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Auf zwei Rädern über Straßen ohne Autos: So lief das Fahrradfestival auf autofreien Straßen in Bad Honnefs

Auf zwei Rädern über Straßen ohne Autos : So lief das Fahrradfestival auf autofreien Straßen in Bad Honnefs

Drei Tage lang dreht sich in Bad Honnef alles um alternative Mobilität. Kurstadt feiert das erste Fest, seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie.

Freitagabend zur Einstimmung des Fahrradfestivals Livemusik auf der Marktplatz-Bühne mit dem Duo Krysmah, am Tag zwei Sonne satt, aber Einigen war es wohl schon zu warm, um sich aufs Rad zu setzen und das Honnefer Radnetz auszukundschaften, andere sparten ihre Energie womöglich für den Sonntag auf, denn dann bot sich nach Jahren wieder einmal die Gelegenheit, neben dem ausgeschilderten Radnetz im Talbereich auf der autofreien Schmelztalstraße in die Bergregion der Stadt zu strampeln. Wirtschaftsförderin Johanna Högner meinte am Sonntag: „Wir sind sehr zufrieden mit dem Festival und der Resonanz.“

„Mal schauen, wie das Wetter wird“, bangte Bürgermeister Otto Neuhoff noch am Samstag. Aber trotz schwarzer Drohkulisse am Himmel und einem kurzen Donnerwetter ließen sich etliche Radfahrer nicht von einer Tour abhalten. Die Streckenposten Marita Langbein, Dieter Weigold und Ansgar Siemens hatten schon weit vor dem Beginn um 13 Uhr am Sonntag rund 30 Radfahrer gezählt, die sich auf die bereits abgesperrte Strecke begaben. So ganz einleuchtend waren die Hinweise für einige Autofahrer nicht, so dass sie doch an den Sperrbarrikaden zur Schmelztalstraße landeten.

Stefanie Lux hatte extra ein E-Bike geliehen, um endlich einmal durchs Schmelztal zu fahren. Die Selhofer Lehrerin war begeistert: „Das Mobilitätskonzept von Otto (Neuhoff) ist toll, ist innovativ. Der traut sich was, trotz der Widersacher und der schweren Kritik. Wir müssen endlich umdenken, man muss sich bewegen, die Bevölkerung mitnehmen, um die Autos aus der Stadt zu bringen.“ Im Zelt der Sänger des MGV Liederkranz Aegidienberg, die auf einem Waldparkplatz Getränke anboten, hatte sie das Gewitter abgewartet. Auch deren Dirigent Guido Wilhelmy und seine Frau Ulli machten dort Regen-Pause, ehe sie im Tal die Radroute abfuhren und fleißig Punkte bei der Frage-Antwort-Schnitzeljagd sammelten. „Das war super, ohne Autos durchs Schmelztal“, meinte Wilhelmy.

Eines der schicksten Räder fuhr Gerd Jaschik aus Rottbitze in zünftiger Montur – ein tschechisches Hochrad aus dem Jahr 1886. „Ohne Autoverkehr – da habe ich mich mit dem Hochrad getraut, das war super“, so der leidenschaftliche Radfahrer. Zwei ältere Herren aus Much kamen extra wegen des Fahrradfestivals mit ihren E-Bikes. „Wir hatten uns aber mehr Betrieb auf dem Markt erhofft.“

Unterhaltung gab es dort am Samstag pausenlos – auf dem Markt- und auf dem Kirch- sowie auf dem Rathausplatz. „Das wird ein Tag voller Action“, freute sich Neuhoff beim Start auf der Bühne, wo zwischendurch immer wieder Ralf Müllenschläder und Silke Röhrig mit Rock-Pop-Songs gefielen. Sportfachmann Axel Schmidt wurde durch Moderator Christian Muschwitz interviewt, auch Lastenfahrerin Margret Schönenbrücher vom Kiezkaufhaus. Und mit Neuhoff ging es beim Interview um die Bedeutung eines guten Radnetzes in der Stadt. „Wir wollen mehr Leute aufs Rad bringen.“ Mit Staatssekretärin Andrea Milz konnten die Besucher auf dem Marktplatz Zumba tanzen. Bei diesem Angebot des TV Eiche war Puste gefragt. Auf dem Festivalplatz war auch Comedyschaffner Engelbert Kobelun unterwegs, der sich als Spaßmacher unters Publikum mischte, das seinen Spaß hatte.

● Vielfahrer: Triathletin Martina Nellessen aus Rhöndorf stoppte mit ihrem Rennrad auf dem Marktplatz. „Ich trainiere fast täglich, auch mit dem E-Bike, zwei- bis dreimal fahre ich von Rhöndorf nach Fernthal zur Arbeit. Das sind jeweils 60 Kilometer, und dies bei 800 Höhenmetern. Fahrradfahren ist wichtig für die Gesundheit. Und der Umwelt hilft es auch.“ Zwar fuhr sie am Samstag auch über die am Wochenende autofreie Rommersdorfer Straße, aber am Sonntag legte sie sich richtig ins Zeug – mit ihrer neunjährigen Enkelin Lilith bewältigte sie das Schmelztal „auf einem normalen Fahrrad“. Auch Ulrike Holtkamp und ihr Mann Christian sind Vielfahrer. „Mit unseren vier Kindern zwischen 12 und 26 Jahren radeln wir durchs Schmelztal. Täglich fahre ich mit dem Rennrad oder auf dem Mountainbike nach Remagen zur Arbeit“, erzählte Ulrike Holtkamp. Ihr Wunsch: „Eine gute Verbindung in den Bergbereich der Stadt.“

● Versteigerung: Auf dem Rathaus blinkten zig Fahrräder in der Sonne. Irgendwann waren sie im Fundbüro abgegeben, aber nicht vom rechtmäßigen Besitzer abgeholt worden. Besonders ein Herrenrad hatte es mehreren Bietern angetan. Rathausmitarbeiterin Stefanie Hacke gab das Anfangsgebot von 70 Euro aus – 127, 130, 132 … Bei 255 Euro stiegen seine Mitbieter aus. „Es war das beste Exemplar, was hier stand. Mein Fahrrad ist mir vor drei Wochen geklaut worden“, sagte Peter Kampler aus Selhof. 

● Codierung: Vor der Bühne war der ADFC Bonn/Rhein-Sieg mit einem Stand vertreten. Dort konnten sich Radeigentümer ihre Fahrräder codieren lassen. So wie Franz-Friedrich Rohmer aus Thomasberg. Der 84-Jährige ließ sein Pedelec präparieren. „Wir nageln den Code rein“, erzählte Martin Emmler. Auch Vorsitzende Annette Quaedvlieg war mit Rennrad gekommen. „Ich finde die Idee des Fahrradfestivals sehr gut. Es ist wichtig, für das Fahrrad Reklame zu machen und gut, dass die Infrastruktur für den Radverkehr in Bad Honnef verbessert wird.“

● Kirchplatz: Parallel zum Fahrradfestival fand der „Tag der Mobilität“ statt – etwa mit einer Verleihstation für Zweiradfahrzeuge. Peter Hurrelmann konnte ein Elektro-Mofa für die Teststrecke auf der Kirchstraße anbieten. Auf dem Terrain an der Kirche stand auch das DRK-Fahrzeug neben einem Zelt, in dem Ärzte Interessenten gegen Corona impften.

● Rikscha: „Ganz toll“, schwärmten Dietmar und Klara Donner. Sie unternahmen mit Hündchen „Happy“ eine Rikschatour. „Wir wohnen seit einem Jahr in Bad Honnef, fahren selbst E-Bike. Aber Rikscha ist etwas Besonderes, unser Fahrer hat alles erklärt unterwegs.“ Michael Richarz und Jens Knoth traten für dieses Angebot der Aktiven Senioren der Johanniter kräftig in die Pedale.

● Station: Stände gab es am Sibi, wo sich die „Jugend für Blaulicht“ zeigte, am Rhöndorfer Bahnhof und auf dem Selhofer Schulhof sowie in Aegidienberg mit reichlich Abwechslung und Info für die Teilnehmer. In Selhof hieß es, Radfahren, um Autos auf einer Slotcarbahn in Fahrt zu bringen.