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Naturschutz in Hennef: BUND: Baumfällung zerstört Reiherkolonie

Naturschutz in Hennef : BUND: Baumfällung zerstört Reiherkolonie

Umweltschützer kritisieren Kahlschlag im Wahlbachtal bei Hennef-Bröl. Landschaftsbehörde leitet Prüfung ein. Rund zehn Brutplätze sollen zerstört worden sein.

Brutzeiten von Graureihern beginnen im März. Bevor es losgeht, baut der Vogel einen Horst, ein Nest, um in der nachfolgenden Zeit in Ruhe brüten zu können. In einem Waldgebiet im Wahlbachtal bei Bröl wurden mehrere Bäume gefällt, in denen sich der Graureiher hätte einnisten können. Das kann er jetzt nicht mehr.

Darüber ist die Kreisgruppe Rhein-Sieg des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) empört. Der unbedachte Holzeinschlag habe eine große Reiherkolonie mit mehr als zehn Horsten zerstört, der Verlust sei besonders schlimm, sagt Achim Baumgartner, Sprecher der BUND-Kreisgruppe Rhein-Sieg. „Die Reiher können sich nicht mehr einnisten, weil sie sehr früh im Jahr brüten. Graureiher nutzen ihren Horst über mehrere Jahre und kommen jährlich zurück, um zu brüten. Durch die vermehrte Bewegung im Wald vor den Brutzeiten und das Wegfallen ihrer Horste verlassen die Vögel ihr sonst so vertrautes Gebiet und kehren nicht mehr zurück“, sagt Baumgartner.

Der Graureiher sei eine geschützte Tierart, man solle ihm den Horst lassen, an den er gewöhnt sei. Die Vögel brüten jedes Jahr zur gleichen Zeit, denn sie seien hormonell gesteuert. Deshalb würden sie ihr Nest bereits vor dem Monat März bauen, um dann in Ruhe zu brüten. Ein Nachbar hatte den BUND darüber informiert, dass im Wahlbachtal Bäume gefällt wurden. „Wenn der Horst einmal zerstört ist, können sich die Graureiher während der Brutzeit nicht so schnell oder gar keinen neuen Horst bauen. Sie müssen ihre Brutzeit auf das nächste Jahr verschieben“, so Baumgartner.

Das Waldgebiet Wahlbachtal ist ein geschütztes Flächengebiet, in dem laut BUND jedoch keine Regelungen zum Fällen von Bäumen vorgesehen sind. Die Kreisgruppe hat das Ziel, im nächsten Landschaftsbeirat die Erweiterung des Flächengebietsschutzes zu beantragen. Laut Gerhard Pohl, zuständiger Förster des Wahlbachtals in Bröl, fälle man die Bäume bereits im November. Ob dort Horste von Graureihern waren, sei ihm nicht bekannt. „Das Gebiet gehört einem Privateigentümer, der eine Firma beauftragt hat, die die Bäume fällte“, so Pohl.

Auf der anderen Straßenseite würden momentan viele Reiher nisten, dort befände sich ebenfalls ein Fichtenwald, der zum Wahlbachtal gehöre. Die Untere Landschaftsbehörde des Rhein-Sieg-Kreises prüft bereits, ob die Fällung ordnungsgemäß war. Laut Pressesprecherin Katja Eschmann gibt es keine Erlaubnis der Landschaftsbehörde. Solle sich herausstellen, dass die Fällarbeiten unerlaubt durchgeführt wurden, sei das ein Verstoß gegen die Artenschutzbestimmungen. Dann drohe ein Ordnungswidrigkeitsverfahren.