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Sunnesching im Hätz: So verbringen die Jecken im Siebengebirge den 11.11.

Sunnesching im Hätz : So verbringen die Jecken im Siebengebirge den 11.11.

Mundschutz statt Pappnase und Abstand halten statt schunkeln: Beim Sessionsauftakt in diesem Jahr ist nichts wie gewohnt. Die Oberkarnevalisten geben den Jecken dennoch Tröstliches mit auf den Weg durch die Corona-Session.

Dieses Jahr ist alles anders: Anstatt am 11.11. im großen Kreis ausgelassen in die neue Session zu schunkeln, bleibt auch der eingefleischteste Karnevalist mindestens „zwei Meter von d’r Lück vott“. Statt Bützen heißt die Devise in diesem Jahr „Nur luure, nix anpacke“, und anstelle der Pappnase wird diesmal der obligatorische „Mömmesfänger“ getragen.

Doch ganz gleich, wie weh es tut, unter den Jecken im Siebengebirgsraum herrscht Einigkeit, dass „feiern zurzeit einfach nicht drin ist“. Susi Krewinkel, Vorsitzende der Aegidienberger KG Klääv-Botz, hält es wie das Kölner Dreigestirn: „Ein echter Karnevalist bleibt am Elften Elften zu Hause“.

Kräfte fürs nächste Jahr

Ein Tränchen wird sie sich aber wohl doch nicht verkneifen können, da ist sich die Aegidienbergerin sicher: „Wir werden heute bestimmt ein bisschen Karnevalsmusik hören, aber das richtige Feeling kommt dabei ja doch nicht auf.“ Stattdessen tröstet sie sich damit, bereits jetzt Kräfte fürs nächste Jahr zu sammeln. Und dann gibt es da ja noch einen winzigen Hoffnungsschimmer, den Krewinkel noch nicht begraben möchte: „Wir halten uns die Option offen, wenn es im Januar oder Februar eine deutliche Besserung gibt und es zu Lockerungen kommt, kurzfristig doch noch die ein oder andere Veranstaltung zu planen und organisieren.“

Einen guten Tipp, wie man sich als Karnevalist in diesen trüben Zeiten den „Sunnesching im Hätz“ bewahren kann, hat Guido Hoffmann parat: durch die YouTube-Kanäle switchen und sich alte Karnevalssitzungen und Auftritte aus den letzten 20 Jahren anschauen. „Da kann man nämlich herrlich bei lachen.“ Und Lachen setzt ja bekanntlich Glückshormone frei und löst aufgestaute Emotionen.

Kölsch und Karnevalsmusik

Selber wird sich der Präsident der Großen Königswinterer KG zudem den eigens bestellten Kölner Mottoschal um den Hals wickeln, ein Fläschchen Kölsch öffnen und sich Karnevalsmusik anhören: „Man kann auch zuhause ein bisschen jeck und verrückt sein. Ansonsten erfreuen wir uns an dem Gedanken, dass es nächstes Jahr weiter gehen wird, und wir dann noch ein wenig ausgelassener feiern werden.“

Hoffmann hat allerdings gut reden, bei ihm ist nämlich auch in Zeiten der Pandemie eigentlich immer Karneval. „Es gibt zumindest keinen Tag, an dem ich mich nicht mit Karneval beschäftige“. Für den Chef einer der größten Gesellschaften in der Region gibt es immer was zu tun – und sei es nur das Versenden eines Geburtstagsbriefes an ein Vereinsmitglied.

Zum ersten Mal bei der Arbeit

„Es tut weh, aber wir kommen da durch“, lautet die Durchhalte-Parole von Arno Wichelhoven, Chef der KG Postalia Königswinter. Für ihn beginnt der 11.11. mit einem echten Novum: Erstmals seit Jahren wird er ganz regulär zur Arbeit gehen. „Sonst hatte ich am Elften Elften immer frei. Und meistens auch noch am Tag davor, denn da war man ja schon aufgeregt bis zum Geht-nicht-mehr“. In diesem Jahr wird er erst nach Dienstschluss ganz klein im Familienkreis den höchsten Feiertag im Rheinland genießen. „Das ist schon traurig. Aber wir konzentrieren uns einfach bereits jetzt aufs nächste Jahr und haben die Hoffnung, dass es dann besser wird.“

Die Oberpleiser Zunffrauen „Pleeser Wind“ haben sich etwas einfallen lassen, um nicht in Vergessenheit zu geraten – und um ein bisschen Vorfreude auf nächste Jahr zu wecken, wenn der Fastelovend wieder gefeiert werden dar: Auf ihrer Facebook-Seite stellen sie zurzeit ihre Mitglieder vor, dazu gibt es ein paar Tipps, kleine Ratschläge und flotte Sprüche, immer mit einem vergnügten Augenzwinkern. Fast an jedem zweiten Tag öffnet sich ein neues Fensterchen dieses närrischen Adventskalenders. Präsidentin Conny Klein tröstet sich außerdem mit dem Gedanken, dass die Session 2021/2022 ein Knaller wird: „Weil wir Karneval ja so lange entbehren müssen, sind wir dann umso jecker.“ Und weil die Zunftfrauen 2022 ihr 50-Jähriges feiern.

Sessionsbutton erhältlich

Auch beim Circus Comicus in Bad Honnef gibt es zurzeit statt lachender eher lange Clownsgesichter. Immerhin hat Vorsitzender Jürgen Lemke aber pünktlich zum eigentlichen Sessionsstart nicht nur für die Comicüsse, sondern für alle mit Sonne im Herzen eine gute Nachricht parat: Ab sofort ist nämlich der Sessionsbutton erhältlich. Darauf lacht einem ein Clown mit Maske entgegen, der sofort für bessere Stimmung sorgt. Und da ein Teil des Verkaufserlöses als Spende an die Kölner Klinikclowns geht, kann jeder, der einen solchen Button erwirbt, mit dazu beitragen, anderen Menschen ein Lachen ins Gesicht zu zaubern. Den Button gibt es für 1,50 Euro an der Esso-Tankstelle Lemke in Bad Honnef.