Projekt "Essbare Stadt" "Den Lebensmitteln einen Wert geben"

ALFTER · Landwirt Karlheinz Mandt aus Alfter ist gegen die Anpflanzung von Obst und Gemüse auf öffentlichen Beeten. Dies hatte Maria-Luise Streng, die für die Freie Unabhängige Wählergemeinschaft im Kreistag sitzt, der Gemeindeverwaltung vorgeschlagen.

 Gegen kostenlose Lebensmittel: Der Alfterer Obst- und Gemüsebauer Karlheinz Mandt im Kohlfeld an seinem Hof zwischen Alfter und Roisdorf.

Gegen kostenlose Lebensmittel: Der Alfterer Obst- und Gemüsebauer Karlheinz Mandt im Kohlfeld an seinem Hof zwischen Alfter und Roisdorf.

Foto: Hans-Peter Fuss

Vom Vorschlag der Kreistagspolitikerin Maria-Luise Streng (Freie Wähler), auf öffentlichen Grünflächen in der Gemeinde Alfter Obst und Gemüse anzupflanzen und diese für jedermann kostenlos zum Ernten anzubieten (der GA berichtete), hält der Alfterer Landwirt Karlheinz Mandt gar nichts.

Er spreche auch für viele Kollegen, sagte er im Gespräch mit dem General-Anzeiger. Er sei gegen ein solches Projekt, "nicht weil ich Umsatzeinbußen in meinem Hofladen befürchte, sondern weil es hochwertige Lebensmittel abwertet". Er sei eindeutig gegen eine solche "Billig-Mentalität".

Strenge Hygienevorschriften für die Landwirtschaft

Aufwendig produzierte Lebensmittel müssten auch ihren Preis haben. Sie dürften nicht an jeder Straßenecke frei verfügbar sein. Hinzu komme der hygienische Aspekt. Obst und Gemüse auf öffentlichen Beeten seien natürlich verstärkt den Autoabgasen und Hundefäkalien ausgesetzt. Die Landwirtschaft müsse hingegen ganz strenge Hygienevorschriften einhalten.

Mandt, der auf seinem zwölf Hektar großen Hof auch alte Obst- und Gemüsesorten anbaut, schlägt stattdessen vor, die Politik solle ein Umfeld schaffen, in dem auch kleine Familienbetriebe überleben könnten. Er müsse jetzt den Mindestlohn von 8,50 Euro an Erntehelfer zahlen, während die Konkurrenz in Osteuropa mit einem Stundenlohn von zwei Euro sehr viel billiger produzieren könne.

Die Entwicklung führe statt zu größerer Sortenvielfalt zu immer mehr Monokulturen wie etwa Mais. Kleine Betriebe hätten so kaum eine Chance zum Überleben. Da die vier großen Lebensmittelketten 80 Prozent des Marktes abdeckten, könnten sie die Preise bestimmen: Dauertiefstpreise. Dies wiederum führe zu zahlreichen Insolvenzen in der Landwirtschaft. Um diesem Trend entgegenzuwirken, müsse man den Lebensmitteln wieder einen Wert geben und sie nicht kostenlos anbieten.

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