Tag des offenen Denkmals So grausam war die Hexenkette

ERPEL · "Kommen Sie ruhig hoch. Hier im ersten Stockwerk finden Sie die Gefängniszelle, in der die Hexenkönigin von Bruchhausen, Anna Katharina Spee, im September 1631 auf ihre Hinrichtung im Kasbacher Eulenloch gewartet hat." Mit diesen Worten motivierte Heribert Siebertz Besucher des Erpeler Neutors, die steilen Stufen zur ehemaligen Wächterstube des nördlichen Wahrzeichens des Ortes emporzusteigen, in dem es weitere drei Stockwerke zu bestaunen gibt.

 Im Mittelalter kein Spaß: Susanna durfte das Halseisen einmal "anprobieren".

Im Mittelalter kein Spaß: Susanna durfte das Halseisen einmal "anprobieren".

Foto: Frank Homann

"Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale" hatte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in Bonn als Motto für den 21. Tag des offenen Denkmals ausgegeben. Im Mittelpunkt standen dabei Gebäude mit einem negativen Touch wie etwa der wieder originalgetreu eingerichtete Luftschutzkeller aus dem Zweiten Weltkrieg, der unter dem Unkeler Sitzungssaal mit Zeitzeugen besucht werden konnte.

Unbequem sind unter Denkmalschutz stehende Gebäude für die Besitzer aber auch, weil sie oft eine finanzielle Belastung für die Eigentümer darstellen. So wäre Erpel nie in der Lage gewesen, das letzte vollständig erhaltene von ehemals vier Eingangstoren der Ortsumwehrung aus der Zeit um 1420 für eine Nutzung auszubauen, wenn sich nicht Siebertz dieser Aufgabe gewidmet hätte.

Nach einer Sanierung des hohen Walmdaches und der Bruchstein-Außenmauern durch die Gemeinde trommelte er 2001 eine Gruppe Ehrenamtlicher zusammen, um die Innenräume des Neutors von Grund auf zu überholen und für wechselnde Ausstellungen herzurichten. Acht Jahre lang werkelte das Team intensiv jeden Mittwochnachmittag, bis die Arbeiten 2009 abgeschlossen waren.

Die Zwillingstürme der ehemaligen Ludendorffbrücke an der B 42 sind für die Kommune allerdings erheblich unbequemer. "Um das historische Bauwerk zu erhalten, sind umfangreiche Sanierungsarbeiten notwendig. Diese würden jedoch die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde weit übersteigen", so der frühere Bürgermeister Edgar Neustein. Eine Erhaltung der Türme sei aus zeitgeschichtlichen und denkmalpflegerischen Gründen jedoch unerlässlich. Wegen der nationalen Bedeutung des Gebäudes erwarte die Gemeinde umfangreiche Hilfen von Land und Bund.

"Bei den häufigen Bombenangriffen auf die Brücke suchte die Zivilbevölkerung im Zweiten Weltkrieg hier im Tunnel Schutz, der von den Brückentürmen unter der Erpeler Ley herführt", erklärte Neustein bei seiner Führung. Im Mittelpunkt der Weltgeschichte stand die Brücke am 7. März 1945, als sie von einer Vorhut der 9. US-Panzerdivision nach misslungenen Sprengungsversuchen der Tunnelbesatzung gegen 16 Uhr eingenommen wurde. "Innerhalb von 24 Stunden überquerten 8000 Soldaten den Rhein in Richtung Ostufer", so der Vorsitzende des Kunst- und Kulturvereins "ad erpelle", der den Tunnel Anfang des Jahre erworben hat.

Seit Jahren schon nutzt er den Originalschauplatz als Bühne für das von Walter Ullrich inszenierte Schauspiel "Die Brücke". In den Brückentürmen wiederum organisiert er zusammen mit dem Verein "antiform" Ausstellungen mit einem umfangreichen Rahmenprogramm. Zurzeit zeigen dort 22 Künstler "Gewaltige Bilder".

Meistgelesen
Neueste Artikel
Das Geschenk auch annehmen
Kommentar zur Debatte um den Sportpark in Unkel Das Geschenk auch annehmen
Zum Thema
Aus dem Ressort