Kriechende Exoten im Exotarium So sieht die Kinderstube der Rotknievogelspinne im Zoo Neuwied aus

Neuwied · Einem Kindergarten nicht unähnlich sieht momentan das Exotarium im Zoo Neuwied aus: Mitten im mitteleuropäischen Winter schlüpfen allerlei Jungtiere – darunter Guatemala-Schwarzleguane, Rotknievogelspinnen und Zauneidechsen.

 Es dauert, bis die Segelechse im Exotarium des Zoos Neuwied ganz und gar aus dem Ei geschlüpft ist.

Es dauert, bis die Segelechse im Exotarium des Zoos Neuwied ganz und gar aus dem Ei geschlüpft ist.

Foto: Thorben Maur

Es gibt wahrlich nicht viele Orte in der Region, die mitten im mitteleuropäischen Winter gleichbleibend angenehm warme 22 Grad Celsius vermelden können. Einer dieser magischen Orte ist das Exotarium im Zoo Neuwied. Und während viele, vor allem wärmeliebende Tiere, in den Außengehegen des Tierparks schon den Frühling ersehnen, verwandelt sich das Exotarium momentan zu einer Kinderstube. Frisch geschlüpft sind etwa Guatemala-Schwarzleguane, Rotknievogelspinnen und Zauneidechsen.

Wer jetzt im Februar aus dem nass-kalten Wetter ins Exotarium kommt, betritt eine andere Welt: Die bereits erwähnten 22 Grad Celsius, helles Licht und leises Wasserplätschern begrüßen die Besucher. In den üppig bepflanzten Terrarien verstecken sich große Warane und Leguane, Riesenschlangen liegen zusammengerollt in künstlichen Höhlen und Krokodilkaimane dösen im Sand oder am Grund ihres mit Wasserpflanzen bedeckten Beckens. „Hier im Exotarium achten wir sehr darauf, in den Schauterrarien den natürlichen Lebensraum der Tiere möglichst naturgetreu nachzubilden“, sagt Obertierpfleger David Otte.

Nicht viel größer als ein Zweieurostück ist das Jungtier der Rotknievogelspinne.

Nicht viel größer als ein Zweieurostück ist das Jungtier der Rotknievogelspinne.

Foto: Alexandra Japes

„Dadurch können sich auch die Bewohner gut in der Bepflanzung oder sonstiger Terrarieneinrichtung verstecken.“ Der Betrachter müsse oft ein bisschen suchen, bis er die Tiere entdeckt. „Das macht einen Besuch im Exotarium so spannend, und dadurch halten sich die Leute hier auch länger auf, besonders im Winter, wenn es draußen ungemütlich ist“, findet Otte.

Es gibt jedoch einen Bereich im Exotarium, wo die Gehege kleiner und einfacher strukturiert sind. „Hinter dieser Tür liegt der sogenannte ,Hinter den Kulissen’-Bereich“, erklärt Otte und öffnet die Tür mit seinem Schlüsselbund. „Er ist Futterküche und Lagerraum für Futtermittel und Materialien und außerdem gibt es hier zahlreiche kleine Terrarien.“

Der Tierpfleger deutet auf viele Glaskästen, die sich auf Regalen entlang der Wände des Raumes stapeln, den er 2011 beim Bau des Exotariums sogar mit geplant hat. „In diesen Terrarien halten wir Tiere, an die wir regelmäßig ran müssen weil sie beispielsweise medizinisch behandelt werden müssen und auch Neuzugänge, die noch in Quarantäne sind, bevor sie zu den anderen Tieren in die Schau gesetzt werden.“

Außerdem befindet sich hier auch die Kinderstube des Neuwieder Reptilienbestandes: „Bei den meisten Reptilien ist es so, dass sie keine Brutpflege betreiben. Die vergraben ihre Eier im Boden und haben dann nichts mehr damit zu tun, lassen sie von der Umgebungstemperatur ausbrüten. Wenn die Jungtiere schlüpfen, sind sie für die erwachsenen Tiere einfach nur etwas Kleines, was in ihrem Territorium rumwuselt – im besten Fall würden sie als Eindringlinge betrachtet, im schlimmsten Fall als Beutetiere“, berichtet Otte.

Daher entnehmen die Mitarbeitenden aus der Tierpflege die Eier und bebrüten sie im Inkubator, einem Brutschrank in dem sich Temperatur und Luftfeuchtigkeit genau regulieren lassen. „Hier in dem Raum, in dem sich die Kollegen und Kolleginnen oft aufhalten haben wir genau im Auge, wann der Schlupf beginnt. Nach dem Schlüpfen werden die Jungtiere in kleine Aufzuchtterrarien gebracht, in denen wir ihre Entwicklung gut mitverfolgen können, bis sie groß genug sind, um in andere Zoos abgegeben zu werden oder zu ihren Artgenossen in die Schauterrarien zu ziehen.“

Jungtier der Rotknievogelspinne ist nicht viel größer als ein Zweieurostück

Momentane „Stars“ in der Kinderstube sind aktuell die drei Guatemala-Schwarzleguane, die erste Neuwieder Nachzucht der hochbedrohten Art, die in keiner anderen deutschen Einrichtung gepflegt wird. Kleine Zauneidechsen warten darauf, im Frühling in das Freigehege neben der Stachelschweinanlage zu ziehen, und einige zweieurostückgroße Rotknievogelspinnen-Nachzuchten ergänzen den Kriechtier-Kindergarten um eine wirbellose Art.

„Der neueste Zugang ist ein winziger, nur etwa zwei Zentimeter großer Anolis, der uns kürzlich als Fundtier gebracht wurde. Zum Glück wurde er rechtzeitig von einem aufmerksamen Tierfreund entdeckt, denn der hätte sonst bei den aktuellen Temperaturen draußen nicht lange überlebt“, berichtet David Otte über die kleine Echse. „Nun macht er hier bei uns Zwischenstation und soll ordentlich wachsen.“

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