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Jugendmigration im Kreis: Der Kampf gegen die Isolation

Jugendmigration im Kreis : Der Kampf gegen die Isolation

Junge Migranten leiden besonders unter der Corona-Krise. Manche sind ohne Eltern eingereist und brauchen Hilfe.

Insgesamt kümmern sich fünf Mitarbeitende um die Migranten. Sie alle verfügen über „interkulturelle Kompetenz“, haben eine eigene Zuwanderungsgeschichte. So stammt Vilver aus Kasachstan und Magiera aus Oberschlesien. Der Jugendmigrationsdienst im Rhein-Sieg-Kreis ist einer von 450 bundesweit, die aus Bundesmitteln und Mitteln des Erzbistums Köln finanziert werden. Sie unterstützen junge Migranten im Alter von zwölf bis 27 Jahren in Form von Beratung und individuellen Hilfen im Bezug auf ihre schulischen, beruflichen und sozialen Integrationsprozesse. Darüber hinaus gibt es Gruppen- und Bildungsangebote sowie Treffpunkte in Siegburg und den einzelnen Kommunen, die vielfach von Ehrenamtlichen geleitet werden. Diese sind jedoch zum großen Teil weggebrochen, da viele selbst zu Risikogruppen gehören.

Nur acht Jugendliche gleichzeitig ins Zentrum

„Wir haben die Angebote in den Jugendzentren nun auf sieben Tage erweitert“, sagt Eva Rott, die bei der KJA für die Pressearbeit zuständig ist. Nach dem Lockdown im März, bei dem alle Stellen geschlossen waren, soll dies nun nach einer erneuten zweiwöchigen Schließung die Situation entzerren. Derzeit dürfen nur acht Jugendliche gleichzeitig ins Zentrum. Nicht nur die Isolation, unter der insbesondere junge Migranten leiden, stellt ein Problem dar.

Auch ihre persönliche Lebenssituation in den Flüchtlingsunterkünften mit Gemeinschaftsküchen und gemeinsamen Sanitärbereichen oder aber kleinen Wohnungen sind problematisch. „So fehlt etwa beim Homescooling nicht nur die technische Ausstattung, sondern auch die Ruhe zum Lernen“, sagt Vilver mit Blick darauf, dass viele kein eigenes Zimmer haben. Durch den Ausfall der Sprachkurse seit März seien viele zudem wieder stark zurückgefallen, ergänzt Magiera. In Bezug auf die Technik hat der Diözesanrat hat nun in Kooperation mit den Katholischen Jugendagenturen in Köln, Bonn und Wuppertal das Projekt „Fit for Future“ ins Leben gerufen. Ziel ist die Anschaffung von 200 Tablets, die Schülern kostenlos zur Verfügung gestellt werden, 150 sind schon zusammen gekommen.

Manchmal sind es auch Kleinigkeiten, mit denen die jungen Erwachsenen zu kämpfen haben. So half Vilver etwa einem Migranten beim Wechsel des Stromanbieters. Gute Sprachkenntnisse seien gefragt, da jetzt alles nur noch telefonisch laufe. Die fehlenden Sprachkurse bedingten zudem, dass die jungen Erwachsenen keine Praktika und keinen Ausbildungsplatz finden. „Andere sind in Kurzarbeit, haben ihren Arbeitsplatz oder Nebentätigkeiten verloren“, erzählt Magiera mit Blick auf Jobs in der Gastronomie, bei Sicherheitsdiensten, Reinigungsunternehmen oder in der Altenpflege. Und auch Familienzusammenführungen oder Verwandtenbesuche sind derzeit nicht möglich.

„Sie leiden unter sozialer Isolation, Einsamkeit und Ängsten. Das Jahr 2020 ist ein schlechtes Jahr für die Integration gewesen“, fasst die Diplompädagogin zusammen.