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Frau soll Telekom mit fingierten Reisekosten betrogen haben

Gericht in Bonn : Frau soll Telekom mit ausgedachten Reisekosten betrogen haben

Einer 37-jährigen Frau aus dem Rhein-Sieg-Kreis wird vorgeworfen, Reisekosten vorgetäuscht und ihren Arbeitgeber, die Deutsche Telekom, so um rund 125.000 Euro betrogen zu haben. Ermittlungen zufolge hat die Frau angebliche Kunden in Mecklenburg-Vorpommern nie besucht.

Die Kommunikationsexpertin müsste viel unterwegs gewesen sein: Rund 125 0000 Euro an Reisekosten rechnete eine 37-jährige Frau aus dem Rhein-Sieg-Kreis zwischen Januar 2017 und Oktober 2018 mit ihrem Arbeitgeber, der Deutschen Telekom, ab.

Unzählige Male will sie in diesem Zeitraum zwei Kunden in Mecklenburg-Vorpommern besucht haben. Allerdings kannte bei den beiden Firmen im Osten der Republik niemand die Frau aus dem Rheinland, möglicherweise hat sie bei ihren Online-Abrechnungen in großem Stil betrogen.

Daher muss sie sich voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres vor einem Bonner Amtsrichter verantworten, wie Amtsgerichtsdirektorin Birgit Niepmann auf Anfrage bestätigte. Der Vorwurf lautet auf gewerbsmäßigen Betrug.

Pro Reise fielen meist um die 400 bis 500 Euro an

Es geht um insgesamt 75 Abrechnungen; die Anzahl der angeblichen Geschäftsreisen ist allerdings noch einmal deutlich höher. In vielen Fällen wurden gleich Reisekostenabrechnungen für mehrere Aufenthalte zusammen in das betriebsinterne Abrechnungssystem eingegeben. Für eine Reise fielen meist um die 400 bis 500 Euro an, es kamen aber auch schon mal 1800 Euro für drei Aufenthalte zusammen. Fast durchweg soll es um Fahrten mit dem eigenen Wagen gegangen sein.

Aufgefallen ist die Geschäftsreisende, weil die Vielzahl der Reisen wohl schon rein zeitlich gar nicht möglich gewesen wäre. Immerhin dauert eine einfache Fahrtstrecke mit kurzer Pause mindestens acht Stunden. Auch die Laufleistung ihres Wagens passte nicht zu den ständigen Ost-Touren.

Und schließlich darf bezweifelt werden, dass die Rheinländerin die langen Fahrten mit einer Tankfüllung hätte bewältigen können: Getankt hatte die Frau nämlich immer in Bonn. Nachdem der Verdacht sich erhärtet hatte, fragten die Ermittler dann offenbar bei den Kunden nach, wie oft die Frau tatsächlich in Mecklenburg-Vorpommern gewesen sei. Auf Nachfrage bestätigten dann wohl beide Firmen, dass die Frau vor Ort gänzlich unbekannt sei.

Frau bei Kunden völlig unbekannt

Finanziell nötig gehabt hätte die Angeklagte ihre Abrechnungspraxis, für die sie jetzt vor Gericht muss, wohl nicht: Immerhin zahlte ihr Arbeitgeber ihr ein sechsstelliges Bruttogehalt. Während der Ermittlungen hat sich die Frau nicht zu den Vorwürfen geäußert. Vor dem Arbeitsgericht verlor sie bereits eine Kündigungsschutzklage und einigte sich mit ihrem früheren Arbeitgeber auf einen Vergleich: 150.000 Euro will sie der Telekom zurückzahlen.