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Zukunftsperspektiven für junge Migranten: Damit junge Geflüchtete beruflich durchstarten können

Zukunftsperspektiven für junge Migranten : Damit junge Geflüchtete beruflich durchstarten können

„Durchstarten in Ausbildung und Beruf“ heißt eine Initiative der Landesregierung Nordrhein-Westfalen, die sich an junge Geflüchtete richtet. Gezielte Förderung und Begleitung sollen die Chancen auf eine nachhaltige Integration erhöhen. Im Rhein-Sieg-Kreis versucht man aktuell, acht Frauen und 22 Männern über das Projekt eine Zukunftsperspektive zu geben.

Nach Angaben des Sozialdienstes katholischer Frauen e.V. (SKF) lebten im Jahr 2019 etwa 23 000 junge geflüchtete Menschen mit dem Aufenthaltsstatus „Duldung“ oder „Gestattung“ in den Kommunen von Nordrhein-Westfalen. Dieser Status bedeutet: Die Geflüchteten haben keine Arbeitserlaubnis. Das Landeskabinett beschloss daher im April 2019 die Initiative „Durchstarten in Ausbildung und Beruf“. Für die Durchführung wurden 50 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Im Rhein-Sieg-Kreis beteiligen sich zurzeit zwei Kommunen an dem Landesprogramm: Troisdorf und Bad Honnef. Zudem involviert sind das Kommunale Integrationszentrum des Rhein-Sieg-Kreises, der katholische Verein für soziale Dienste im Rhein-Sieg-Kreis e.V. (SKM) und der Verein SKF.

Die Zielgruppe sind Geflüchtete zwischen 18 und 27 Jahren ohne Zukunftsperspektive. Ein Vier-Bausteine-Plan der Initiative soll das ändern. Im ersten Baustein werden Frauen vom SKF- und Männer vom SKM-Verein individuell gecoacht. Das bedeutet, dass jede Person auf sich zugeschnittene Möglichkeiten und Hilfestellungen bekommt. Der zweite Baustein kümmert sich um berufs- und ausbildungsbegleitende Maßnahmen. Denn wer Teil des Programms ist, kann seinen Aufenthaltsstatus in Ausbildungs- oder Beschäftigungsduldung ändern lassen.

Der Hauptschulabschluss kann im Baustein drei nachgeholt werden. Baustein vier bereitet die Klientinnen und Klienten auf einen Beruf oder eine Ausbildung vor, indem sie unter anderem sprachliche Förderung bekommen.

Der SKF betreut seit März 2021 acht Frauen und der SKM seit September 22 Männer. „Uns ist wichtig, das die Geflüchteten mit der hier erlangten Qualifikation auch in ihrem Land etwas aufbauen können, wenn sie das möchten“, erzählt der SKM-Coach Mustafa Abdul-Hak. SKF-Coachin Ines Mildner-Rest weiß, welche Benachteiligung häufig geflüchtete Frauen haben. „In ihren Heimatländern gingen die Frauen teilweise nur zwei bis drei Jahre zur Schule“, so Mildner-Rest. Sie hilft den Frauen, die fehlende Bildung nachzuholen und später berufstätig zu werden.

Die Leiterin des Amtes für Soziales, Wohnen und Integration der Stadt Troisdorf, Ulrike Hanke, erinnert sich an die Startschwierigkeiten. „Das Land war zwei Jahre nicht in der Lage, Richtlinien für das Projekt zu erstellen“, sagt Hanke. Die Leiterin bemängelt, dass dadurch mehr Personengruppen aufgrund der Altersbegrenzung nicht Teil des Programms sein können. Die Kooperationspartner wünschten sich, dass weitere Kommunen Teil der Initiative werden. Sie verweisen auf die dadurch erlangte Selbstständigkeit der Geflüchteten, wodurch die Länder Geld sparen und den Menschen eine Zukunft geschaffen wird.