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Verpachtung: Hennef: Jeder Landbesitzer kann mithelfen

Verpachtung : Hennef: Jeder Landbesitzer kann mithelfen

Die AG Blühendes Hennef und der Nabu informieren über die Möglichkeiten, naturschonende Landwirtschaft zu forcieren

Bienensterben, Insektensterben, Rückgang der biologischen Vielfalt: Das sind Schlagworte, die heute Parteiprogramme, Petitionen, aber auch viele Menschen persönlich beschäftigen. Insbesondere auf landwirtschaftlichen Flächen ist der Verlust der Artenvielfalt dramatisch.

Jedoch kann dem Naturschutzbund (Nabu) zufolge jeder Landbesitzer selbst etwas dagegen unternehmen. Denn wer landwirtschaftliche Flächen verpachte, könne eine naturschonende Bewirtschaftung ohne Pestizide oder das Anlegen von Blühstreifen in Pachtverträgen vereinbaren.

Ziele: Lebensräume erhalten, Kulturlandschaft schaffen

„Fairpachten“ heißt das Projekt der Nabu-Stiftung Nationales Kulturerbe. Das engagiert sich in rund 300 Schutzgebieten in Deutschland und bewahrt 20 000 Hektar Land für die Natur. Eine Info-Veranstaltung, zu der die Agenda 21 Blühendes Hennef (AG BlüHen) online eingeladen hatte, informierte über die Möglichkeiten ökologischen Verpachtens. „Seit 2018 machen wir überparteilich und lokal Aktionen zu einem bestimmten Thema“, stellte Sonja Hensel die Arbeit der AG vor und kam schnell zum Punkt.

„In Hennef wird viel landwirtschaftlich genutzt. Da gibt es großes Potenzial für den Insektenschutz“, erklärte sie, warum die AG „Fairpachten“ mit ins Boot geholt hat. Insgesamt 18 Teilnehmer, darunter mindestens zwei Landwirte, hörten sich Linda Treins Vortrag an. Die Agraringenieurin ist Nabu-Regionalberaterin.

„Unser Ziel ist es, Lebensräume zu erhalten und eine lebenswerte Kulturlandschaft zu schaffen“, sagte Trein. Ohne Landwirtschaft gäbe es keine Offenland-Biotope, sondern zu 90 Prozent Wald, so die Wissenschaftlerin. 75 Prozent reine Insekten-Biomasse sei verloren gegangen, gleichzeitig sei ein 34-prozentiger Rückgang von Vögeln in der offenen Agrarlandschaft zu verzeichnen. Arten wie Kiebitz, Rebhuhn, Turteltaube, Feldlerche und Braunkehlchen hätten sich über Jahrhunderte an den Lebensraum angepasst.

Egal wie klein die Fläche ist - jeder kann sich informieren

Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und Düngung sei dieser vielfach verloren gegangen, sagte sie mit Blick auf einseitige Fruchtfolgen sowie den Verlust von Ackerrandstreifen und Hecken. Hinzu käme die Nitratbelastung und die Entwässerung der Felder. Auch die Dürre werde „uns in den nächsten Jahrzehnten beschäftigen“, sagte Hensel.

„Das Bewusstsein ist da“, zitierte die Wissenschaftlerin eine Studie aus dem Jahr 2015. In der Befragung hätten sich 92 Prozent für mehr biologische Vielfalt ausgesprochen, 59 Prozent sich in der Verantwortung gesehen. Kein Wunder, denn 50 Prozent der Flächen in Deutschland sind Pachtflächen. Dies ist laut Trein eine Chance für „Fairpachten“, zumal sie vielfach in Besitz von Kommunen und Kirchen sind: „Bei uns kann jeder anrufen, der eine landwirtschaftliche Fläche besitzt, sei sie auch noch so klein.“