Stars im Exotarium Bedrohte Bali-Stare mit Nachwuchs im Zoo Neuwied

Neuwied · Mit ihrem strahlend weißen Gefieder gehören die Bali-Stare zwar nicht zu den buntesten, aber bedauerlicherweise zu den am stärksten bedrohten Vogelarten der Welt. Im Zoo Neuwied bekommen die sensiblen Tiere hingegen eine ganze Menge Nachwuchs.

Im Zoo Neuwied sind die stark vom Aussterben bedrohten Vögel im Exotarium zu finden.

Im Zoo Neuwied sind die stark vom Aussterben bedrohten Vögel im Exotarium zu finden.

Foto: Alexandra Japes

Wer sie sehen kann, ahnt nicht, dass diese gut versteckten Vögel eine weltweite Seltenheit sind: Zwischen Ästen und Blattwerk hüpfen zwei weiße Vögel im Exotarium des Zoos Neuwied umher, stellen gelegentlich ihre prachtvolle und üppige Federhaube auf, geben melodische Rufe von sich und lassen einander nicht aus den Augen, welche von leuchtend blauer, unbefiederter Haut umgeben sind. Zu Raritäten macht die beiden Bali-Stare, dass sie eine der am stärksten bedrohten Vogelarten der Welt sind. Im Tierpark im Neuwieder Stadtteil Heimbach-Weis sind sie zu bewundern, weil ein Zuchtprogramm des Zoos besonders reiche Früchte trägt.

Beobachtet wird das Pärchen von Maximilian Birkendorf, der im Zoo Neuwied als Kurator arbeitet und auch für die Bali-Stare zuständig ist, die in der unteren Etage des Exotariums zusammen mit Segelechsen und Dickkopfschildkröten im Großraumterrarium leben. „Natürlich stehe ich nicht den ganzen Tag herum und beobachte meine Vögel“, sagt er, „schön wär’s! Aber bei den Bali-Staren haben wir kürzlich ein neues Weibchen bekommen, und da ist es wichtig, in den ersten Wochen genau hinzuschauen um herauszufinden, ob die Chemie zwischen den Partnern stimmt.“

Folglich ist Birkendorf zufrieden mit dem, was er sieht – und das ist auch gut so: „Der Bali-Star ist einer der am stärksten bedrohten Vögel der Welt. Dieser Singvogel kommt in der Natur nur auf der Insel Bali vor, und ist durch dieses sehr kleine Verbreitungsgebiet extrem anfällig für Lebensraumzerstörung.“ Außerdem werden, wie der Kurator berichtet, in Indonesien nicht nur mit enormer Geschwindigkeit die Trockenwälder abgeholzt, die sein natürlicher Lebensraum sind, sondern auch viele Vögel illegal für den Heimtiermarkt gefangen, da der Besitz von Singvögeln dort eine Art Statussymbol darstellt. Bereits in den 80er Jahren sind aber Artenschutzprojekte ins Leben gerufen worden, um den Bali-Star durch gezielte Zucht und Auswilderung zu retten, was jedoch zunächst misslang. Die Folge: Bei Zählungen im Jahr 2006 konnte kein einziger Vogel mehr auf Bali gefunden werden.

Allerdings gab es zu diesem Zeitpunkt bereits eine durch ein Erhaltungszuchtprogramm koordinierte Reservepopulation in den europäischen Zoos, aus der 2011 und 2016 insgesamt 42 Vögel nach Indonesien gebracht und auf Bali angesiedelt wurden. „2019 wurden dort dann nach der Brutsaison bereits über 250 Vögel gezählt“, berichtet Birkendorf. „Damit ist der Bali-Star eine echte Artenschutz-Erfolgsgeschichte, auch wenn die Art weiterhin von der Welt-Naturschutzorganisation IUCN als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft wird.“

Zoo zieht acht Küken der seltenen Tiere in vier Jahren groß

Auch für den Zoo Neuwied sind die Bali-Stare ein Erfolgsmodell: „Wir haben zwischen 2018 und 2022 insgesamt acht Küken erfolgreich großgezogen, welche allesamt Teil des Erhaltungszuchtprogramms sind und mittlerweile in anderen europäischen Einrichtungen bereits selbst wieder für Nachwuchs gesorgt haben.“ Da das neu zusammengestellte Paar augenscheinlich gut harmoniert, blickt Kurator Max Birkendorf optimistisch in die Zukunft: „Sollte in Zukunft nochmals eine Gruppe Nachzuchten aus Europa auf Bali ausgewildert werden, könnte möglicherweise auch ein Tier aus Neuwied dabei sein.“ Wenn allerdings die Schutzmaßnahmen vor Ort Wirkung zeigten und sich die wilde Population stabilisiert und von selbst vergrößert – dann wäre eine Verstärkung aus der Zoo-Reservepopulation vielleicht gar nicht mehr nötig. „Das wäre natürlich noch besser!“

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