Drogendealer vor dem Landgericht Bonn Angeklagter verkaufte Drogen im Wert von 270.000 Euro

Hennef/Bonn · Ein 30-jähriger Mann aus Hennef muss sich wegen Drogenhandels vor dem Landgericht Bonn verantworten. Hinter verschlossenen Türen verhandelten die Anwälte über ein Geständnis für eine geringere Haftstrafe.

Ein Drogendealer aus Hennef muss sich vor dem Bonner Landgericht verantworten. (Symbolbild)

Ein Drogendealer aus Hennef muss sich vor dem Bonner Landgericht verantworten. (Symbolbild)

Foto: dpa/Oliver Berg

Es habe einen immensen Handel gegeben, räumte Strafverteidiger Sebastian Holbeck nach langwierigen Verhandlungen hinter verschlossenen Türen schließlich ein. Vor dem Bonner Landgericht begann am Montagmorgen ein Prozess gegen einen 30-Jährigen aus Hennef, dem von der Staatsanwaltschaft Drogenhandel in acht Fällen vorgeworfen wird. Die Ankläger gehen davon aus, dass der Mann im vergangenen Jahr mit verschiedenen Drogen im Wert von mehreren hunderttausend Euro gehandelt hat.

So soll er am 21. Juni des vergangenen Jahres auf einem abgelegenen Autobahnparkplatz in der Südeifel als Zwischenhändler einem anderen Dealer drei Kilogramm Haschisch zum Preis von 6000 Euro, drei Kilogramm Marihuana für 11.400 Euro, weitere 500 Gramm Marihuana der Sorte „Kali“, gut 300 Gramm Kokain und knapp vier Liter Amphetaminöl verkauft haben. Bis Anfang August kamen dann sechs weitere Deals dazu; insgesamt sollen noch 78 Kilo weicher Drogen und 435 Gramm Kokain den Besitzer gewechselt haben. Der Einkaufspreis hat sich laut Anklage insgesamt auf mehr als 270.000 Euro belaufen. Bei diesen Verkäufen soll der Angeklagte den Stoff aber nicht selber in die Hand genommen haben. Für die Übergaben, die größtenteils in Bonn über die Bühne gingen, verließ sich der 30-Jährige auf sogenannte Läufer.

Deal hinter verschlossenen Türen

Nach der Verlesung der Anklage begann dann hinter verschlossenen Türen dem Vernehmen nach ein regelrechtes Geschacher. Die Anwälte des Hennefers – neben Holbeck auch dessen Kanzleipartner Uwe Krechel – waren darauf aus, mit der Anklage und dem Gericht einen Deal festzuzurren. Nach nicht öffentlichen Gesprächen verkündete schließlich die Vorsitzende Richterin der 7. Großen Strafkammer das Ergebnis dieser Verständigungsgespräche: Im Gegenzug für ein vollumfängliches Geständnis solle die verhängte Strafe maximal viereinhalb Jahre betragen. Außerdem – für den Angeklagten offenbar das wichtigere Zugeständnis – darf der Mann sich darauf freuen, noch einige Zeit auf freiem Fuß zu bleiben. Der Haftbefehl soll außer Vollzug gesetzt werden, bis das für übernächste Woche erwartete Urteil rechtskräftig ist.

Fluchtgefahr sehen offenbar weder Anklage noch Gericht. Der Mann muss sich wöchentlich bei der Polizei melden und seine Ausweispapiere abgeben. Eine Kaution hielt die Kammer für nicht notwendig. Nachdem dann gegen Mittag die Öffentlichkeit wieder zur Verhandlung zugelassen wurde, ging es zügig weiter. Der Angeklagte räumte die Taten im Prinzip wie angeklagt ein; nur in manche Details brachte er nach Holbecks Einlassung noch ein wenig mehr Licht.

Nicht Teil des Geständnisses war allerdings Anklagepunkt Nummer acht: Die Staatsanwaltschaft nimmt an, dass der Hennefer bis zum 5. August auch noch zwei Kilogramm Kokain und neun Kilogramm Marihuana im Gesamtwert von 110.000 Euro in seiner Wohnung gelagert hat. Der Stoff soll ihm aber an diesem Tag bei einem Einbruch gestohlen worden sein. Angesichts des ohnehin zu erwartenden Strafmaßes und der möglicherweise eher dünnen Beweislage könnte das Verfahren zu diesem Tatvorwurf möglicherweise eingestellt werden.

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