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Sechs Monate auf Bewährung: Amtsgericht Siegburg: Mit 180 Stundenkilometern in die Kurve

Sechs Monate auf Bewährung : Amtsgericht Siegburg: Mit 180 Stundenkilometern in die Kurve

Ein junger Mann verursachte an Neujahr mit 180 Stundenkilometern einen schweren Unfall. Jetzt wurde das Urteil gefällt.

Sechs Monate zur Bewährung, ein weiteres Jahr ohne Führerschein – das sind die Inhalte eines Urteils, das Richter Herbert Prümper jetzt gegen einen 22-jährigen Angeklagten fällte. „Wir haben eine eklatante Geschwindigkeitsüberschreitung in Tateinheit mit Körperverletzung, allein die Verletzungen erfordern eine Freiheitsstrafe“, sagte Prümper in der Begründung seines Urteils.

Angeklagt war der 22-Jährige, weil er am 1. Januar dieses Jahres laut Staatsanwaltschaft zwischen 22.40 und 22.42 Uhr am Ortseingang von Niederkassel – aus Richtung Rheidt kommend – einen schweren Unfall verursacht hatte. Grob verkehrswidrig und Körperverletzungen verursachend hatte er in einer langgezogenen Rechtskurve die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und war von 182 Stundenkilometern herunterkommend mit immer noch 102 Kilometern in den aus einer Seitenstraße kommenden Wagen des Verletzten gekracht.

Zur Freundin gerast

Abgesehen davon, dass der Wagen ein Totalschaden war, hatte der Fahrer Rippenfrakturen links, einen Halswirbelbruch, einige Kopfverletzungen und Blutergüsse im rechten Bein davongetragen. Wie das Opfer als Zeuge erzählte, musste er sechs Wochen lang eine Halskrause tragen und Medikamente nehmen, vier Wochen bereiteten ihm die gebrochenen Rippen Kummer. „Ich brauchte eine Viertelstunde, um ins Bett zu kommen“, erklärte der 39-Jährige dem Richter.

Der Verteidiger räumte für seinen Mandanten „im Wesentlichen“ die Tat ein. „Fakt ist, er ist zu schnell gefahren. Aber er ist sehr engagiert, treibt Sport in hohem Maße und fährt für das Rote Kreuz alte Leute zu Terminen“, sagte er. Dass der Angeklagte damals gefahren ist, hänge mit seiner Freundin zusammen. Die habe ihn angerufen und er sei mit großer Vorfreude zu ihr aufgebrochen.

„Entscheidung muss Signalwirkung haben“

Nach einigen Worten über die Versicherung des Angeklagten, die nicht zahlen wollte, entschuldigte sich der Mann bei seinem Opfer und so kam es zum Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Die forderte wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr in Tateinheit mit Körperverletzung eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 20 Euro, dazu eine einjährige Sperre des Führerscheins.

Die Verteidigung sprach indes noch einmal von einer besonderen Situation, und es sei „außerordentlich bedauerlich“. Richter Prümper verurteilte ihn zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe und einer einjährigen Führerscheinsperre. „Die Entscheidung muss Signalwirkung haben“, sagte er zum Abschluss.