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Eine Chance für die Natur in Rhöndorf: Neuer Lebensraum im alten Weinberg

Eine Chance für die Natur in Rhöndorf : Neuer Lebensraum im alten Weinberg

Die freigelegte Fläche am Ulaneneck oberhalb von Rhöndorf steht beispielhaft für viele Stellen, an denen das vom Rhein-Sieg-Kreis getragene Großprojekt einen Beitrag zu Umwelt- und Naturschutz leistet.

Dem scharfen Auge von Felix Pieper entging der kleine Zaungast nicht. Während der Winzer mit den Projektverantwortlichen von „Chance 7“ am Ulaneneck über die ökologische Reaktivierung eines Weinbergs informierte, fand sich eine Mauereidechse ein. Schließlich geht es um ihren Lebensraum. Die Fläche oberhalb des Ziepchensplatzes in Rhöndorf steht beispielhaft für viele Stellen, an denen das seit 2010 vom Rhein-Sieg-Kreis getragene Naturschutzgroßprojekt einen Beitrag zu Umwelt- und Naturschutz leistet.

Fünf Jahre nach dem Start der Umsetzung ist es Zeit für eine Halbzeitbilanz, die am Donnerstag mit der Vorstellung eines Biotopverbunds für Amphibien in Hennef sowie der Renaturierung von Wiesen- und Weideflächen in Windeck eine Fortsetzung finden wird. Dass sich etwas tut auf den rund 3000 Quadratmetern unterhalb des Ulanendenkmals, ist schon vom Ortskern aus zu erkennen. Erstmals nach Jahren, in denen das Gelände komplett von Büschen zugewachsen war, ist nun die Sichtachse zum Drachenfels wieder hergestellt.

Nicht nur vor diesem Hintergrund stand die Reaktivierung des Weinbergs auf der Wunschliste auch der Rhöndorfer, die unterhalb ihren Lehrweinberg pflegen, sagte Georg Persch, Gesamtleiter von „Chance 7“. Und bildet laut Pieper einen „guten Schulterschluss“ von Naturschutz und Wiederbelebung eines wichtigen Teils der Kulturlandschaft am Rhein.

Nach jahrelangen Bemühungen war es gelungen, die Flächen für „Chance 7“ zu pachten – nur eine der Möglichkeiten, wie Flächen für die Projekte gewonnen werden können, wie Christoph Rothenwöhrer, fachlicher Projektleiter erläuterte. Neben langfristiger Pacht oder Duldungsverträgen gehört dazu der Ankauf von Flächen. Von rund 420 Hektar Fläche in der Umsetzung trifft das aktuell für rund 200 Hektar zu. Wichtig: Immer gelte das Prinzip der Freiwilligkeit.

Insgesamt sei das eine zufriedenstellende Bilanz, wenn auch noch Luft nach oben sei. Die Liste der Projekte reicht von der Streuobstwiese über Gewässerrenaturierung bis hin zur naturnahen Beweidung ökologisch bedeutsamer Wiesen durch Ziegen und Schafe wie bald an der Schaaffhausenkanzel. Ziel ist es, Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern, indem Lebensräume neu oder wieder hergestellt und über sogenannte Vernetzungskorridore verbunden werden. Beim Ulaneneck kommt da nicht nur die Mauereidechse in den Blick. „Sie hat viele weitere Arten im Schlepptau“, weiß Projektreferent Ralf Badtke. Um seltene Insekten und Faltern optimale Bedingungen zu bieten, wird Pieper nicht nur nach ökologischen Maßstäben, weitgehend ohne Pestizide, den Weinberg bewirtschaften. Eine Natursteinmauer, artenreiche Blütensäume und Randstreifen bieten zusätzlich Nahrung und Lebensraum. Persch: „Wir erhoffen uns hier einen ökologischen Erfolg und zugleich zusätzlichen Erholungswert.“