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Stolpersteinverlegung in Hennef: Den Opfern einen Namen geben

Stolpersteinverlegung in Hennef : Den Opfern einen Namen geben

20 weitere Stolpersteine erinnern in Hennef an Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden.

Den Opfern einen Namen geben und an die Menschen erinnern, die während der nationalsozialistischen Diktatur ermordet wurden – das ist der Sinn des Projektes „Stolpersteine“. Der Künstler Gunter Demnig hat es 1992 gestartet und zum weltweit größten, dezentralen Mahnmal entwickelt. Mittlerweile hat er mehr als 75 000 dieser Stolpersteine in insgesamt 1250 deutschen Kommunen sowie in 24 Staaten Europas verlegt. 20 weitere Gedenksteine erinnern seit Mittwoch in Hennef an Opfer der Nationalsozialisten.

Gunter Demnig selbst will angesichts der Corona-Pandemie voraussichtlich erst im kommenden Jahr wieder zum Werkzeug greifen, um die kleinen Betonwürfel mit den angegossenen Gedenk-Messingtafeln in die Gehwege vor den letzten frei gewählten Wohnsitzen der Ermordeten einzufügen. Sein Projekt läuft aber trotzdem weiter. Der Künstler bietet eine Möglichkeit, dass seine Stolpersteine auch ohne ihn verlegt werden können.

Dem Ökumenekreis Hennef ließ er Anfang des Jahres 21 Stolpersteine zukommen. Lediglich einer hatte aufgrund der Corona-Beschränkungen bislang seinen Platz vor der Eitorfer Straße in Stadt Blankenberg eingenommen, um dort an Helene Müller zu erinnern. Die restlichen 20 Stolpersteine waren seit Januar in der evangelischen Christuskirche ausgestellt. Am Mittwoch verlegten Marvin Sonntag und Oliver Mittelstedt vom städtischen Bauhof sie in Geistingen und Warth.

Zwei Dutzend Menschen, darunter Bürgermeister Mario Dahm, die evangelische Pfarrerin Antje Bertenrath und Kreisdechant Hans-Josef Lahr, erlebten, wie Roman Kovar, Mitglied der jüdischen Gemeinde Bonn, am zweiten Tag des jüdischen Neujahrsfestes „Rosch Haschana“ (Haupt des Jahres) in sein „Schofar“ (Widderhorn) stieß. Zum Gedenken an die Opfer sprach er das wichtigste jüdische Gebet „Kaddisch“.

Hennef verfügt jetzt über 48 Stolpersteine. 15 dieser Steine wurden am Mittwoch in Geistingen und fünf in der Warth verlegt. Erinnert werden soll damit an die Eheleute Simon und Rosalie Friedmann sowie Albert und Irma Oster mit Sohn Walter Max (Bonner Straße 1), an die Eheleute Adolf und Ida Frank sowie Isidor Simon, seine Tochter Flora Isaak und deren Sohn Werner Isaak (Bergstraße 37), an Sibilla Goldstein (Bergstraße 22a) und an David Dornbusch (Bergstraße 22a). 

Erinnerung aufrecht halten

Acht weitere Stolpersteine wurden an der Sövener Straße 1 und am Talweg 6 verlegt. An der Sövener Straße 1 lebten einst der Kaufmann Wilhelm Dornbusch und seine Frau Sophie Marianne Dornbusch (geborene Schlomann) mit ihren Kindern Heinz Siegbert und Barthel Dornbusch. Die gesamte Familie wurde am 20. Juli 1942 nach Minsk deportiert und am 24. Juli 1942 in Maly Trostinez ermordet. Am Talweg 6 erinnern nun die Stolpersteine an die Eheleute Isaac Isidor und Maria Anna Rosenbaum sowie Friedrich und Selma Levy. Das Ehepaar Rosenbaum wurde am 27. Juli 1942 zunächst nach Theresienstadt deportiert und am 19. September in Treblinka ermordet. Friedrich und Selma Levy wurden nach ihrer Deportation am 24. Juli 1942 in Maly Trostinez ermordet.

„Wir müssen die Erinnerung aufrecht erhalten, damit sich Geschichte nicht wiederholt“, sagte Bürgermeister Mario Dahm und wies darauf hin, dass der Antisemitismus in der Gesellschaft leider wieder Aufwind hat. „Die Stolpersteine sind Stoppschilder und Mahnmale im Alltag“, fügte er hinzu.

Eine Übersicht über sämtliche Hennefer Stolpersteine mit Infos zu den Opfern bietet eine Broschüre, die im Rathaus, im Stadtarchiv und in der Stadtbibliothek erhältlich ist.