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Carl-Reuther-Berufskolleg in Hennef: 21 Millionen Euro teurer als geplant

21 Millionen Euro teurer als geplant : Carl-Reuther-Berufskolleg in Hennef ist fast fertig

Das kernsanierte Carl-Reuther-Berufskolleg ist fast fertig. Marcel Boddenberg vom Amt für Gebäudewirtschaft des Rhein-Sieg-Kreises erklärt, wie aus geplanten 55 Millionen Euro 76 Millionen Euro werden konnten.

Einladend ist bereits der neue Haupteingang des Carl-Reuther-Berufskollegs und auch der geschmackvoll gestaltete Innenausbau kann sich sehen lassen. Drei Jahre lang wurde das Berufskolleg des Rhein-Sieg-Kreises umgebaut, kernsaniert und erweitert und gilt nicht nur als eines der wichtigsten und größten, sondern mit 76 Millionen Euro Investitionsvolumen auch als eines der teuersten Bauprojekte des Kreises.

Dafür wurde aus dem Berufskolleg aber auch eines der modernsten Schulgebäude in der Region. „Wir sind sehr glücklich, dass wir den Betrieb nun aufnehmen konnten“, sagten Schulleiter Günther Au und sein Stellvertreter Markus Breidung bei einem gemeinsamen Rundgang mit Kreis-Schulamtsleiter Hans Clasen, dem Projektleiter Hans-Joachim Geisler und Marcel Boddenberg vom Amt für Gebäudewirtschaft des Rhein-Sieg-Kreises.

Zwar ist noch nicht alles fertig, denn es gilt noch, die Werkstätten im Erdgeschoss des erweiterten Gebäudes einzurichten und mit neuen Maschinen zu bestücken. „Zum Ende der Herbstferien ist aber auch das abgeschlossen“, sagte Au.

Laut Hans-Joachim Geisler, Projektleiter des Rhein-Sieg-Kreises war das Kolleg, das 1978 eröffnet wurde, komplett bis auf den nackten Rohbau runtergebrochen und neu aufgebaut worden. Dabei gab es zahlreiche Veränderungen. Das Gebäude erhielt ein zweites Obergeschoss. Statt der bisherigen Ost-West-Ausrichtung wird die Schule künftig von Süden und Norden betreten. Mehr als 60 Klassenräume sowie Lehrerzimmer und Aufenthaltsräume wurden eingerichtet.

Bei den Materialien setzten die Bauherren auf Nachhaltigkeit. Natursteinboden im Erdgeschoss, stabile Holzmöbel, sowie dicke und belastbare Industrieparkettböden, eine Geothermie-Heizung, intelligente Lüftungssysteme für die Klassenräume – das alles ist hochmodern.

„Verbaut wurden Materialien wie Basalt aus der Eifel und Eiche aus dem Allgäu“, sagte Geisler. Zudem wurden 2400 neue Stühle und 1700 neue Tische angeschafft. Ein Blickfang ist das Atrium mit seinem großen Glasdach. Schmuck sind aber auch die Innenhöfe ohne Überdachung, die jetzt auch in den Pausen genutzt werden können.

Vier neue Treppenhäuser gebaut

Während sich die Büros der Schulleiter sowie Klassenräume und die Schulverwaltung auf der ersten Etage befinden, werden im Erdgeschoss die Metall-, Holz- und Elektrotechnikwerkstätten eingerichtet. Bereits fertig sind die Räume für Ernährungs- und Versorgungsmanagement samt einer Großküche und einer Bäckerei. Um dem Brandschutz Rechnung zu tragen, wurden insgesamt vier neue Treppenhäuser gebaut.

Nach der Erweiterung hat die Schule laut Boddenberg rund 2000 Quadratmeter mehr Nutzfläche als zuvor. Viel Platz also für die rund 2500 Schüler des Berufskollegs, die von über 100 Lehrern in 50 Bildungsgängen unterrichtet werden. Auch das pädagogische Konzept des Carl-Reuther-Berufskollegs, eine von insgesamt vier berufsbildenden Schulen des Kreises, wurde komplett überarbeitet. Statt klassischer Klassenräume gibt es künftig zehn sogenannte Cluster für die entsprechenden Fachbereiche. An einen offenen Raum schließen sich ringsum weitere Räume an, die miteinander verbunden sind. „Es ist trotzdem hier sehr leise“, sagte Schulleiter Günther Au.

2012 begann die Planung für den Umbau des Kollegs, im Sommer 2017 begannen die Bauarbeiten. Drei Jahre war das Kolleg als Interimslösung in Containern untergebracht. Nun gibt es endlich wieder einen regulären Schulbetrieb im erweiterten und kernsanierten Gebäude. Dass die Kosten von ursprünglich eingeplanten 55 Millionen Euro auf nun 76 Millionen Euro angestiegen sind, hängt laut Boddenberg mit höheren Preisen bei den Vergaben, aber auch mit einer geringeren Auswahl bei den Firmen zu tun.

„Es gab Bereiche, bei denen wir nur zwei Angebote erhalten haben. Wir liegen derzeit bei 70 Millionen Euro Gesamtkosten und haben uns einen Puffer von sechs Millionen Euro geschaffen, falls Rechnungen doch höher werden, als erwartet“, sagte Boddenberg.