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Entwöhnung von künstlicher Beatmung: So läuft die Arbeit im Linzer Krankenhaus auf der Weaning-Station

Entwöhnung von künstlicher Beatmung : So läuft die Arbeit im Linzer Krankenhaus auf der Weaning-Station

Auf der Weaning-Station in Linz werden Covid-19-Patienten von künstlicher Beatmung entwöhnt. Die Pandemie brachte im Krankenhaus einige Schwierigkeiten mit sich.

Michael Hombeul beugt sich zu einem älteren Mann und spricht ihn freundlich an. Eine Antwort bekommt der Intensivpfleger nicht – „noch nicht“, sagt er. Der 29-jährige Michael Hombeul ist stellvertretender Teamleiter auf der Weaning-Station im Franziskus-Krankenhaus in Linz, der Ort, an dem Menschen, die über längere Zeit künstlich beatmet wurden, wieder lernen, selbst Luft zu holen.

Michael Hombeul arbeitet inzwischen seit fünf Jahren auf der Station, seit 2019 ist er stellvertretender Teamleiter und praktischer Ausbilder. Gleich nach seiner Ausbildung im Franziskus-Krankenhaus hat er sich dafür entschieden, „weil ich das spannend fand“. Daran hat sich bis heute nichts geändert. In dieser Zeit hat er viele Patienten betreut, in den vergangenen Wochen waren darunter auch Covid-19-Patienten. „Das war sehr schwierig, weil der Krankheitsverlauf für uns unvorhersehbar war“, berichtet er. Einigen Patienten sei es innerhalb kurzer Zeit plötzlich wieder sehr viel schlechter gegangen, nachdem sich eigentlich schon eine Besserung abgezeichnet hatte.

Isolation von Covid-19-Patienten mit viel Aufwand verbunden

Neben den Schwierigkeiten, die die unbekannte Krankheit mit sich brachte, war die Isolation der Covid-19-Patienten auf der Station „mit sehr viel Arbeit verbunden“, so Hombeul. Heute stehen die Zimmer mit den Schleusen-Zugängen für Ärzte und Pflegekräfte leer. Sie werden freigehalten für weitere Patienten, deren Infektion mit dem Coronavirus in eine Lungenentzündung mündet, die Beatmung nötig macht. „Im Moment hat sich die Lage ja glücklicherweise etwas entspannt“, zeigt sich Michael Hombeul erleichtert.

Die Weaning-Station ist Teil der Intensiv-Station des Krankenhauses. Zehn bis zwölf Menschen, die entwöhnt werden, sind dort im Schnitt untergebracht. Tagsüber unterscheidet sich das Stationsleben nicht von einer normalen Intensivstation, aus den Zimmern dringt das Piepen der Geräte, Pflegerinnen und Pfleger eilen geschäftig von einem Bett zum anderen. „Ein Unterschied ist, dass wir versuchen, für unsere Patienten eine möglichst normale Nachtruhe zu schaffen“, beschreibt Michael Hombeul. Die Nächte bräuchten sie als Erholungsphase.

„Der Mensch atmet, und die Maschine gibt Luft hinterher“

Den größten Teil der Weaning-Patienten machen in normalen Zeiten Menschen aus, die an COPD erkrankt sind, einer chronisch fortschreitenden und unheilbaren Lungenkrankheit. Das Weaning starte bei nahezu allen Patienten mit dem Aufwachen aus einem künstlichen Koma, erläutert der Pfleger. Stückweise und mit Hilfe eines Respirators lernen sie, wieder selbst zu atmen. „Das bedeutet: Der Mensch atmet, und die Maschine gibt Luft hinterher“, erklärt er. Am Anfang sind die Phasen des Atemtrainings noch kurz, nachts wird die Beatmung wieder eingeschaltet, damit die Patienten sich erholen können.

Für die Patienten sei das Weaning anstrengend, denn das Zwerchfell und Rippenmuskeln, die fürs Atmen benötigt werden, müssen erst wieder aufgebaut werden. „Das ist wie beim Joggen“, sagt Hombeul. „Wer damit startet, läuft auch erst mal kurze Strecken und steigert sich dann langsam.“

Zwei Dinge sind erst im letzten Drittel der Beatmungs-Entwöhnung möglich: Essen und Sprechen. Erst wenn die Kanüle in der Luftröhre „entblockt“ sei, gelange wieder Luft an die Stimmbänder, erklärt er. Bis dahin verständigen sich Pfleger und Ärzte mit den Patienten über Blicke, Gesten und speziell dafür angefertigte Bilder. „Das funktioniert sehr gut“, betont Hombeul.

Erst in dieser letzten Phase ist es für die Patienten auch möglich, wieder selbst zu essen. Vorher sei die Gefahr zu groß, dass sie sich verschlucken. „Essen in der Luftröhre würde die Behandlung wieder zurückwerfen.“ Beim Schluckenlernen werden die Patienten deshalb von Logopäden unterstützt.

Weaning-Station im Linzer Krankenhaus Michael Hombeul Foto: Frank Homann

Wie lange die Entwöhnung insgesamt dauert, ist individuell unterschiedlich, im Durchschnitt bleiben Weaning-Patienten 40 Tage im Linzer Krankenhaus. Nicht alle finden anschließend in ein normales Leben ohne Beatmung zurück. Einige verbringen danach noch Zeit in einer Beatmungs-Wohngemeinschaft. Im besten Fall geht es im Anschluss an das Weaning in eine Reha.

„Einmal stand plötzlich ein Mann vor er Stationstür, um sich bei uns zu bedanken“, erinnert sich Michael Hombeul. Erst als der Besucher seinen Namen nannte, habe er in ihm einen früheren Patienten wieder erkannt und sich sehr gefreut, ihn so gesund wieder zu sehen. „Das hat mir deutlich gezeigt, wofür wir alle hier arbeiten.“