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Spendenaufruf für André Düvell aus Hennef: Ein Autounfall veränderte sein Leben

Spendenaufruf für André Düvell aus Hennef : Ein Autounfall veränderte sein Leben

Nach einem Autounfall ist der 21-jährige André Düvell querschnittsgelähmt. Seine Tante hat nun einen Spendenaufruf gestartet, damit seine Eltern sein Zuhause in Hennef behindertengerecht umbauen können.

Den Tag wird wohl niemand in André Düvells Familie vergessen. Am 4. Juni brach der 21-jährige Jurastudent morgens gegen 5.42 Uhr vom elterlichen Haus in Hennef mit dem Wagen des Großvaters auf, um eine wichtige Vorlesung an seinem Studienort, der Universität in Greifswald, zu besuchen. Es herrschte schlechte Sicht und es regnete, als er gegen 7.05 Uhr das Westhofener Kreuz auf der A1 erreichte und auf ein Stauende auffuhr.

„Nach Auskunft eines Zeugen fuhr ich völlig unauffällig mit der erlaubten Geschwindigkeit auf der rechten Fahrspur der Autobahn. Im letzten Moment, bevor ich mit dem Auto unter den vor mir stehenden Lkw-Auflieger gefahren bin, muss ich wohl noch abgebremst und nach links gesteuert haben“, sagt André, der ansonsten keine konkreten Erinnerungen an den Unfallhergang hat. Die Diagnose der Ärzte am Dortmunder Klinikum nach der Operation war niederschmetternd: André ist aufgrund der schweren Verletzungen, die er sich bei dem Unfall zugezogen hat, von der Brust an abwärts gelähmt.

„Die Situation war für mich unwirklich. Ich glaubte mich in einem Albtraum zu befinden, aus dem ich jeden Moment aufwachen müsste“, sagt André. Auch für seinen Vater Andreas Düvel und seine Mutter Andrea war die Nachricht vollkommen unwirklich. „Ich hatte ihn morgens noch wegfahren sehen. Gegen 7.30 Uhr erhielt ich zunächst einen Anruf von der Dortmunder Autobahnpolizei. Da wurde mir gesagt, dass André einen Autounfall gehabt hat, er aber ansprechbar sei und äußerlich keine Verletzungen habe. Da dachte ich noch, dass nicht viel passiert sein kann“, erinnert sich Andreas Düvell. Als dann der Anruf aus dem Klinikum Dortmund mit der Nachricht kam, dass sein Sohn querschnittsgelähmt sei, brach er innerlich zusammen. „Ich dachte nur: Das kann nicht sein. Warum André?“.

André Düvells Tante Inge Klösges und  sein Vater Andreas auf einer Zugangsrampe zum Haus im Garten. Weitere Umbauten und Hilfsmittel sind nötig, um André ein halbwegs eigenständiges Leben zu ermöglichen. Foto: Ingo Eisner

Unverzüglich brach er mit Andrés Mutter nach Dortmund auf. „Die Reaktion der Ärzte war eindeutig“, sagt Andreas Düvell. „André ist Tetraplegiker. Das bedeutet in seinem Fall, dass er zwar teilweise seine Arme und Handgelenke bewegen kann, jedoch nicht die Finger. Ebenso fehlt die Rumpfmuskulatur“. Für André war das eine schlimme Nachricht. „Ich war völlig niedergeschlagen, deprimiert und frustriert und stellte mir die Frage, ob mir das Leben so überhaupt noch positive Dinge bereit halten könnte“, sagt der 21-jährige Hennefer. Zwar hatte das beherzte Eingreifen von Ersthelfern am Unfallort, die bis zum Eintreffen des Rettungswagens eine halbe Stunde lang seinen Kopf gehalten haben, ihm vermutlich das Leben gerettet. Die Folgen des Unfalls für einen lebensfrohen jungen Mann sind trotzdem verheerend. „Ich will keine Belastung sein. Wenn es unerträglich wird, bringt mich in die Schweiz“, soll André in einer ersten Reaktion gesagt haben.

Fortschritte ermutigen, weiterzumachen

Gespräche mit anderen Patienten, die Andrés Schicksal teilen, spornten ihn allerdings an, die Herausforderungen seiner Behinderung anzunehmen und sie etappenweise zu meistern. Zum Beispiel, sich mit Hilfsmitteln selbstständig zu ernähren, sich aktiv im Rollstuhl zu bewegen, ein Glas Wasser zu halten und selbstständig atmen zu können. André: „Zwar bin ich noch weit davon entfernt, den Alltag souverän meistern zu können, jedoch ermutigen mich die erreichten Fortschritte, weiterzumachen“.

Auch für die Eltern ist die Zeit nicht einfach. Nachdem die Berufsgenossenschaft es abgelehnt hat, den Fall zu übernehmen, obwohl der Unfall auf dem Weg zum Studienort passiert ist, kommen hohe Kosten auf die Familie zu. „Der Rechtsstreit mit der Berufsgenossenschaft dauert noch an“, sagt Andreas Düvell. Unterstützung erhalten Andrés Eltern von Andreas Düvells Schwester Inge Klösges und deren Mann Ralf, die sich während der schweren Zeit auch um Andrés 14-jährige Schwester Klara kümmerten. Vor einigen Tagen hat Inge Klösges einen Spendenaufruf über „GoFundMe“ gestartet. Denn die notwendigen Umbauarbeiten am Haus beziffert sie auf 160.000 bis 200.000 Euro.

Allein ein Lift kostet 70.000 Euro

„Im Erdgeschoss wohnen Andrés Großeltern. Die Wohnung meines Bruders und seiner Frau im ersten Stock muss komplett umgebaut und eine Möglichkeit für André geschaffen werden, dorthin zu gelangen. Zusätzlich werden viele Hilfsmittel benötigt, die ihm das Leben erleichtern und ihm eine gewisse Eigenständigkeit zurückgeben können, die aber immens teuer sind. Alleine ein Lift kostet 70.000 Euro, ein geländegängiger Rollstuhl über 30.000 Euro“, sagte Klösges. Bereits jetzt sind mehr als 55.000 Euro gespendet worden.

„Ich bin total gerührt von der Anteilnahme an Andrés Schicksal“, sagte Klösges. Eine Zuwegung zum Haus soll über die Garage durch den Garten bis hin zu einer Rampe gebaut werden, die von den Düvells bereits vor Andrés Unfall gebaut worden war. Zudem muss ein neuer Eingang über die Küche geschaffen werden.

André befindet sich zwar weiterhin in einer Klinik in Koblenz, war am Wochenende aber zu Besuch bei seiner Familie. Zudem hat er einen Aufnahmetest des Rhein-Sieg-Kreises für ein duales Studium erfolgreich absolviert. „Er ist ein Kämpfer“, sagt Andreas Düvell und hofft, dass sein Sohn Ende März die Klinik verlassen kann.

Wer André unterstützen will, kann sich über den Link https://www.gofundme.com/f/plotzlich-querschnittsgelahmt-mit-21was-jetzt? informieren.