Amtsgericht Siegburg : Opfer bittet um milde Strafe für Angeklagten

Er brach seiner Freundin das Nasenbein, beleidigte und bedrohte sie. Ein 55-Jähriger Sankt Augustiner musste sich dafür jetzt vor Gericht verantworten. Das Opfer bat den Richter um Milde.

Eine solche Bitte wird Richter Sven Kurtenbach wohl selten hören: Eine als Zeugin und Tat­opfer vorgeladene 47-Jährige bat „etwas Strafe muss sein, aber bitte nicht in den Knast“. Dem folgte Richter Kurtenbach, denn rein rechtlich gesehen reichte eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je zehn Euro für einen 55-jährigen Sankt Augustiner, der am 18. Mai des vergangenen Jahres seiner Freundin das Nasenbein gebrochen und einige blaue Flecke zugefügt hatte. Außerdem hatte er sie beleidigt und bedroht. Den weiteren Tatvorwurf der Freiheitsberaubung hatte das Gericht in Übereinstimmung mit der Staatsanwaltschaft bereits fallen gelassen und nach Strafprozessordnung eingestellt.

Kokain, Alkohol und Drohungen

Der kokainabhängige Angeklagte hatte im vergangenen Jahr an der Sankt Augustiner Ankerstraße eine Art Spielhalle mit Café betrieben. Die Frau, mit der er eine lose Liebesbeziehung pflegte, sei morgens um sechs Uhr nach einer durchfeierten Nacht bei ihm angekommen, schilderte er dem Gericht. Um neun Uhr habe er dann im benachbarten Geschäft eine Flasche Wodka gekauft, und einiges mit der Frau konsumiert. Dann kam es zum Streit, die Frau habe ihn mit einer Fernbedienung auf die Hüfte geschlagen und er ihr ins Gesicht und auf die Arme. Auch habe er sie „Schlampe“ genannt und gedroht, sie zu begraben, damit sie keiner findet. Das alles tue ihm leid, er habe sich mehrfach bei der Frau entschuldigt. Inzwischen seien sie auch wieder zusammen.

Die Frau bestätigte das Geschehen, auch die Schläge mit der Fernbedienung. Ob der Mann sie eingesperrt habe, könne sie aber nicht sagen, „ich war halt besoffen“. Und ja, „ich liebe diesen Mann und habe ihm verziehen“. Und darum äußerte sie schließlich die ungewöhnliche Bitte. Während die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten zur Bewährung forderte, beließ es der Richter bei der Geldstrafe. hjw