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Schulen im Siebengebirge: Sorgen bleiben trotz reibungslosen Starts in den Wechselunterricht

Schulen im Siebengebirge : Sorgen bleiben trotz reibungslosen Starts in den Wechselunterricht

Eltern und Lehrer sind froh über den Wiedereinstig in den Präsenzunterricht zumindest für die jüngsten und ältesten Schüler. Zugleich bleiben Zweifel, wie es in den kommenden Wochen und Monaten weitergehen soll.

Montagmittag,12.20 Uhr. Kinder strömen aus der Grundschule Am Reichenberg Bad Honnef, alle vorschriftsmäßig mit Maske und Abstand. Erwartet werden die Dritt- und Viertklässler, die an diesem 22. Februar als erste – mit offenem Anfang von 7.45 bis 8.10 Uhr und im tageweisen Wechsel mit den Erst- und Zweitkässlern – wieder in den Präsenzunterricht gestartet sind, von Eltern. In deren Erleichterung darüber, dass ein kleines Stück Normalität einzieht, mischt sich Sorge, wie es weiter gehen wird in der Pandemie. Nach gut acht Wochen allerdings überwiegt erstmal die Freude darüber, dass Kinder wieder unter Kindern sind. An weiterführenden Schulen wie am Schloss Hagerhof und der Gesamtschule Oberpleis macht man sich Gedanken über die kommenden Monate.

Der zweite Lockdown war der härtere

„Für Familien ist das eine große Belastung“, bilanziert Melanie Schichl, deren Tochter Julia Am Reichenberg die vierte Klasse besucht. Homeschooling, dazu Homeoffice: Der zweite Lockdown in der dunklen Jahreszeit sei schwerer gefallen als der erste. Für Julia, die am Dienstag ihren zehnten Geburtstag feiert, war die Zäsur besonders lang: Seit dem 7. Dezember war sie nicht mehr in der Schule, war als Kontaktperson zunächst in Quarantäne. Dann kam das Aus für den Präsenzunterricht.

„Die Schule hat das alles wirklich toll organisiert“, urteilen Schichl und weitere Eltern zum Distanzunterricht. Aber, so Schichl: „Für die Kinder ist der Kontakt untereinander wichtig. Es fiel ja auch sonst alles weg, es gab keine Hobbies, gar nichts.“ Das drücke auf die Stimmung. Die Sorge, dass die Schulöffnung die Infektionszahlen in die Höhe treiben könnte, blenden die Eltern keineswegs aus. „Natürlich ist da auch ein Risiko dabei“, sagt etwa Nicole Werner. Jedoch: Die Schulen hätten alles getan, um sowohl den Distanz-, als nun auch den Präsenzunterricht gut zu organisieren. Sie hofft, dass auch ihr Sohn, der als Siebtklässler am Siebengebirgsgymnasium noch auf Distanz unterrichtet wird, bald wieder in die Schule gehen kann. Schichl: „Ich hoffe, dass es funktioniert. Wir müssen sehen, wie es weiter geht. Und irgendwann muss es ja Noten geben.“

Denn: Selbst der beste Distanzunterricht könne den Präsenzunterricht nicht ersetzen, meinen auch andere Eltern. Und: Da sei auch abzuwarten, ob Lücken aufzuarbeiten seien, so das häufige Urteil. Werner: „Aber es hat sich unheimlich viel bewegt in diesem Jahr. Man hat an den Schulen alles getan, um das Beste zu erreichen für die Kinder.“

„Jeder Tag ist eine Entlastung“

So sieht das auch Sandra Postel. Ob sie sich freut, dass es wieder Präsenzunterricht gibt? „Total“, so lautet die spontane Antwort der Mutter zweier Grundschulkinder. „Gefühlt war heute der erste Vormittag nach acht Wochen, an dem ich voll durcharbeiten konnte. Jeder Tag ist eine Entlastung.“ Postel, selbst Mitarbeiterin im Gesundheitswesen, beobachtet die Infektionszahlen zugleich kritisch: „Ich hätte auch Verständnis, wenn man wieder einen Schritt zurückgehen muss, falls die Zahlen das nötig machen.“ Das wichtigste sei, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet werde. Insofern sei die Rückkehr jetzt schon „verbunden mit einer gewissen Sorge, was mit der dritten Welle passiert. Ich weiß, wie schnell das kippen kann.“

Die Bad Honnefer Privatschule Schloss Hagerhof öffnete ihre Pforten sowohl für die zehnte Klasse des Realschulzweigs als auch für die Klassen Q1/11 und Q2/12 des Gymnasiums. „Die sind bei uns wieder im Regelunterricht“, sagt Schulleiter Sven Neufert. Nur dass die Schülergruppen sich auf zwei Räume beziehungsweise in einem großen Raum verteilten. Maske und Abstand seien Pflicht. Hinzu kommt noch die Notbetreuung für die Klassen 5 und 6. Darüber hinaus halte die Schule noch eine Angebotsbetreuung vor, die sich an diejenigen Schülerinnen und Schüler richtet, die mit dem Distanzunterricht Probleme haben. „Das hat heute sehr gut funktioniert“, so Neufert.

Tests würden für Sicherheit sorgen

Die Infrastruktur, die Neufert und sein Kollegium für die teilweise Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts aufgebaut haben, sollte idealerweise noch von weiteren Maßnahmen flankiert werden, meint Neufert. So durch Schnelltests: „Das machen wir bei den Internatsschülern bereits, wenn die sonntags anreisen. Das hat uns ein gutes Gefühl gegeben, weil wir damit einen guten Überblick über das Infektiongeschehen hatten.“ Diese Möglichkeit auch auf die anderen Schüler auszuweiten, „würde uns eine gewisse Sicherheit vermitteln“. Die Impfung des Personals sei noch wichtiger. Neufert: „Ich finde, es passt nicht zusammen, wenn wir einerseits fordern, dass Schulen so schnell wie möglich in die Normalität zurückkehren, aber andererseits immer noch so verhalten dabei sind, Lehrer und Erzieher durchzuimpfen. Das müsste ziemlich schnell passieren.“ Er plädiert für ein Umdenken bei der Impf-Priorisierung: „Uns ist sehr daran gelegen, dass möglichst bald alle wieder in die Präsenz kommen. Aber dabei müssen sich auch alle sicher und wohl fühlen. Und da sehe ich schon, dass von politischer Seite wenig konkret passiert.“

Sorgen bei Eltern und Schülern

Die Gesamtschule in Oberpleis hat mit der Jahrgangsstufe 10 ebenfalls eine zusätzliche Abschlussklasse, die am Montag zum Präsenzunterricht gekommen ist. Laut Schulleiter Godehard Mai verlief der Tag reibungslos. Wobei in der Jahrgangsstufe 10 die Klassen geteilt wurden und die Gruppen wöchentlich im Wechsel Präsenz- und Distanzunterricht haben. Ohnehin kleiner sind die Klassen- und Kursstärken der Q1, die in voller Stärke antreten dürfen. „Wir haben den Kollegen jedoch freigestellt, dass sie die Klassen auch teilen und parallel unterrichten können“, so Mai.

Der Schulleiter hat nicht den Eindruck, dass die durchaus vorhandenen Sorgen bei Eltern und Schülern dem Neustart im Weg stehen: „Der größte Teil ist froh, dass es weitergehen kann.“ Zum Thema Schnelltests sagt Mai: „Alle Maßnahmen, die dazu beitragen, dass das Ganze sicherer wird, sind positiv zu bewerten.“