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Künstlerin stellt in Unkel aus: Wucht der Pandemie in drei Akten

Künstlerin stellt in Unkel aus : Wucht der Pandemie in drei Akten

Die Bildhauerin Helga Kaes zeigt ihre Arbeiten mit Ecken und Kanten in der Kulturwerkstatt in Unkel. Inspiration war die Pandemie.

Die drei Objekte erzählen – jedes für sich genommen – drei ganz unterschiedliche Geschichten: In einer Reihe aufgestellt, öffnen sie sich als eine Art Tagebuch, das eine Szene beschreibt, die sich jetzt bereits über eineinhalb Jahre hinzieht und die Wellen der Corona-Pandemie auf beeindruckende Weise symbolisiert. „Umbruch“ nennt die in Remagen lebende Bildhauerin Helga Kaes ihre wuchtige Trilogie aus Stahl, Draht und anderen Materialien, die jetzt zusammen mit weiteren aktuellen Arbeiten in der Unkeler Kulturwerkstatt Koslar/Seidel zu bewundern ist.  

„Diese Arbeit war sehr intensiv“, berichtet sie im Gespräch mit dem GA. Ihr Schweißgerät nimmt sie zur Hand, um zu Beginn der Pandemie im März 2020 aus einer beklemmenden, beängstigenden Stimmung heraus „Umbruch 1“ zu erschaffen. „Die Menschen waren zum Umdenken gefordert“, sagt Kaes über ihr Objekt aus acht Millimeter dickem Stahl, Kupfer und Draht. Doch nach dem Anschein der Normalität schlägt im Herbst die zweite Welle der Pandemie ein. „Eine Zeit der Belastung, Zerrissenheit, Irritation, der Ängste“, findet die Künstlerin, die drei Jahre lang, neben ihrem Beruf, Bildhauerei studiert hat – inklusive eines Schweiß-Seminars.

Mit der Wut der Verzweiflung scheinen bei „Umbruch 2“ Gips und Leinen Teil der Konstruktion  geworden zu sein. Obgleich aus Stahl wirkt das Objekt filigran. Ganz anders die Wirkung von „Umbruch 3“: Die Verwendung von Stacheldraht symbolisiert den dritten, sehr langen Lockdown – das radikale Einsperren.

Weitere Objekte Kaes’, die in der Kulturwerkstatt an der Pützgasse zu sehen sind, zeugen von der Sinnlichkeit des weiblichen Körpers. Die konvexen und konkaven Formen, die Kaes in einem aufwändigen Verfahren in Bronze gegossen hat, strahlen Kraft aus. „Es geht mir bei meinen Frauen nicht um Schönheitsideale, sondern um den Ausdruck“, sagt sie. „Ich liebe Brüche, Ecken und Kanten.“ Zu erkennen ist dieser Ansatz sehr eindeutig bei den beiden Skulpturen „Befreiung 2“ und „Befreiung 4“, die einmal in Bronze mit sichtbarer Kupferpatina und einmal vernickelt nebeneinander stehen. Fingerspitzengefühl ist zweifellos vonnöten, um diese Frauenkörper entstehen zu lassen. Aus Wachs und Ton entstehen die Strukturen, die einen Rumpf, Beine oder Arme ergeben und anschließend in Bronze gegossen werden.  Wichtig in Pandemiezeiten: Der Kunstgenuss lässt sich dank der Lage des Ateliers auch ganz ohne Berührungsängste durch das Schaufenster genießen. Und: Ein Hingucker ist die Lichtinstallation, die Kaes erstmals für eine Ausstellung zum Einsatz bringt. Wenn des Abends mal grünes, mal blaues Licht auf die Pützgasse im Unkeler Zentrum fällt, entsteht ein mystischer Eindruck durch die langen Schatten, die die Objekte und Skulpturen an den Wänden werfen.

„Wir sind glücklich, dass wir wieder – vergleichsweise gefahrlos – Kunst zeigen dürfen“, meint Galerist Jochen Seidel, der auch einer der Initiatoren des Festivals „Kunst in Unkeler Höfen“ ist. Guter Hoffnung sei er, dass die renommierten Kunsttage – nach dem Ausfall 2020 – in diesem Jahr am 4. und 5. September in Unkel über die Bühne gehen können.

Jeweils an den Sonntagen während der Ausstellungszeit einschließlich Sonntag, 4. Juli, ist Helga Kaes von 13 bis 17 Uhr in der Kulturwerkstatt Koslar/Seidel anwesend, um Besuchern Fragen zu ihrer Kunst und ihrer Arbeitstechnik zu beantworten. Mehr über die Künstlerin: www.helga-kaes.de.