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Witterschlicker Bahnhof: Brief an die unbekannte Helferin

Witterschlicker Bahnhof : Brief an die unbekannte Helferin

Kleine Meldung, große Wirkung: Ende Dezember berichtete der General-Anzeiger über einen besonderen Brief, der an einem Zigarettenautomaten am Witterschlicker Bahnhof klebte. In diesem bedankte sich eine Frau bei ihrer unbekannten Helferin, die ihr nach einem Unfall am Bahnsteig spontan und mitfühlend beigestanden hatte.

"Es tut gut zu wissen, dass man in solch einer Situation nicht alleingelassen wird", schrieb sie. Weiter wünschte sie ihrer Helferin eine schöne Adventszeit, frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr.

Der Artikel über den Brief schlug hohe Wellen. Vor allem auf der Facebook-Seite des General-Anzeigers drückten viele Menschen Anerkennung und Bewunderung aus - sowohl über die Hilfsbereitschaft als auch über das öffentliche Dankesschreiben. Damit hatte Britta Ohm nicht gerechnet. Wochen nach dem Unfall berichtet die Autorin der Zeilen nun, wie es dazu gekommen war.

Aber der Reihe nach: Den 29. November wird Britta Ohm so schnell sicher nicht vergessen. Es war der Samstag des ersten Adventswochenendes. Ohm wollte mit dem Zug zum Weihnachtsmarkt nach Bonn fahren. Gegen 10.15 Uhr wartete sie auf die Bahn. "Ich bin wohl über meine eigenen Füße gestolpert und dann leider in die falsche Richtung gestrauchelt - ins Bahngleis hinunter", berichtet Ohm.

"Ich wollte auch gleich wieder aufstehen und habe dann dabei gesehen - in dem Moment noch nicht gespürt -, dass mein Bein gebrochen war." Ihre Erinnerung an die nächste Stunde sei dann etwas "vernebelt". Sie wisse aber noch, dass da plötzlich diese Frau gewesen sei. Sie habe den Rettungswagen gerufen und sei die ganze Zeit bei ihr und ihrem Freund geblieben. "Und ich erinnere mich, dass sie meine Hand gedrückt hielt, als ich vor Schock zitternd auf dem Bahnsteig lag und auf die Sanitäter gewartet habe", sagt Ohm weiter.

Eine Woche hat die 48-Jährige im Krankenhaus verbracht, ein Sprunggelenk musste operiert werden. In der ersten Nacht, als sie wieder zu Hause war, habe sie alles im Kopf Revue passieren lassen. Dabei sei ihr auch wieder eingefallen, wie sich die Frau um sie gekümmert habe - und, dass auch andere Menschen Hilfe angeboten hätten. Den Brief habe sie dann zunächst handschriftlich verfasst, später dann ihren Freund mit der gedruckten Version zum Bahnhof geschickt.

"Damit war die Sache für mich erledigt", sagt Ohm, die noch immer auf Krücken angewiesen ist. Nach dem Artikel im GA sei sie von verschiedenen Personen aber darauf angesprochen worden - darunter von Arbeitskollegen und ihrem Hausarzt. Noch heute spricht Ohm voller Bewunderung über die unbekannte Frau. "Ich finde es großartig, dass jemand so spontan Hilfe leistet", sagt sie. Und vielleicht ergibt sich die Möglichkeit, dass Ohm ihrer Helferin das auch einmal persönlich sagen kann.