Strecke von Wiesbaden bis Troisdorf komplett erneuern. Aus Sicht der Bürgerinitiative (BI) im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn kommt der Lärmschutz bei dem auf fast ein halbes Jahr angesetzten Mammutprojekt immer noch zu kurz. Was die BI konkret kritisiert.

Die Bemühungen der Deutschen Bahn in Sachen Lärmschutz sind aus Sicht der Bürgerinitiative im Mittelrheintal  gegen Umweltschäden durch die Bahn völlig unzureichend.

Die Bemühungen der Deutschen Bahn in Sachen Lärmschutz sind aus Sicht der Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn völlig unzureichend.

Foto: Frank Homann

Die ersten Informationen zum Mammutprojekt der Deutschen Bahn, die rechtsrheinische Bahntrasse von Wiesbaden bis Troisdorf im zweiten Halbjahr 2026 komplett zu erneuern und auf den neuesten technischen Stand zu bringen, sind erst am Donnerstag von der Deutschen Bahn veröffentlicht worden, da regt sich bereits massiver Widerstand: Aus Sicht der Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn kommt der Lärmschutz bei dem auf fast ein halbes Jahr angesetzten Großprojekt immer noch zu kurz.

Hintergrund: Eine lange, lange Liste an Anforderungen hat sich die DB ab 10. Juli 2026 während der dann fünfmonatigen Großbaustelle ins Aufgabenheft geschrieben – darunter die Modernisierung von Gleisen, Weichen, Oberleitungen und Brücken. „Dieses Mammutprojekt sieht vor, dass 67 Kilometer Schienenstrecke rechtsrheinisch, 111 Weichen, 15 Bahnübergänge, elf Brückenbauwerke, fünf Überleitstellen, neue digitale Signaltechnik European Train Control System (ETCS) zu verbauen sowie Felssicherungsarbeiten und den Bau von Lärmschutzwänden umzusetzen“, schildert Willi Pusch, Vorsitzender der Bürgerinitiative (BI) im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn. Sein Hauptkritikpunkt: „Die Installation von besohlten Schwellen zur Erschütterungsaufnahme ist ebenfalls geplant, allerdings nur dort, wo bereits alte Schwellen ausgetauscht werden, dass können und werden wir so nicht hinnehmen“, sagte Pusch.

Von der Idee, die gesamte Trasse für fünf Monate zu sperren und etwa für Regionalbahnverbindungen Busfahrten einzurichten, hält Pusch nicht viel: „Besonders bedenklich ist die Tatsache, dass die Bürger während dieser Bauphasen erhebliche Einschränkungen in Kauf nehmen müssen. Vollständige Sperrungen über jeweils sechs Monate bedeuten nicht nur massive Beeinträchtigungen im täglichen Pendelverkehr, sondern auch erhebliche Belastungen für lokale Unternehmen und den Tourismus“, findet der Chef der Bürgerinitiative.

Während der Videokonferenz, in der die DB ihre Pläne vorstellte, habe die Bahn versucht, „die Landräte und Bürgermeister zu beruhigen, indem sie versicherte, dass alles ,besser‘ werde“, erklärte Pusch. Doch wie könne von Verbesserung die Rede sein, wenn gleichzeitig die Transportkapazitäten nahezu verdoppelt werden sollen?, fragte er weiter. „Diese Frage bleibt unbeantwortet und lässt die vorgestellten Pläne äußerst fragwürdig erscheinen“, findet er.

Pusch: Anliegen der Anlieger bleiben auf der Strecke

Und: Nicht nur in die Technik an den Schienen müsse umfassend investiert werden, auch in die Ausstattung der Technik, die auf den Schienen fährt und durch veraltete Technologien so viel Lärm erzeugt: „Die Bahn und die privaten Waggonhalter sollen sich nicht allein auf traditionelle Techniken verlassen, sondern in modernes und leises Waggonmaterial sowie moderne Lokomotiven investieren“, fordert der BI-Chef.

Einige Experten gingen sogar so weit, zu fordern, sofort in den Bau der neuen Alternativtrasse für den Schienengüterverkehr zu investieren, um die Fundamente für die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands zu sichern, so Pusch. Er befürchtet nämlich, dass die Anliegen der Anlieger bei dem Mammutprojekt zu kurz kommen. „Man solle bedenken, dass die Bahn anscheinend vorhat, die Interessen der Anwohner hinter die Forderungen des Güterverkehrs zu stellen. Der Lärm, die Beeinträchtigungen des öffentlichen Lebens und die Umweltauswirkungen scheinen bei diesem ehrgeizigen Projekt auf der Strecke zu bleiben“, findet der langjährige Aktivist für mehr Schutz vor dem Lärm von der Schiene.

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