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Kunstverein dreht Film für erste Ausstellung: Virtuelle Vernissage in Unkel feiert Premiere

Kunstverein dreht Film für erste Ausstellung : Virtuelle Vernissage in Unkel feiert Premiere

Der neue Unkeler Kunstverein darf wie alle derzeit nicht zu Ausstellungen einladen. Darum geht jetzt pandemiebedingt die erste Schau ab Samstag als Film über die Bühne.

Filmpremieren sind rar gesät in Pandemiezeiten. Selbst Kino-Ikone James Bond kann davon seit eineinhalb Jahren ein trauriges Lied singen, da die Erstausstrahlung seines neuesten Streifens „Keine Zeit zu sterben“ bereits fünfmal verschoben worden ist. Eine Filmpremiere der besonderen und gleichzeitig coroankonformen Art gibt es am Samstag in Unkel zu feiern. Der im vergangenen Jahr gegründete Kunstverein Unkel zeigt seine erste Ausstellung als virtuelle Vernissage.

Unter der Überschrift „Start klar“ sind ab Samstag, 1. Mai, 10 Uhr, Arbeiten von 20 Vereinsmitgliedern in einem virtuellen Rundgang auf der Internetseite des Vereins zu sehen. Und: Nach Absprache und je nach Pandemielage sind laut Verein auch Besichtigungen möglich.

An einem eher unwirtlichen und bitterkalten Schneeregentag im April starten die Dreharbeiten zu „Start klar“. Martine Seibert-Raken, Vorsitzende des Kunstvereins, und Künstlerin Margi Brenkes grübeln gemeinsam, zusammen mit dem jungen Videoproduzenten Moritz Herrenbrück, ob sie sich ins Außengelände wagen oder auf einen trockenen Moment warten sollten. Ein Mischung aus Schnee und Eisregen geht da gerade über der Kulturstadt hernieder. Doch trockener wird es nicht an diesem Tag, und so machen sich die Drei unter Regenschirmen daran, die Skulpturen und Installationen in dem schönen Garten am Rheinkilometer 636 ins Bild zu setzen.

Kunstschaffende aus der gesamten Region

„Wenn nicht jetzt – wann dann?“, fragt Martine Seibert-Raken und meint damit nicht nur die Produktion unter widrigen Wetterbedingungen. Anfang Oktober beschloss der neu gegründete Unkeler Kunstverein die gemeinsamen Aktivitäten mit einer Mitgliederausstellung einzuleiten. „Der Schwung des Neustarts und die Freude darüber, mit Gleichgesinnten etwas gestalten zu können, sollte genutzt werden“, berichtet Daniela Weingärtner, Pressesprecher des Kunstvereins Unkel. Jedoch machte die Pandemie auch diese Pläne vorerst zunichte. Jede und Jeder der mittlerweile 36 Mitglieder zog sich erneut in die Stille des eigenen Ateliers zurück. „Neben mangelnden Möglichkeiten, sich dem Publikum zu präsentieren, ist auch die Einsamkeit eine gravierende Nebenwirkung für Künstler in der Pandemie“, findet Weingärtner.

Darum wollen die Künstler des neuen Vereins nicht länger warten und stellen die virtuelle Vernissage auf die Beine. Die Vereinsgründung im vergangenen Jahr sei kein Selbstläufer gewesen, findet Daniela Weingärtner: „Künstlerisches Schaffen ist spontan und individuell, viele Kreative denken beim Stichwort ‚Verein’ zunächst an verstaubte Strukturen, langatmige Vorstandswahlen und öde Koreferate zu überflüssigen Tagesordnungspunkten.“

Die Kunstschaffenden stammen nicht nur aus der vom Land anerkannten Kulturstadt, sondern aus der gesamten Region. So wie Lothar, genannt „Jo“, Mol aus Neustadt. Der gelernte Dekorateur und Messebauer hat in diesen schwierigen Zeiten viel Muße für seine großformatigen, abstrakt-expressiven Arbeiten – und ist darüber nicht unglücklich. „Ich fühlte mich direkt aufgehoben. Ganz einfach. Es gibt ja zwei Sorten von Kunstvereinen. Solche mit Leuten, die sich gern mit der Kunst anderer befassen. Und solche mit Künstlern. Da fühl ich persönlich mich wohler“, erklärt Mol.

Ebenso in Neustadt lebt Malerin Monika Krautscheid-Bosse. Für die unter anderem bei Markus Lüpertz ausgebildete, überregional renommierte Künstlerin ist der Kunstverein kein Neuland: „Ich bin Mitglied in Linz, in Wien, in Stuttgart gleich zwei Mal, in Siegburg, in Mainz und Bonn“, zählt sie auf. Diese Vielfalt kann sie erklären. „Man lernt ja überall andere Menschen kennen. Besonders mit den Mitgliederausstellungen“, findet Krautscheid-Bosse.

Abstrakte Werke, die den Beziehungen zwischen Form, Farbe und Licht nachspüren und viel Inspiration aus der Natur beziehen, erschafft Ingrid Meinen aus Bornheim. Sie ist mit dem Unkeler Kunstverein erstmals solch einer Gruppe beigetreten. „Es tut gut, neue Menschen kennenzulernen und ein Forum zu haben, wo man sich austauschen kann“, sagt Meinen.

Los geht es am Samstag, 1. Mai, 10 Uhr, unter www.kunstvereinunkel.de und im „Atelier 636“ von Margi Brenke, Auf dem Rheinbüchel 2a in Unkel. Anmeldung unter: ☏ 0 15 2/092 171 26.