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Neuwied: Lulo Reinhardt und Yuliya Lonskaya spielten in Rheinbreitbach

Wenn Gypsy auf Klassik trifft : Lulo Reinhardt und Yuliya Lonskaya spielten in Rheinbreitbach

Die Gitarrenvirtuosen Lulo Reinhardt und Yuliya Lonskaya spielen ein begeisterndes Konzert in der Villa von Sayn in Rheinbreitbach.

Mit einem Konzert der Gitarrenvirtuosen Lulo Reinhardt und Yuliya Lonskaya hat der Förderkreis Obere Burg Rheinbreitbach nach langer Corona-Pause sein Veranstaltungsprogramm wieder aufgenommen. Auch wenn er nach 28 Jahren erstmals auf den angestammten Platz in der Burg verzichten muss. „Das Abstandhalten dort ist unmöglich“, bedauerte der Vorsitzende Günter Ruyters. „Wir haben aber glücklicherweise Asyl in der Villa von Sayn erhalten.“

„Gypsy meets Classic“ lautete das Motto des Abends. „Lulo Reinhardt hat eine große Fangemeinde in Rheinbreitbach. Und nach drei Jahren kommt er wieder zu uns“, freute sich Vorstandsmitglied Christa Schäfer. Unterdessen hat der Großneffe des legendären französischen Gitarristen, Komponisten und Bandleaders Django Reinhardt den Preis der deutschen Schallplattenkritik in der Kategorie Weltmusik 2019 erhalten. Diesmal trat der gefragte Gitarrist in Begleitung der weißrussischen Künstlerin Yuliya Lonskaya auf: einer Vertreterin der Klassik, mit der er seit drei Jahren zusammenarbeitet.

„Normalerweise haben wir 150 Konzerte im Jahr“, erzählte Lulo Reinhardt, der bei Montabaur lebt. „Plötzlich hatten wir 24 Stunden am Tag Zeit. Zum Glück habe ich ein eigenes Studio.“ Das Ergebnis ist ein neues Album. Und mit Stücken daraus – Latin, Flamenco, brasilianischem Jazz und Gypsy – eroberten die beiden Musiker die Herzen der Besucher im Handumdrehen. Yuliya Lonskaya überraschte die Zuhörer zudem mit ihrer Stimme, so wie beim melancholischen Walzer „Schwarze Augen“, bei dem es um gefährliche Liebe und Leidenschaften geht.

Ein Lied für jedes Familienmitglied

Nach dem Abschluss ihres Studiums als Solistin an der Hochschule für Musik in Karlsruhe war sie Stipendiatin an der renommierten Accademia Musicale Chigiana, bei Professor Oscar Gighlia in Siena. Dazu hat sie Privatunterricht bei der Jazz-Sängerin Viviane de Farias genommen. Gastspiele führten Yuliya schon in die USA, nach Puerto Rico und durch Europa. Auch Reinhardt ist viel unterwegs, die Eindrücke seiner Reisen fließen ein in seinen unverwechselbaren Gypsy-Sound.

Und er greift selbstverständlich auf die Musik seiner Vorfahren zurück. „Lalla“ zum Beispiel erinnert an die Großmutter. Dazu zählt Reinhardt 59 Nichten und Neffen, und für jedes Familienmitglied habe er ein Lied komponiert. Fast jedes: „Eine Nichte hatte ich vergessen.“ Und nachdem die Kleine protestiert hatte, entstand auch für sie ein eigenes Stück.

Auch seiner Konzertpartnerin hat Reinhardt ein Lied gewidmet: „Yulechka“. Dazu die junge Künstlerin: „Yulechka ist mein Spitzname in meiner Familie, das bedeutet so viel wie kleines Mädchen.“ Wobei Reinhardt offensichtlich genau den richtigen Ton getroffen hat. Ihre Schwester in Weißrussland habe gesagt, dieses Lied erzähle genau ihre Geschichte: so wie sie sich in Deutschland entwickelt habe, aber immer noch das kleine Mädchen sei.

Im nächsten Jahr planen Lulo Reinhardt und Yuliya Lonskaya Tourneen durch Großbritannien und Australien. Mit ihre Instrumenten – der Klassik-Gitarre und Lulo Reinhardts in Bulgarien gebauter „Damon“, die er nach einem seiner fünf Enkel benannt und selbst mit entwickelt hat. „So brauche ich nur eine Gitarre. Das ist angenehmer, wenn es auf Tour geht.“ Nach Rheinbreitbach hat er es freilich nicht weit – und so hoffen die Besucher dieses Konzerts, dass er mit seiner Partnerin irgendwann auch einmal wieder in die Obere Burg kommt.