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Weiberfastnacht im Siebengebirge - „Wir feiern Karneval trotz Corona“

Weiberfastnacht im Siebengebirge : „Wir feiern Karneval trotz Corona“

Auf jecke Accessoires verzichten die Narren im Siebengebirge trotz der Karnevals-Absagen nicht. „Wir feiern Weihnachten trotz Corona und wir feiern Karneval trotz Corona“, lautete die Devise.

Jeck bliev jeck. Auf Weiberfastnacht kullern normaler­weise die Lachtränen. Aber wenn auch wegen Corona die Frauen auf ihre Sitzungen verzichten mussten, ein wenig Karneval musste sein.

„Wir feiern Weihnachten trotz Corona und wir feiern Karneval trotz Corona“, sagte Kersten Schneider. Mit seiner Frau Via kaufte er gestern im Hit ein – beide im Ornat der KG Halt Pol. „Wir bleiben den ganzen Tag in Uniform und feiern zu Hause – mit unseren Karnevalsfreunden per Videokonferenz“, so der Geschäftsführer der Halt Pöler. Via Schneider: „Es ist ein trauriges Gefühl, es fehlt etwas.“ Im normalen Jahr würden sie im Hontes feiern – auf Tuchfühlung. Die Halt Pölerin trug über der FFP2-Maske eine Maske mit der Aufschrift „Em Hätze jeck“. „Diese Masken haben uns unsere Männer beim virtuellen Mädelsabend geschenkt.“

Das Motto lautet: „Me haalen et us“

Ulrike Jossen, frühere Ortsbürgermeisterin von Rheinbreitbach, trug einen aktuellen Sticker der KG „Me haalen et us“. „Das ist auch mein Motto für dieses Corona-Jahr“, so Jossen. „Ich freue mich auf 2022 und hoffe, dass wir dann wieder abrocken können.“ Gestern drehte sie den Spieß um: Sie kochte für ihren Mann und einen Freund. „Unser Deal: Nach Corona werden wir ganz schick zum Essen gehen.“

„Es weint das Herz“, sagte Andrea Steinbach-Jungheim. „Es ist ja vernünftig, dass Karneval wegen Corona ausfällt, aber ich bin traurig“, gestand die Bad Honneferin, die mit Petra Brethauer mehrere Tanzgruppen trainiert und selbst tanzt. Der Tag für die jecken Wiever ist sonst Großkampftag – unterwegs von Bühne zu Bühne. Ihre Halt-Pol-Männer-Truppe „American Dream vum Rhing“ gab ihnen einst den Titel „Blitz & Donner“. Gestern beteiligten sich die zwei Frauen am „Weiberfastnachtslauf“ von „laufweiter.de“ in der Kategorie Nordic Walking zusammen mit Tanja Gaidis aus Bornheim, mit der sie bei den Selhofer Oldstars auf den Karnevalsbühnen stehen.

Mit Accessoires wie Mottoschals, Blinki-Brillen und Hüten gingen die jecken Wiever verkleidet an den Start. Steinbach-Jungheim trug ihre weißen Prinzessinnenhandschuhe von 2011/12, als sie mit Mann Stefan das Siebengebirge regierte. Seit Monaten hatten sich die Damen mit Walking am Rhein fit gehalten – an Tanztraining war corona-bedingt nicht zu denken. „Wir haben für den Weiberfastnachtslauf die Startnummern 2396, 2399 und 2717 mit Narrenkappe erhalten und müssen unsere Zeiten selbst stoppen und über eine Lauf-App weitergeben. Danach bekommen wir Urkunden“, erklärte Steinbach-Jungheim das Prozedere. Fünf Kilometer mussten zurückgelegt werden – und die jecken Wiever legten sich ins Zeug. „Wir haben uns schon zum Osterlauf angemeldet. Wir sind fit. Und die gute Laune ist heute auch eingetreten, als wir uns für den Lauf lustig angekleidet haben“, meinte Brethauer lachend.

Madeleine ging in Aegidienberg zum Einkauf – in Clownsjacke. Statt roter Nase trug sie Maske, FFP2 auf jeck getrimmt. „Das musste einfach sein – schließlich ist heute Weiberfastnacht“, so die Bockerotherin. Marion Kock aus Ittenbach hatte ihr Heim karnevalistisch dekoriert, die Chefin der Bad Honnefer KG Löstige Geselle trug das Kostüm ihrer Gesellschaft. „Wir haben ein Video aufgenommen und ich habe darin auch das Datum für unsere Weibersitzung 2022 angegeben.“ Am Vormittag besuchte Kock Lucie Koßmann und Otti Jonas, um den Damenkomitee-Mitgründerinnen den Ehrenorden zu überreichen. Am Nachmittag feierte die KG-Vorsitzende mit Tochter Nadine zu Hause.

Karin Wolf, die Präsidentin der Unkeler Herzblättchen, brachte sich mit Karnevalsmusik in Stimmung, ging kostümiert zum Bäcker. Punkt 11.11 Uhr ließ sie zu Hause den Sektkorken knallen und stieß mit einem Gläschen an. Zwar allein. „Aber wir Herzblättchen halten per Whatsapp regen Verkehr untereinander. Jeder schickt etwas. Normalerweise wären wir jetzt im Kindergarten und nachmittags hätten wir unsere Sitzung.“ Ersatzweise plante die Präsidentin mit Christiane Rasch einen Spaziergang – im rot-weißen Kostüm vom Zug 2020. „Mit warmer Kleidung drun­ter.“

Steinbach-Jungheim: „Das ist wirklich das ideale Karnevalswetter – sonnig und kalt.“ Im Häätz war den jecken Wievern trotzdem warm.