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Karneval in Corona-Zeiten: Festausschüsse appellieren an Laschet

Karneval in Corona-Zeiten : Festausschüsse appellieren an Laschet

Einige Züge sind schon abgesagt, Sitzungen ebenso. Für weitreichendere Schritte sind die Vereine aber auf eine rechtsverbindliche Aussage der NRW-Landesregierung angewiesen. Die Karnevalskomitees fordern eine Absage der Session 2020/2021.

Der Sessionsauftakt auf dem Siegburger Markt ist abgesagt. Ebenso der Rathaussturm und die Züge in Sankt Augustin. Die Bornheimer stellen keine neuen Tollitäten und auch das designierte Siegburger Prinzenpaar verzichtet auf seine Session. Die Karnevalisten aus dem Rhein-Sieg-Kreis haben schon erste Konsequenzen aus der Corona-Pandemie gezogen. Für weitreichendere Schritte sind sie aber auf eine rechtsverbindliche Aussage der NRW-Landesregierung angewiesen. Deswegen haben Festausschüsse und Komitees aus dem Kreis nun gemeinsam an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet appelliert, die Karnevalssession 2020/2021 abzusagen.

„Uns läuft die Zeit davon“, sagt Jörg Sola Schröder. Der Präsident des Siegburger Karnevalskomitees, das 15 Gesellschaft vereint, hatte Anfang der vergangenen Woche ein Treffen von neun Festausschuss-Präsidenten initiiert. „Wir vertreten zusammen mehrere Tausend Jecken“, sagt Sola Schröder. Sie seien sich darin einig, dass die anstehende Session mit Veranstaltungen, Sitzungs-, Straßen- und Veedelskarneval „unter Anwendung der zum aktuellen Zeitpunkt notwendigen Hygienemaßnahmen aus gesundheitlichen und wirtschaftlichen Aspekten nicht durchführbar“ sei. In einem gemeinsam verfassten „Hilferuf“ haben sich die Komitees aus Siegburg, Eitorf, Lohmar, Troisdorf, Hennef, dem Siebengebirge, Sankt Augustin, Lohmar-Birk und auch aus Bonn-Bad Godesberg daher an Laschet, NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer gewandt. Sie fürchten, dass bei der für Freitag angesetzten Besprechung zwischen Laschet und den großen Festausschüssen aus Bonn, Köln, Düsseldorf und Aachen ihre Interessen nicht berücksichtigt werden.

Vereinen droht wirtschaftliches Aus

„Ohne eine verbindliche Absage der Landesregierung werden viele Gesellschaften die kommende Session wirtschaftlich nicht überstehen und wir sehen darin eine ernsthafte Gefahr für unser Brauchtum Karneval“, heißt es in dem Schreiben. Wie groß die Not der Gesellschaften ist, verdeutlicht Sola Schröder an einem konkreten Beispiel. Im Januar proklamiert das Siegburger Karnevalskomitee traditionell sein Prinzenpaar. „Normalerweise verkaufen wir da rund 1200 Karten“, sagt er. Unter Berücksichtigung der geltenden Schutzverordnungen dürften nur noch 470 Menschen zeitgleich in die Rhein-Sieg-Halle. „Dazu zählen auch Kellner, Techniker und die Künstler auf der Bühne bis hin zum 40 Personen starken Tanzcorps.“ Damit blieben rund 350 Sitzplätze. „Wenn ich davon noch Ehrenkarten abziehe, habe ich Einnahmen von 8000 Euro“, rechnet er vor. Dem stünden Kosten von 40 000 Euro gegenüber. „Das können wir nicht leisten, die Vereine gehen daran kaputt.“ Daher fordern die Karnevalisten eine rechtsverbindliche Aussage der NRW-Landesregierung, um alle Verträge, die vor der Pandemie abgeschlossen wurden, stornofrei abwickeln zu können. Die Entscheidung aus Düsseldorf müsse unbedingt „zeitnah und verbindlich“ erfolgen. Letztlich müsse „die Vernunft im Hinblick auf die Gesundheit aller Bürger im Vordergrund stehen“.

Karnevals-Gipfel am Freitag

Die Pressestelle der NRW-Staatskanzlei bestätigte den Eingang des Schreibens, äußerte sich mit Verweis auf den Karnevals-Gipfel am Freitag aber nicht zu dessen Inhalt. Aus Regierungskreisen war unterdessen zu hören, dass bei dem Treffen noch keine konkreten Ergebnisse oder Beschlüssen zu erwarten sind. Es gehe zunächst um eine Anhörung und Fortsetzung des Austauschs mit den Repräsentanten des Karnevals.

Unterstützung erhalten die Karnevalisten von Landrat Sebastian Schuster. „Ich kann den gemeinsamen Vorstoß der Festausschüsse gut nachvollziehen, denn die Vereine brauchen Klarheit“, sagte er.

Wie berichtet, hatte er dem Ministerpräsidenten bereits Anfang August eine schnelle Entscheidung in Sachen Karneval ans Herz gelegt und ihn darum gebeten, Veranstaltungen für die kommende Session abzusagen. „Ich hoffe nun, dass die Gespräche, die für Freitag auf Landesebene angekündigt sind, bald allen Beteiligten Sicherheit bieten werden – sowohl den Traditionsvereinen als auch den betroffenen Branchen.“