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Leiche im Kofferraum: Königswinterin (22) wegen Totschlags der Mutter veruteilt

Leiche im Kofferraum : 22-Jährige aus Königswinter muss drei Jahre in Haft für Tod der Mutter

Im Fall der „Leiche im Kofferraum“ aus Königswinter hat das Bonner Landgericht ein Urteil gesprochen: Die 22-jährige Tochter der Toten wird wegen Totschlags an ihrer 48-jährigen Mutter verurteilt. Auch ihre 16-jährige Freundin hält die Kammer für schuldig.

Der Fall hatte für überregionale Schlagzeilen gesorgt: Zum Jahreswechsel entdeckte die Königswinterer Polizei in einem zuvor abgeschleppten Unfallwagen die Leiche einer 48-jährigen Frau. Nun sind die 22-jährige Tochter der Toten und deren heute 16-jährige Freundin vor dem Bonner Landgericht wegen gemeinschaftlichen Totschlags zu einer dreijährigen Freiheits- beziehungsweise einer zweijährigen Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

Der mitangeklagte Freund der 16-Jährigen wurde unter Einbeziehung einer Vorstrafe ebenfalls zu einer zweijährigen Jugendstrafe verurteilt. Die Kammer befand ihn der versuchten Strafvereitelung sowie des Fahrens ohne Führerschein für schuldig. Er hatte den nicht angemeldeten Kleinwagen der Toten gesteuert, in dem die jungen Leute die Leiche zum Rhein bei Bad Honnef transportieren wollten.

Kammer bleibt unter Forderung der Staatsanwaltschaft

Über eine mögliche Bewährung für den jungen Mann entscheidet die Kammer frühestens ein halbes Jahr nachdem das Urteil rechtskräftig geworden ist. Mit ihrer Entscheidung ist die Strafkammer im Fall der Hauptangeklagten deutlich unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß von sechs Jahren geblieben. Im Fall der 16-jährigen hatte die Anklage nur eine Jugendstrafe von einem Jahr wegen versuchter Strafvereitelung gefordert.

  Im Kofferraum dieses Wagens fanden Polizisten die Leiche der 48 jahre alten Frau.
Im Kofferraum dieses Wagens fanden Polizisten die Leiche der 48 jahre alten Frau. Foto: dpa/Polizei Bonn

Am 28. Dezember war die Polizei an die Kochenbacher Straße in dem zu Königswinter gehörenden Weiler Eudenbach gerufen worden: Anwohnern war ein anthrazitgrauer Kleinwagen vom Typ Renault aufgefallen, der leicht schräg und ohne Kennzeichen am Straßenrand geparkt worden war. Weil den Beamten außer leichten Unfallspuren nichts nennenswert Verdächtiges an dem Wagen aufgefallen war, ließen sie das Fahrzeug sicherstellen und auf das Gelände eines Abschleppunternehmens bringen.

Da offenbar niemand den Wagen zu vermissen schien, ordnete das Verkehrskommissariat rund eine Woche später eine genauere Untersuchung an. Nicht zuletzt dank der zwischenzeitlich gesunkenen Temperaturen, wies ein strenger Geruch den Beamten schnell den Weg zu der im Kofferraum versteckten Leiche.

Das Gericht ist überzeugt, dass die beiden Frauen die Mutter der 22-Jährigen nach einem Streit mit einem Kissen erstickt haben, im Fall der Tochter ging die Kammer aber von einem minderschweren Fall aus. Hinter dem Verbrechen steht nämlich ein durchaus schweres Schicksal: Seit zwölf Jahren litt die Mutter unter einer Krankheit. In den vergangenen Jahren hatte sie ihre Tochter zunehmend unter Druck gesetzt, sie zu Hause zu pflegen.

Die Tochter war aber mit der Situation derart überfordert, dass nach Meinung des Gerichts ein so nichtiger Anlass, wie der von der Mutter abgelehnte Übernachtungswunsch der damals 15-jährigen Freundin ausreichte, um die Situation komplett eskalieren zu lassen. Nach der Tat am zweiten Weihnachtstag 2020 baten die beiden Frauen den mitverurteilten Freund die Leiche in den Kofferraum des Kleinwagens zu hieven. Weil der damals 17-Jährige aber keinen Führerschein und auch keine Fahrpraxis besaß, touchierte das Trio zunächst die Hauswand und der Wagen blieb bereits nach wenigen Metern an der Stelle stehen, an der die Polizei ihn schließlich fand.