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Siebengebirge: Fünf Wegepaten halten Wanderwege in Schuss

Wanderfreunde werden Wegepaten : Paten halten Wanderwege im Siebengebirge in Schuss

Sie sind leidenschaftlich gerne auf Schusters Rappen unterwegs und damit prädestiniert für ein ganz besonderes Ehrenamt: Wanderwegepaten im Naturpark Siebengebirge. Auf regelmäßigen Kontrollgängen prüfen sie die Routenbeschilderung, damit sich niemand verläuft.

Sie sind das Auge der Naturparkverwaltung draußen in Wald und Flur: die Wegepaten der Wanderwege im Siebengebirge. Auf regelmäßigen Kontrollgängen sollen sie prüfen, ob Schilder und Plaketten, mit denen die verschiedensten Wanderrouten gekennzeichnet sind, noch vorhanden und gut sichtbar sind – damit niemand unterwegs vom rechten Weg abkommt. Fünf Natur- und Wanderfreunde waren einem entsprechenden ersten Aufruf der Naturparkverwaltung gefolgt und wurden am Sonntag in Oberpleis für ihre Aufgaben als Wegepaten „fit“ gemacht.

Andreas Schlüter, Florian Klinkow, Helga Tolle, Elisabeth Victor und Frederik Schramm haben eins gemeinsam: sie sind leidenschaftlich gerne auf Schusters Rappen in der Natur unterwegs - ein Hauptgrund, sich ehrenamtlich im Naturpark als Wegepate zu engagieren. „Ich gehe gerne wandern, habe mich aber des Öfteren schon verlaufen, weil irgendwo die Schilder fehlten. Daher weiß ich, wie wichtig eine gute Kennzeichnung ist“, so Florian Klinkow aus Thomasberg.

Die wichtigsten Utensilien der neuen Wegepaten befinden sich in einem blauen Beutel: eine kleine Astschere, Metallschilder, Aufkleber mit dem Symbol oder der Nummer der betreuten Wege und eine große Spritzpistole mit Dichtmasse. „Damit können die Plaketten prima an der Borke befestigt werden“, erläutert Felix Knopp, der für das Wegemanagement in der Naturregion Rhein-Sieg zuständig ist.

Nageln und Schrauben war gestern, heutzutage wird geklebt, wenn es darum geht, Schilder möglichst schonend und dennoch dauerhaft an Bäumen zu befestigen. „Da der Baum ja noch wächst, reißt eine mit Nägeln angebrachte Beschilderung irgendwann aus oder die Nägel wachsen ein.“ Die spezielle Dichtmasse indes ist flexibel und hält ewig.

Die Verwendung des „Klebers“ wurde im Vorfeld mit den Waldbauern abgestimmt, und auch hinsichtlich der Farbe und Form der Plaketten und der Art der Befestigung mussten vor der Erstmarkierung der Wege zahlreiche Vorschriften und Belange beachtet werden. „Die Ausweisung eines Wanderweges zieht einen riesigen Rattenschwanz hinter sich her“, weiß Linus Steinbach von der Naturparkverwaltung.

2014 wurde die Wegeausschilderung auf Steinen im Naturschutzgebiet Siebengebirge fertiggestellt, seitdem konnte zumindest dieser Teil des Siebengebirges „unverlaufbar“ bewandert werden. „Verließ man allerdings das Naturschutzgebiet, war man ohne Ortskenntnis oft verloren“, berichtet Eike Rilinger, ebenfalls Mitarbeiterin der Naturparkverwaltung.

In den vergangenen zwei Jahren seien daher auch die Wanderwege im Naturpark Siebengebirge außer­halb des Naturschutzgebietes mit Schildern und Plaketten gekennzeichnet worden. „Zum Vergleich: Das 2014 ausgeschilderte Gebiet hat eine Fläche von 4800 Hektar, der Naturpark Siebengebirge ist aber mit 11.200 Hektar mehr als doppelt so groß“, so Rilinger.

Ganz besonders stolz ist man auf die 2018 ausgeschilderte Kapellenwanderung und die drei Kapellenschleifen im Königswinterer Bergbereich, „die durch ihre besondere Attraktivität das zentrale Siebengebirge rund um die sieben Berge von Wochenend-Besucherströmen entlasten“. Unter anderem für diese beliebten Wanderrouten konnten jetzt Wegepaten gefunden werden.

Die Naturparkverwaltung hofft, dass sich auch für die vielen anderen Wege und Wanderrouten im Siebengebirge Wanderbegeisterte finden, „die uns in der Wegemarkierung unterstützen möchten“. Etwa zweimal im Jahr sollten die Wegepaten ihren Weg ablaufen und einer Art Tüv unterziehen. Sind die Markierungen noch überall vorhanden und lesbar, fehlt irgendwo etwas oder ist ein Schild zugewuchert.

„Aufgrund des Borkenkäfer-Befalls haben wir zurzeit auch die Situation, dass der Wald an manchen Stellen plötzlich weg ist – und mit ihm die Beschilderung“, so Knopp. Hier kommen die Wegepaten ins Spiel: „Sie sind unser Auge draußen. Sie melden uns, wenn irgendwo ein neuer Pfosten hinmuss oder wir vielleicht mal mit der Kettensäge vorbeischauen sollten.“

Da die Wegepaten kleinere Ausbesserungen und Nachmarkierungen selbst vornehmen können, lernten sie am Sonntag, wie und wo man die Schilder am besten anbringt. „Das Logo sollte immer gerade aufgeklebt werden, damit es sofort ins Auge fällt, nie parallel zum Wegeverlauf“, so Knopp. Sonst könnten die Wanderer schnell in die Irre geführt werden.

Auch die Regelmäßigkeit der Markierung spielt eine wichtige Rolle: „Wenn ich als Wanderer nach 250 Metern kein Logo mehr finde, sollte ich umkehren, dann bin ich falsch.“ Nach Kreuzungen und Abzweigungen ist sogar ein Bestätigungszeichen im ganz kurzen Abstand erforderlich.

Angebracht werden Aufkleber und Plaketten in der Regel auf Bänken, an Straßenlaternen, an Baumstämmen oder eigens aufgestellten Pfosten. „Bitte nicht einfach in irgendeinem Vorgarten an den Baum oder an eine Mauer kleben“, so Knopp augenzwinkernd. Falls sich kein anderer Platz findet, sei es erforderlich, die Zustimmung der Eigentümer einzuholen: „Viele freuen sich sogar.“

Weitere Infos für Interessenten bei der Verwaltung des Naturparks Siebengebirge unter ☏ 02241-132336 (Eike Rilinger) oder ☏ 02241-133140 (Linus Steinbach).