Tradition aus dem 17. Jahrhundert in Linz In der Bunten Stadt klappert es in allen Gassen

Linz · Zwei Tage lang schweigen fast überall auf der Welt die Kirchenglocken, um an die Passion Jesu Christ und an dessen Tod am Kreuz zu erinnern. In Linz wird dieses Schweigen aber alljährlich zum Gemeinschaftserlebnis.

Eine – der Überlieferung nach – seit 1627 in Linz gebräuchliche Tradition sind die Klapperläufe an Karfreitag und am Samstag. Die Läuferinnen und Läufer signalisieren um 6, um 12 und um 18 Uhr, was die Uhr geschlagen hat. (Archivfoto)

Eine – der Überlieferung nach – seit 1627 in Linz gebräuchliche Tradition sind die Klapperläufe an Karfreitag und am Samstag. Die Läuferinnen und Läufer signalisieren um 6, um 12 und um 18 Uhr, was die Uhr geschlagen hat. (Archivfoto)

Foto: Frank Homann

Mit den Klapperläufen, einer Linzer Tradition aus dem 17. Jahrhundert, zeigen die Klapperjungen und –mädchen jeden Alters, was die Stunde geschlagen hat. Wohl dem, der seine eigene Klapper hat: Die Klapper ist ein Holzinstrument, bei dem ein Holzklöppel durch starkes Schwenken nach links und rechts bewegt wird und dabei lautstarke Klappergeräusche erzeugt. In Linz wird der dabei erzeugte hölzerne, nicht gerade der Feiertagsruhe dienende Klang aber nicht als Krach empfunden, ist es doch gern gepflegtes Brauchtum. Die Linzer Klapperläufe durch die Altstadtgassen an Karfreitag und Karsamstag, 29. und 30. März, ersetzen das Glockengeläut.

Laut Überlieferung fliegen die Glocken über die Osterfeiertage nach Rom. Tatsächlich schweigen die Glocken ab der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag nach dem Gottesdienst in der ganzen Welt, um an die Passion Jesu Christi und an dessen Tod am Kreuz zu erinnern. Erst in der Osternacht am späten Samstagabend, wenn die Auferstehung Jesu gefeiert wird, dürfen die Glocken wieder läuten.

Vorösterliche Tradition in Linz bereits seit 1627

Erfahrungsgemäß laufen über 200 Klapperjungen und –mädchen jeden Alters, hintereinander gereiht, drei Mal am Tag für die traditionelle Zeitansage durch Linz. In die Bunte Stadt soll das österliche Ritual mit den Kapuzinern gekommen sein, die sich 1627 in der Stadt niederließen. Die am Neutor aufgestellte Bronzefigur des Klapperjungen der Linzer Künstlerin Inge Heim erinnert an diesen uralten Brauch. Geklappert wird an beiden Tagen jeweils um 6 Uhr, 12 Uhr und 18 Uhr. Treffpunkt ist das Neutor, am nordöstlichen Anfangspunkt der Altstadt.

Die drei Uhrzeiten sind nicht willkürlich gewählt: Sie erinnern an das Glockengeläut zum Angelusgebet. In vielen Linzer Garagen und Werkstätten wird – auch dies ist eine Tradition – vor der Karwoche darum heftig gesägt, gebohrt und gehämmert. Denn: Die Klapper der Linzer Klappermädchen und Klapperjungen kommt selbstredend nicht aus Fernost, sondern ist in den allermeisten Fällen eine Linzer Eigenkonstruktion. Die entsprechenden Bauanleitungen werden in den Familien von Generation zu Generation weitergereicht. Wer sich bei den Klapperläufen einreihen möchte und noch keine eigene Klapper besitzt, kann sich bei der Tourist-Information Linz noch bis einschließlich Donnerstag, 28. März, zu den Öffnungszeiten (8.30 bis 12 Uhr sowie 13 bis 16.30 Uhr) eine Klapper ausleihen.

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