Stadtrundgang der besonderen Art: "Flunkerführung" Ein Besuch an Hennefs Hanse-Hafen

HENNEF · Bereits eine viertel Stunde, bevor es losgeht, findet sich am Freitagabend eine gut gelaunte Truppe vor dem historischen Rathaus in Hennef ein, um an der "Flunkerführung" der fiktiven Karnevalsgesellschaft "Ruut-Wieße Föttschesföhler vun 1913 eVau" teilzunehmen.

Während die Gruppe auf ihre Wanderführer wartet, kommen zwei durchaus auffällige Herren mit Gitarre, Strumpfhaltern und Narrenkappen die Straße entlang: "Präsi" Oli Wirtz und "Zeuschwaat" Uli Birkmann. "Hochverehrte Fremdlinge, herzlich willkommen zur einzigen Stadtführung mit definitivem Wahrheitsgehalt", begrüßt Oli Wirtz die Wandergruppe.

Bereits seit drei Jahren geben Wirtz und Birkmann ihre "Flunkerführung" und sind damit sehr erfolgreich. "Eine richtige Stadtführung macht in Hennef ja keinen Sinn, aber wir dachten uns, wenn man vor völlig unwichtigen Dingen stehenbleibt und dazu eine lustige Geschichte erzählt, könnte das funktionieren", so Birkmann.

Gleich zu Beginn der Stadtführung erfahren die Teilnehmer, dass das historische Rathaus aus dem Jahr 1912 eigentlich gar kein Rathaus ist, sondern einst das Vereinsheim der KG "Ruut-Wieße Fötschesföhler" war. Die Jecken waren nach der monatelangen Gründungsfeier so klamm, dass sie das Haus gleich wieder verkaufen mussten.

Mit diesem Wissen ausgestattet, folgen die Teilnehmer der Stadtführung der etwas anderen Art Wirtz und Birkmann quer durch die Stadt: Frei nach dem Motto "erstunken und erlogen" und mit fröhlichen Gesängen wie "Das Wandern ist des Müllers Lust" spaziert die Gruppe zunächst entlang der Frankfurter Straße, macht einen Abstecher zum "Hennefer Canyon", hinter dem sich schlicht die Sieg mit ihrem Steilufer verbirgt, lässt sich über den versunkenen Hanse-Hafen aufklären und schlägt dann den Weg zum Haupt-Bahnhof ein.

Stets gewürzt mit allerlei Informationen der Rubrik "unnützes Wissen über Hennef" geht es von dort aus durch den "antiken römischen Latrinengang" (die Bahnhofsunterführung), entlang der Mittelstraße und der Kurhausstraße weiter Richtung Geistingen.

Nach der ersten Führung, die lediglich als Probelauf gedacht war, verselbstständigte sich die Sache: Ohne weitere Werbung, durch bloße Mundpropaganda verbreitete sich die Neuigkeit von der fantasievollen Führung. Vereine, Betriebe sowie Privatpersonen rannten den beiden Frohnaturen die Tür ein. Dafür mag nicht zuletzt auch der unverwechselbare Charme der beiden Herren verantwortlich sein: "Wir sind sozusagen die Weiterentwicklung von Dick und Doof", sagt Wirtz.

Bereits seit 20 Jahren bereichern sie als Team die Hennefer Varietäten und das Programm auf der Bühne des Kur-Theaters und zählen damit zu den "alten Hasen" im Showgeschäft. Auch an diesem Abend haben sie das Publikum wieder in ihren Bann geschlagen: "Die Führung ist fantastisch! Ich habe schon viel davon gehört, aber meine Erwartungen wurden noch übertroffen. Man muss einfach selber dabei sein", schwärmt Heike Czaika.

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