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Das ist Rheinisch: De Heinzelmännsche kumme des Naaks - die Sagen

Das ist Rheinisch : De Heinzelmännsche kumme des Naaks - die Sagen

Der GA erklärt kurz und knapp alles, was man über den rheinischen Dialekt wissen muss. Immer mit dabei eine rheinische Redensart. Diesmal ist es: Die Heinzelmännchen zu Köln.

Es gibt Zeiten, da fehlt der Welt die Leichtigkeit, sich an illustren Dingen zu erfreuen. Eine Hochwasserkatastrophe, wie wir sie am 14. und 15. Juli 2021 im Rheinland erlebt haben, gehört dazu. Aber dann sind es gerade die unerwarteten, uneigennützigen Helferlein, die Menschlichkeit in die Situation zurückbringen.

In der Domstadt gibt es über dieses Phänomen eine traditionsreiche Sage. Deren Handlung könnte man in die rheinische Redensart zusammenfassen: “De Heinzelmännsche kumme des Naaks”. Zu gut Hochdeutsch: Die Heinzelmännchen kommen bei Nacht. Die Geschichte ist so bekannt, dass sich die Physiognomie, also das Aussehen der genannten Heinzelmännchen schon ins allgemeine kollektive Bewusstsein eingenistet hat.

Kleine Zwerge mit roten Kappen

Es sind kleine Zwerge mit roten Kappen und rotem Mäntelchen. Gedankliche Parallelen zum Karneval oder zum Trikot des 1. Fußballclubs Köln verbieten sich an dieser Stelle, auch wenn die Farbe Rot als roter Faden herhalten könnte. Erstmals aufgeschrieben hat die Sage der Kölner Schriftsteller Ernst Weyden im Jahre 1826.

Es waren die Zeiten, als es in Mode kam, mündlich überlieferte Geschichten in Schriftform für die Nachwelt zu erhalten. Zehn Jahre später veredelte der Dichter August Kopisch die Zeilen zu einem Gedicht: “Wie war zu Cölln es doch vordem, mit Heinzelmännchen so bequem! Denn, war man faul: …. man legte sich, hin auf die Bank und pflegte sich: Da kamen bei Nacht, ehe man’s gedacht, die Männlein und schwärmten, und klappten und lärmten, und eh ein Faulpelz noch erwacht, war all sein Tagewerk bereits gemacht!”

Die Helfer nahmen Reißaus

Das Ganze hatte kein Happy End, denn die Schneidersfrau wollte die unsichtbaren Helfer endlich einmal sehen und streute getrocknete Erbsen. Das schreckte die Heinzelmännchen von Köln so sehr, dass sie Reißaus nahmen und nie mehr gesehen wurden. Damit – so die Sage – waren auch die guten Zeiten von Köln vorbei.

Also genau genommen vor 1826, wobei manch anderer den Anfang vom Ende für die Domstadt auf das Jahr 1983 datiert. Da war der FC zum letzten Mal Pokalsieger. Heute weiß man: Die Heinzelmännchen gibt es noch! Die Tage nach der Flutkatastrophe an der Ahr, der Swist und der Erft haben das gezeigt.Das ist doch mal eine gute Nachricht!

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