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Neues Angebot: VHS-Kurs im Siebengebirge lehrt Klimaschutz

Neues Angebot : VHS-Kurs im Siebengebirge lehrt Klimaschutz

Klimaschutz und Anpassung an das Klima sind Gemeinschaftsaufgaben, die nur gelingen können, wenn möglichst viele Menschen auch im privaten Bereich mitziehen.

In einem Kursus ab dem 31. März bei der Volkshochschule Siebengebirge sollen die Teilnehmer dafür sensibilisiert werden, was sie persönlich für einen Beitrag leisten können und dieses Wissen anschließend auch weitertragen.

Otto Neuhoff kam vorbildlich mit dem Fahrrad zum Vorstellungstermin des VHS-Kursus „Klimafit – Klimawandel vor der Haustür! Was kann ich tun?“ bei seinem Königswinterer Bürgermeisterkollegen Lutz Wagner im Haus Bachem. Gemeinsam mit den beiden Klimaschutzmanagerinnen Antje Fehr und Kathrin Schmidt, die den Kursus begleiten werden, und Kursleiterin Francis Hugenroth warb er für das neue interkommunale Projekt der beiden Siebengebirgsstädte. „Es ist ein tolles Programm, weil es beim Einzelnen anfängt“, sagte Neuhoff. Beim Klimaschutz komme es darauf an, dem Einzelnen zu zeigen, dass er eine Verantwortung habe.

Kursus lehrt, weltweite Klimaziele lokal entschlossen anzugehen

Wagner betonte, dass in diesem Jahrzehnt über die Weichenstellung entschieden werden müsse, um die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen und der Menschheit auch in der Zukunft eine gute Überlebenschance auf dem Planeten zu ermöglichen. Der Stadtrat in Königswinter habe daher im November beschlossen, dass die Stadt bis zum Jahr 2035 klimaneutral werden solle. Zu den sechs Leitzielen gehöre unter anderem, dass die Klimaneutralität bei Privathaushalten sowie in Gewerbe und Industrie gefördert und gefordert werde. „Ich begrüße es daher sehr, dass durch den VHS-Kursus Menschen als Multiplikatoren fit gemacht werden sollen“, sagte er.

Die Nachhaltigkeitsberaterin Francis Hugenroth, die den Kursus leitet, stellte dar, wie die bis zu 20 Kursteilnehmer und Kursteilnehmerinnen für den Klimaschutz und die Klimaanpassung sensibilisiert werden sollen (siehe Infokasten). Etwa durch Wissensvermittlung, wie viel CO2 beim Verkehr, bei der Energieversorgung oder bei der Ernährung eingespart werden kann.

Als kleiner Anreiz ist eine Challenge mit den anderen 128 VHS-Standorten geplant, an denen der Kursus bisher stattgefunden hat. Dabei soll am letzten Kursabend ermittelt werden, wieviel CO2 die Teilnehmer bereits einsparen konnten. Das vom WWF Deutschland und Helmholtz-Forschungsverbund Regionale Klimaänderungen und Mensch (REKLIM) entwickelte Format gibt es seit 2017. Bisher machten 1000 Kursteilnehmer mit.

Neuhoff machte allerdings auch keinen Hehl daraus, dass er an der echten Bereitschaft der Menschen, sich für den Klimaschutz zu engagieren, manchmal so seine Zweifel hat. „Wir schaffen es im Alltag immer wieder, den Klimaschutz in unserem Verhalten auszublenden“, sagte er. Wenn er sehe, dass die Zulassungszahlen bei SUV in Bad Honnef allein im vergangenen Jahr um 35 bis 40 Prozent gestiegen seien und auf 1000 Einwohner etwa 650 Autos („Eine atemberaubende Dichte“), und das ohne Firmenfahrzeuge, kommen, sei er schon skeptisch.

Neuhoff mahnt zu mehr nachhaltigem Verhalten

„Es nutzt alles nichts, wenn wir zum Beispiel Konzepte für Kleinbusse entwickeln, aber niemand in den Bus einsteigt“, meinte er. Auch der Anstieg des Wohnraums pro Person, der in seiner Stadt vom Jahr 2000 bis 2015 von 38 auf 53 Quadratmeter gestiegen sei, bereite ihm Sorgen. Und die immer noch zu geringe Zahl von Solaranlagen auf den Dächern findet Neuhoff erschütternd. „Im Alltag gehen die Menschen oft verdammt gedankenlos mit der Klimaerwärmung um, weil sie in ihrem Verhalten lieber Gewohnheiten folgen.“

Dennoch hofft der Honnefer Bürgermeister, dass der Kursus eine große Nachfrage findet. „Die Plätze sind begehrt, aber es sind auch noch einige frei“, meinte Johanna Samaras von der VHS. Sie wies auch auf zahlreiche andere Veranstaltungen zum Thema Klimaschutz im Programm ihrer Bildungseinrichtung hin. Hugenroth ist optimistisch, dass die Teilnehmenden des in zwei Wochen beginnenden Kursus die erlernten Informationen weitertragen und als echte Multiplikatoren auftreten werden. In anderen Städten seien bereits großartige Initiativen entstanden, die sich nach dem Ende des Kurses weitergetroffen hätten. Zum Abschluss des Kurses werden die Teilnehmenden ihre Zertifikate von den beiden Bürgermeistern überreicht bekommen. Auch dies zeigt die Bedeutung, die die Siebengebirgsstädte dem neuen Angebot ihrer gemeinsamen Volkshochschule beimessen. Ebenso wie das große Aufgebot bei der Präsentation.