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Tag der offenen Moschee Königswinter: Von der Gaststätte zum Gebetshaus

Tag der offenen Moschee Königswinter : Von der Gaststätte zum Gebetshaus

2002 weihten die Mitglieder der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Königswinter ihr Gebetshaus ein. Seither öffnen sie regelmäßig zum Tag der offenen Moschee. Besucher werfen dabei einen Blick ins Innere des Gotteshauses, so in diesem Jahr am Tag der Deutschen Einheit.

„Wenn wir eine Moschee bauen, dann muss es eine besonders Schöne sein.“ Tatsächlich haben die Mitglieder der Türkisch-Islamischen Gemeinde zu Königswinter, die vor rund zwei Jahrzehnten den Bau eines eigenen Gotteshauses planten, nicht zu viel versprochen – davon können sich Besucher unter anderem beim alljährlichen Tag der offenen Moschee überzeugen. Auch am vergangenen Samstag standen viele Königswinterer mit bewunderndem Blick vor den handbemalten und glasierten Kacheln, mit denen der Gebetsraum ausgekleidet ist, und bestaunten den mächtigen Kronleuchter und die kunstvollen arabischen Schriftzeichen unter dem Kuppeldach.

„Bildliche Darstellungen von Heiligen sind im Islam verboten. Daher sind dort die 99 Namen Allahs zu lesen“, erläuterte Vorstandsmitglied Arif Kablan, der gemeinsam mit Iman Ali Patir nicht nur die Geschichte der Moschee Revue passieren ließ, sondern auch einen Einblick in die religiösen Gepflogenheiten gab.

Dazu gehörte, dass die Besucher ihre Schuhe vor Betreten des Gotteshauses auszogen und in einem Regal abstellten. Viele Frauen legten sich zudem aus Respekt vor dem Glauben ihrer Mitbürger ein Tuch locker über die Haare – auch wenn dies ausdrücklich kein Muss war. Wie Kablan weiter erläuterte, bereiten sich die Muslime „nicht nur gedanklich, sondern durch die rituelle Waschung auch körperlich auf das Gebet vor“. Jeder weltliche Gedankengang bleibe draußen, vor den Türen der Moschee. „Drinnen bin ich ganz beim lieben Gott.“

Interkultureller Austausch steht im Zentrum

Über die Resonanz beim diesjährigen Tag der offenen Moschee, der im Rahmen der interkulturellen Woche in Königswinter stattfand, freute sich auch Integrationsbeauftragte Sabine Bembenek: Rund 30 Königswinterer nutzten die Gelegenheit, einen Blick hinter die Türen der Moschee zu werfen und mehr über die Geschichte sowie das Brauchtum und die Religion ihrer muslimischen Mitbürger zu erfahren.

So zum Beispiel, dass die Türkisch-Islamische Gemeinde zu Königswinter offiziell 1985 gegründet wurde. Noch viel länger halten Muslime in Königswinter gemeinsam ihr Gebet ab. Als in den sechziger Jahren die ersten Gastarbeiter an den Rhein kamen, hätten sie auch ihre Religion und Kultur mitgebracht, so Kablan. „Viele türkischstämmige Gastarbeiter arbeiteten in den Lemmerzwerken.“ Sie legten ihr Geld zusammen und mieteten sich für damals 120 Deutsche Mark ein Zimmer in der alten Königswinterer Grundschule, das fortan als Gebetsraum genutzt wurde. Doch mit der Zeit wurde die Gemeinde immer größer, und so wurde 1986 die Entscheidung getroffen: „Wir brauchen eine eigene Moschee.“

Gebäude wechselte 1990 den Besitzer

Der Kauf der Gaststätte „Rheingold“ in der Straße „Am Stadtgarten“ im Jahr 1990 war der erste Schritt: Aus der Gaststätte wurde eine Gebetsstätte. 2001 wurde mit dem Umbau des alten Gebäudes begonnen und ein neuer Anbau nebst Minarett errichtet. „Die Skepsis im Umfeld war anfangs groß“, erinnert sich Kablan. Viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit sei notwendig gewesen: „Wir sind zu den Menschen hingegangen und haben ihnen erklärt: Wir sind auch nicht anders als ihr“.

Am 28. Oktober 2002 konnten die Gemeindemitglieder dann die Einweihung ihres Gotteshauses feiern. „Der Eingangsbereich ist immer noch Teil der alten Gaststätte“, verrät Kablan schmunzelnd. Heutzutage ist die Moschee Gebetsort für rund 3200 Muslime, die in dem von Bonn-Beuel bis nach Linz reichenden Einzugsbereich leben. „Getragen wird die Moschee ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden“, wie Kablan betont.

Längst ist die Moschee zu einem Teil Königswinters geworden. Es gibt eine gute Zusammenarbeit mit den christlichen Kirchen, mit Schulen und Institutionen in den verschiedenen Kommunen. Und eines ist den Gemeindemitgliedern ganz wichtig: Ihre Moschee soll nicht nur als Gebetsstätte für Muslime dienen, sondern auch eine Begegnungsstätte zwischen verschiedenen Nationalitäten und Religionen sein.